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Projekt für Kinder am Umweltgbildungszentrum Heiligenhaus

Umweltbildungszentrum Heiligenhaus : Raus aus der Isolation – rein in die Natur

Besonders Kinder haben an den Folgen der Pandemie zu knabbern. Mit dem Projekt „Back to life with nature“ sollen Kinder auffangen werden.

Kinder- und Jugendliche hielten sich während der strengen Corona-Maßnahmen überwiegend im häuslichen Bereich auf. Soziale Kontakte fanden sehr selten oder nur virtuell statt. Das hat bei ihnen Spuren hinterlassen: Erfahrungen in prägenden Phasen, wie in der emotionalen Entwicklung, sozialen Bindungen und der körperlichen Aktivität fehlen.

Um diese Kinder wieder aus der „Isolation“ herauszuholen, hat das Umweltbildungszentrum ein Projekt – angelehnt an das waldpädagogische Konzept – entwickelt, an dem derzeit bis zu sieben Kinder im Grundschulalter teilnehmen können. „Die Idee für ein regelmäßiges Projekt hat sich im Ferien-Camp entwickelt“, erzählt Marc Müller (30). Der Sozialarbeiter hat das Projekt gemeinsam mit der Psychologin Xenia Leußler (31) entwickelt und betreut es auch.

Seit sechs Jahren sind die beiden bereits im Umweltbildungszentrum aktiv und packen bei den Feriencamps mit an. Mit dem Projekt „Back to life with nature“, also „Zurück ins Leben mit der Natur“ können die beiden nun ein auf Längerfristigkeit angelegtes Projekt gestalten und begleiten. „Ich erlebe die Kinder so unterschiedlich wie sie ohnehin schon sind. Jedes ist auf seine eigene Art auffällig.“ Ein Faktor, den sie jetzt schon ausgemacht haben: „Alle Kinder haben in irgendeiner Form mit Medien zu tun“, sagt Leußler. „Wenn die Kinder in unserer Begrüßungsrunde erzählen, was sie in der Woche beschäftigt hat, dann geht es ganz oft darum, was sie gespielt haben, welches Spiel-Update sie zum Beispiel haben. Und wir merken, sie leben sehr viel in diesen virtuellen Welten.“

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Deswegen geht’s in dem Projekt ganz viel raus in die Natur und in den Wald der Abtsküche, Flöße haben sie schon gebaut und einen Staudamm; Müll wurde ebenfalls schon gesammelt, außerdem gibt es Wahrnehmungsspiele und Vertrauensübungen. „Wir holen die Kinder in ihren Stadtteilen ab, dafür können wir den Bus vom Spielhaus nutzen, und beginnen dann jeden Freitagnachmittag hier an der Grillhütte.“

Zu Beginn habe das Duo die Zeit gut durchplanen wollen. „Manchmal reicht es aber schon, die Kinder hier einfach frei spielen und toben zu lassen, den Platz und den Wald dafür haben sie nicht überall.“ Ein sicherer Rahmen für die Kinder, damit die ihre Kreativität entdecken und ausleben können. „Kopf, Herz, Hand“ wollen sie dabei ansprechen und damit die Familien unterstützen. Die Zahl der Kinder ist dabei mit sieben Köpfen – aktuell sind es sechs – bewusst gering halten, um mit diesem recht hohen Betreuungsschlüssel von Fachkräften auch wirklich Zeit für die Kinder zu haben. So haben sie Zeit fürs Zuhören und auch mal für Einzelbetreuung. Dafür arbeiten sie mit der Kinderarztpraxis Paulus, mit der Schulsozialarbeit und dem Jugendamt zusammen.

Ausgelegt ist das Projekt für ein halbes Jahr, dann sollten eigentlich neue Kinder dazukommen. „Wir hätten die Kinder aber auch gerne länger hier“, sagt Müller. Da sich nun zwei weitere pädagogische Fachkräfte gefunden haben, soll nun eine zweite Gruppe eröffnet werden. Das Pionier-Duo erlebt dabei, wie die Kinder im Projekt aufblühen: „Ich merke schon an einem Tag, dass die Kinder, die vielleicht mit schlechter Laune hier ankommen, mit guter Laune wieder gehen“, sagt Leußler.

Müller: „Ich hoffe, dass die Kinder nicht nur Impulse mitnehmen, was sie auch zuhause machen könnten, sondern dass sie mit einem gestärkten Selbstwertgefühl nach Hause gehen. Dass sie eine positive Einstellung haben, weil sie wissen, dass sie Dinge allein schaffen können, denn das gibt gesundes Selbstvertrauen.“