Projekt : Wohnungen auf altem Fabrikgelände

Projekt für Ratingen Ost: 25 Prozent des neuen Angebotes werden sozial gefördert. Das hat der Rat jetzt beschlossen.

Es wird ein weiteres wichtiges Bauprojekt in Ratingen Ost geben: Im Bereich der ehemaligen Maschinenfabrik an der Homberger Straße entstehen rund 100 Wohnungen, davon 25 Prozent sozial gefördert. Das hat der Rat jetzt beschlossen. Der Standort ist nicht unattraktiv und verkehrstechnisch sehr gut angebunden.

Das entsprechende Bebauungsplanverfahren war seinerzeit im Zuge der Edeka-Ansiedlung in den denkmalgeschützten Industriehallen gestartet, dann aber abgekoppelt worden. Nun wird es unter veränderten Vorzeichen fortgesetzt. Während ursprünglich auch eine gewerbliche Nutzung vorgesehen war, soll nun ausschließlich Wohnraum geschaffen werden.

Im östlichen Bereich des Geländes sollen mehrere Gebäude entstehen, die ein Volumen zwischen 2,5 Geschossen (zum Beerenkothen hin) und vier Geschossen (zur Homberger Straße hin) aufweisen. Auch eine Quartiersgarage ist geplant.

Wegen der hervorragenden Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und die Versorgung (Supermarkt vor der Tür) soll außerdem geprüft werden, ob es in diesem Fall möglich ist, die Stellplatzvorgabe zu reduzieren.

Rückblende: Der Entwurf für die Restbebauung des Geländes hatte die SPD-Fraktion auf den Plan gerufen. Sie begrüßte die zunächst geplante Reduzierung des Anteils an Gewerbeflächen zugunsten des dringend benötigten Wohnungsbaus, wollte jedoch die Zahl der preiswerten Wohnungen deutlich steigern. SPD-Fraktionschef Christian Wiglow war der Ansicht, dass gerade an diesem Standort in Ost mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden soll. „Preisgünstiges und bezahlbares Wohnen ist das große Thema, bei dem sich in Ratingen endlich etwas bewegen muss“, meinte Wiglow. „Daher wollen wir auf der alten Maschinenfabrik einen Anteil von 30 Prozent mit öffentlich gefördertem Wohnungsbau und 20 Prozent mit preisgedämpftem Wohnungsbau.“

Die SPD-Fraktion wollte gerade hier das Planungsrecht nutzen, um beim Thema bezahlbarer Wohnraum voranzukommen. Die Situation auf dem Wohnungsmarkt in Ratingen sei nach wie vor besorgniserregend und „spitzt sich immer weiter zu“, wie die Verwaltung selber bestätigte. Auch steige die Zahl der Wohnungssuchenden und die Zahl der ausgegebenen Wohnberechtigungsscheine. Die Zahl der Sozialwohnungen gehe immer weiter zurück. Von 2017 bis 2025 um weitere knapp neun Prozent auf dann nur noch 2210 (Ende 2017 seien es 2419 gewesen). Angesichts nicht vorhandener Neubautätigkeit in Ratingen sei das eine sehr beunruhigende Tatsache.

Im Jahr 2017 wurde im Kreis Mettmann der Neubau von 127 Mietwohnungen mit Darlehen in Höhe von 17,6 Millionen Euro gefördert. In Ratingen dagegen nichts, wie aus der Vorlage 20/025/2018 des Kreistages zur Wohnraumförderung hervorgehe. „Ein unhaltbarer Zustand“, urteilte Wiglow. Ratingen brauche viel mehr bezahlbaren Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten, weit in die sogenannte Mitte der Gesellschaft hinein. Zudem stelle das künftige Rentenniveau weiteren sozialen Sprengstoff dar, „wenn Menschen im Alter dort, wo sie immer gelebt haben, keine bezahlbare Wohnung mehr finden können“. Allein die Einpendlerzahlen und das alltägliche Verkehrschaos seien ein eindeutiger Beleg.

Auch stünden die Ratinger Unternehmen im harten Wettbewerb um junge Fachkräfte, die auch in der Stadt wohnen wollten und sollten. „Bietet hier die Stadt zu wenig, gehen diese Menschen woanders hin. Das können wir weder wollen noch zulassen“, so die SPD. Gleiches gelte für junge Familien, die Ratingen braucht, will es auch künftig ein lebendiges Gemeinwesen bleiben: „Auch das Ehrenamt benötigt Menschen, die vor Ort leben können. Man denke nur an die Freiwillige Feuerwehr.“