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Premiere auf der Ratinger Freiluftbühne

RATINGEN : Freiluftbühne bringt ein Stück Normalität

Am Wochenende hatte das Stück „Pettersson und Findus“ auf der Naturbühne am Blauen See Premiere. Das Hygienekonzept hat sich bewährt. Das Ensemble punktet einmal mehr durch Spielfreude.

Endlich wieder spielen, endlich wieder Theater. Auf der Naturbühne am Blauen See ist wieder etwas los. Und zwar ein ziemlich vergnügliches Stück mit fulminanten Verfolgungsjagden auf Traktoren, einem glänzenden Timing, viel Musik, so mancher Überraschung und einer bestens aufgelegten Darstellerriege.

Am Wochenende erlebten „Pettersson und Findus“ die Premiere, die ihnen seit Ende Mai versagt geblieben war. Auf das Stück und auf die beiden Namensgeber, auf die Hühner Prillan und Henni, auf Gustavsson und Nachbarin Anna Andersson und auf den Hahn Caruso hatten sich nicht nur die Familien gefreut haben, sondern auch die Truppe vom Veranstalter Theater Concept. Dort war man zwischenzeitlich sogar davon ausgegangen, überhaupt kein Publikum mehr begrüßen zu können. Doch am Samstag und Sonntag saßen wieder Familien auf der – stellenweise dankenswerterweise – überdachten Tribüne.

„Es war einfach super gut“, sagt Chrinstina Agel von Theater Concept über das Premierenwochenende. „Wir waren alle total angespannt. Wie viel Leute kommen? Funktioniert alles wie geplant? Aber unser Konzept ist absolut aufgegangen.“ Einbahnregelung, zusätzliches Personal, eine deutlich reduzierte Zuschauerzahl, alles ist ein bisschen anders als gewohnt, aber all das ist für die zwei Stunden, in denen die Schauspieltruppe auf den Hof von Pettersson entführt, vergessen.

„Die Besucher waren sehr wohlwollend und hatten vor allem super viel Spaß, das kommt, obwohl es natürlich weniger Zuschauer sind, auch bei uns auf der Bühne an“, sagt Agel, die selbst als Huhn „Prillan“ auf der Bühne zu sehen war. Statt 1250 Menschen, die eigentlich auf die Zuschauerränge passen, hat man sich im Rahmen des Sicherheitskonzeptes erst einmal für den Einlass von etwa 350 Menschen entschieden. „Ich gehe davon aus, dass wir diese Zahl noch auf etwa 450 anheben werden. Theoretisch könnten bis zu 500 rein, aber wir wollen das Risiko natürlich so gering wie möglich halten und auf eine Maskenpflicht für die Zuschauer verzichten.“

Möglich macht das auch die hohe Spendenbereitschaft der Fans. Als noch nicht klar war, dass hier überhaupt wieder die Pforten öffnen, gab es eine große Welle der Unterstützung: „Das war überwältigend, damit haben wir nicht gerechnet“, freut sich Agel. Über Spenden freut man sich weiterhin, denn es gilt, Mehrkosten durch zusätzliches Personal und Material zu stemmen, und finanzielle Einbußen durch geringere Zuschauerzahlen auszugleichen.

Der Spielfreude der Truppe tat all das am Premierenwochenende keinen Abbruch, im Gegenteil: Sie war an allen Ecken zu spüren. Schließlich durften auch sie nach langen Wochen des Wartens endlich wieder auf die Bühne. „Wenn wir erst mal spielen, dann fühlt sich alles wie immer an“, sagt Agel. Ein Stück Normalität in schwierigen Zeiten – für beide Seiten des kleinen Sees zwischen Tribüne und Bühne. So ist der Applaus in diesen Zeiten vielleicht noch wichtiger. Allerspätestens, wenn Wetterkapriolen zwischen Sonne und einem ordentlichen Regenguss das Stück – und die Schauspieler – für die Saison taufen, dann sorgt das nicht nur für ein dramatisches Element, sondern zeigt eben auch: Es ist Naturbühnenzeit.