Heiligenhaus: Radeln in luftiger Höhe

Heiligenhaus: Radeln in luftiger Höhe

Fast 50 Jahre war das Eisenbahnviadukt in 22 Metern Höhe über der Ruhrstraße geschlossen. Seit gestern ist es wieder offen. Entstehen soll ein asphaltierter „Alleenradweg“. Verkehrsminister Oliver Wittke feierte mit.

Den direkten Weg von der Ruhrstraße hinauf auf das 22 Meter hohe Viadukt schaffen nur gut abgesicherte und angeseilte Kletterer wie Thilo Kilian und Simon Wiegel. Gestern hatten sie einen besonderen Auftritt: Sie schafften in bester Kletterer-Manier die Schere heran, mit der Landes-Verkehrsminister Oliver Wittke in luftiger Höhe ein blaues Band durchschnitt. Mit dem großen Aufwand – beobachtet wurde das Spektakel auch vom Korb der Feuerwehr-Drehleiter aus sowie von zahlreichen Gästen oben und unten – hatte es seine besondere Bewandtnis: Die Wiedereröffnung des historischen Brückenbaus war zugleich Startschuss für das Projekt „Alleenradwege“.

Es geht um eine insgesamt 25 Kilometer lange, nicht mehr benutzte niederbergische Bahntrasse, die Heiligenhaus mit Velbert und Wülfrath verbindet. Die zu einem asphaltierten Radweg auszubauen, ist dem Land viel Geld wert. Allein das acht Kilometer lange Heiligenhauser Teilstück kostet 3,8 Millionen Euro, gut 2,8 Millionen davon kommen aus der Landeskasse.

Die gesamte Dimension des Landes-Projektes: In diesem Jahr werden rund 56 Kilometer stillgelegte Trassen für 12,7 Millionen Euro zu Radwegen umgebaut. Wittke zu den Perspektiven für das „Radfahrland Nummer eins in Deutschland: Insgesamt werden 364 Kilometer neue Alleenradwege entstehen.“ Gerade in Heiligenhaus sei der „Kosten-Nutzen-Quotient“ besonders günstig.

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Das betonte auch Bürgermeister Dr. Jan Heinisch. Zumal durch die gefundene Lösung „alle Optionen offen“ seien. „Die Reaktivierung der Bahnstrecke für den öffentlichen Schienenverkehr als so genannte Circle Line ist langfristig wichtig und durch den Erwerb der Trasse gesichert.“ Viel Arbeit wurde in die Sanierung des Viadukts gesteckt. Unter anderem erhielt der Bau aus den Zwanziger Jahren beiderseits ein neues Sicherheitsgeländer. Die Brücke steht seit 1990 unter Denkmalschutz. Der Bahnbetrieb wurde bereits 1960 eingestellt. Gedacht ist nun an einen asphaltierten Weg zwischen Görscheider Weg und Kettwiger Straße. Unumstritten ist das nicht. Schon gestern gab es für den Minister, den Landrat den Bürgermeister und den Rat ein Plakat zu lesen: „Wir brauchen die Natur, wir brauchen keine Asphaltspur.“ Für eine ganze Gruppe von Nutzern sagte Heinz Przetak: „Der Bahndamm muss bleiben, wie er ist. Sonst entsteht Gefahr für Fußgänger“, moniert er. „Ich bin seit 50 Jahren hier als Fußgänger und Jogger unterwegs. Wird der Weg asphaltiert, wird die Strecke zu schnell – und im Winter glatt.“ Aus der Kritik zog der Bürgermeister spontan den Schluss: „Wir werden für die Asphaltlösung werben müssen.“ Für die Lösung stinden die Initiative Pro Niederbergbahn, der ADFC, Kommunal- und Kreispolitik.

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(RP)
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