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Ratingen: Radler tappen in Tarif-Falle

Ratingen : Radler tappen in Tarif-Falle

Unverständliche Bestimmungen fürs Ticket 2000 ließen zwei Senioren zu Schwarzfahrern werden: Sie nahmen in einen anderen Gültigkeitsbereich ihre Räder mit: Ein Zusatzticket reichte nicht aus. Rheinbahn regelte den Fall.

Sie sind keine notorischen Schwarzfahrer, sondern rüstige Senioren und VRR-Vielfahrer mit Ticket 2000 — und wurden kürzlich dennoch beim Schwarzfahren ertappt. Die beiden Dumeklemmer, namentlich möchten sie nicht genannt werden, stammen aus Mitte und aus Hösel und wollten Anfang August gemeinsam eine Radtour unternehmen.

Von Solingen aus sollte es über alte Bahnstrecken wie den Panoramaradweg wieder gen Heimat gehen. Mit der Bahn fuhren sie zunächst nach Solingen. Beide sind im Besitz des Tickets 2000, Preisstufe A1, gültig für die Wabe 44 (Ratingen/Heiligenhaus) des VRR-Verbundgebietes. Damit kann man bekanntlich Fahrräder gratis mitnehmen.

Die Vielfahrer wussten: Um nach Solingen (Wabe 74) fahren zu können, muss für jede Fahrt und Person ein Zusatzticket gelöst werden. Das taten sie auch. Dann sei der Kontrolleur gekommen, habe selbst in seiner Tarifbroschüre nachgeguckt und dann darauf bestanden: Auch fürs Fahrrad müsse ein Zusatzticket gelöst werden. Er habe sich nicht erbarmen lassen, wohl auch mit Blick auf die "Fangprämie". Nun waren zweimal 36,50 Euro fällig. Das finden die Ratinger ungerecht.

"Dass ich pro Strecke jeweils für die Person und das Fahrrad ein Ticket benötige, ergibt sich aus den Tarifbestimmungen nicht eindeutig", schrieben sie daraufhin an die Nacherhebungsstelle der Bahn. Und: "Leider sind die komplizierten Tarifregelungen für Ticket 2000-Nutzer bei Überschreiten des normalen Geltungsbereiches an den Haltestellen des VRR-Bereiches nicht einsehbar. Wir hatten einen Rheinbahn-Busfahrer am Fernbahnhof gefragt, ob für Fahrräder ein Zusatzticket notwendig wäre, was aber verneint wurde."

Den Busfahrer trifft keine Schuld. Selbst die Bahn AG war auf Nachfrage der RP nicht fähig, wenigstens einen Link auf den entsprechenden Passus zu liefern. Das stünde so im Tarif und basta. Man verwies allerdings auf die vielen Besonderheiten innerhalb der Tarifverbünde. Der VRR ist ein solches Gebilde.

Und die Rheinbahn hat nach RP-Anfrage sofort reagiert: Nachdem klar war, dass die Tarifbestimmungen in der Tat für normale Bürger in Sachen Rad-Mitnahme alles andere als klar und nachvollziehbar seien, habe man bei der Fahrpreisnacherhebungsstelle die beiden Verfahren mit Hinweis auf die Falschauskunft des Busfahrers erst einmal niedergeschlagen, so Rheinbahn-Sprecher Georg Schumacher.

Doch der Kontrolleur habe Recht gehabt, so Schumacher. Bis zu dieser Erkenntnis habe es allerdings einigen Aufwandes innerhalb des Hauses bedurft. Anders ausgedrückt: Man musste sich erst einmal schlaumachen, was wohl nicht ganz so einfach war. Für Schumacher ist klar: "Die Dinge müssen nachvollziehbar und auch für normale Menschen plausibel sein." Wer sein Ticket 2000 mit einem Zusatzticket erweitere, gehe davon aus, dass er auch alle Leistungen des Tickets 2000 damit erweitere. Die Tarifstruktur müsse klar sein. Ist sie aber nicht. Selbst nach längerer Internet-Recherche stößt man höchstens mal auf einen Nebensatz zum Thema Radmitnahme.

Was nun? Die Rheinbahn werde bei den Verhandlungen innerhalb des VRR den eigenen Vertreter entsprechend briefen: Die Unklarheit müsse beseitigt werden. Es könne nicht sein, dass die Kunden selbst bei bestem Willen Gefahr liefen, zu Schwarzfahrern zu werden.

(RP/rl)