Heiligenhaus: Proteste nach Tod eines Asylbewerbers

Heiligenhaus : Proteste nach Tod eines Asylbewerbers

Der Mann war am Sonntag an einer unheilbaren Krankheit im Klinikum gestorben. Nun gab es Proteste gegen die Zuständ im Wohnheim des 43-Jährigen.

Der Tod eines 43-jährigen Asylbewerbers aus Zentralafrika war Dienstag Auslöser einer Protestdemonstration auf dem Rathausvorplatz. Etwa 30 Flüchtlinge machten auf die aus ihrer Sicht unhaltbaren Zustände im Übergangswohnheim an der Ludgerusstraße aufmerksam. "Der Mann starb an den Folgen einer schweren, internistischen Erkrankung", sagte Sozialdezernent Michael Beck dazu. Er habe definitiv nicht an einer ansteckenden Krankheit gelitten, die Unterbringung habe mit dem Tode des Mannes nichts zu tun.

Wie in solchen Fällen üblich, ermittle die Kripo in dem Fall. "Die Demonstranten machen die Zustände im Übergangswohnheim verantwortlich für den Tod des Mannes", so Beck. Dieser Vorwurf sei nicht haltbar. Der Rettungsdienst hatte den 43-Jährigen am Sonntagnachmittag, 15.05 Uhr, in kritischem Zustand von der Ludgerusstraße aus ins Klinikum Niederberg gebracht. Dort starb er trotz sofortiger intensivmedizinischer Behandlung.

Beck bat die Demonstranten zu einer kurzen Besprechung ins Rathaus. "Wir nehmen die einzelnen Kritikpunkte an der Notunterkunft auf und arbeiten sie ab", sagte er. Unter anderem führten die Protestierenden Klage dagegen, dass am Wochenende die Heizung in der ehemaligen Schule ausgefallen und eine Dusche defekt sei.

"Die ehemalige Schule an der Ludgerusstraße ist in keinem schlechteren Zustand als andere städtische Immobilen", sagte Bürgermeister Jan Heinisch. Eine entsprechende Mängelliste werde umgehend abgearbeitet, versprach er. Klar sei allerdings, dass es sich um eine Notunterkunft handle, so Beck. "Eine bisher gut funktionierende", ergänzt Sozialarbeiter Thomas Brüssel. Er betreut seit 19 Jahren die Flüchtlinge in Heiligenhaus.

Derzeit leben 80 Asylbewerber an der Ludgerusstraße, knapp drei Viertel von ihnen sind Männer im Alter von unter 40 Jahren. Den Verstorbenen kennt Brüssel schon aus Zeiten, als die Flüchtlinge noch an der Friedhofsallee untergebracht waren. "Der Mann war außerordentlich beliebt unter den Bewohnern, lebte seit 14 Jahren in Deutschland und war ein gesuchter Ansprechpartner für alle." Die Reaktion auf seinen Tod schätzt Brüssel auch als ein Stück Trauerbewältigung ein. "Das war heute Morgen emotional geprägt, hat aber keine Grenzen überschritten."

Generell bereite die medizinische Versorgung der Flüchtlinge keine Probleme. "Sie werden nach Vorgaben der Krankenkassen versorgt. Von mir bekommen sie, wenn möglich, ein Begleitschreiben für die jeweilige Arztpraxis, die ihrerseits vom Sozialamt einen Behandlungsschein anfordern kann", erläutert der Sozialarbeiter. Der erste behandelnde Arzt überweise auch bei Bedarf an Fachärzte.

Brüssel stimmte sich gestern auch mit den Experten des Fachbereichs Immobilien ab, die sich um Elektrik und Sanitäreinrichtungen kümmern. Theoretisch könnte der Sanitärbereich im Keller ausgeweitet werden, für zusätzliche Möglichkeiten zum Wäschetrocknen ist schon gesorgt.

Alle Pläne stehen allerdings unter Vorbehalt. Noch ist nicht entschieden, wo die Flüchtlinge letztendlich unterkommen werden, nachdem sie im Sommer die abbruchreifen Unterkünfte an der Friedhofsallee verlassen mussten. Nach wie vor steht eine Neubauplanung im Raum, geprüft werden aber auch Alternativen. Das Verfahren läuft, das Ergebnis ist offen.

(RP)