1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Heiligenhaus: Polizisten schießen auf Kampfhunde

Heiligenhaus : Polizisten schießen auf Kampfhunde

Einsatz an der Jahnstraße: Die beiden argentinischen Doggen hatten zuvor ihren Besitzer angefallen und verletzt.

"Verletzte Person durch Bisswunden von einem großen Hund." Mit diesem Kenntnisstand machte sich am späten Montagabend, gegen 21.50 Uhr, eine Streifenwagenbesatzung auf zu einem Einsatz an der Jahnstraße. Dort stellte sich heraus: Der Hundebesitzer, ein 28-Jähriger, musste am Einsatzort notärztlich versorgt werden. Er wurde später zur stationären Weiterbehandlung ins Klinikum in Velbert gebracht.

Nach ersten Ermittlungen hatte sich, laut Polizei, zuvor Folgendes zugetragen: Die beiden argentinischen Doggen hatten miteinander gekämpft. Als der 28-Jährige versuchte, sie voneinander zu trennen, wurde er selbst attackiert und durch Bisswunden an den Armen verletzt. Nach eigener Aussage des Mannes seien die beiden Hunde extrem gefährlich und aggressiv, so der Polizeibericht weiter.

Bei Eintreffen der Polizei befanden sich die Hunde vor dem Haus an der Jahnstraße auf einem nicht eingezäunten Grundstück. Als sich die argentinischen Doggen in bedrohlicher Weise den Beamten näherten und ein Angriff nicht auszuschließen war, schossen die Polizisten mehrfach auf die Tiere. Beide wurden getroffen und verletzt. Die Hunde entkamen zunächst auf ein Nachbargrundstück.

Die Polizei sperrte daraufhin das Gelände. Die "augenscheinlich verletzten Tiere" kehrten kurz darauf zurück vor den Hauseingang. Ein Diensthundeführer konnte sich den verletzten Tieren nähern und beide einfangen. Sie wurden zur ärztlichen Versorgung zu einem Tierarzt gebracht. Gegen den Hundehalter der beschlagnahmten Hunde wurde ein Verfahren nach dem Landeshundegesetz eingeleitet.

Wie Polizeisprecherin Nicole Rehmann gestern auf Anfrage sagte, war der verletzte Mann polizeibekannt. "Gegen ihn liegt ein offener Haftbefehl vor." Er konnte "Heimtierausweise" für die beiden Hunde vorweisen. "Ob er den nötigen Sachkundenachweis besitzt, ist uns nicht bekannt", so Rehmann.

"Fälle vergleichbarer Art sind der Stadt Heiligenhaus bisher nicht bekannt geworden", sagte Fachbereichsleiterin Kerstin Plambeck. Der städtische Ordnungsdienst war am späten Montagabend nicht beteiligt. "Es war ein reiner Polizeieinsatz." Der ordnungsbehördlichen Papierform nach sei mit der Hundehaltung alles in Ordnung gewesen, sagte Plambeck, ohne auf Details des vorliegenden Falles einzugehen.

Seit 2014 gelten in Heiligenhaus steuertechnisch neue Bedingungen in Sachen Hundesteuer. Für Hunde besonderer Rassen wird eine Steuer von 700 Euro fällig. Für Hunde, die nicht unter diese Bedingungen fallen, 109 Euro. Die Stadt hat einen Flyer dazu veröffentlicht. Darin wird ausdrücklich darauf hingewiesen, "dass Sie Ihren Hund nicht nur bei der Abteilung Kämmerei zur Hundesteuer, sondern auch bei der Abteilung Ordnungsangelegenheiten anmelden müssen".

Es gilt eine Reihe von Voraussetzungen: Das Tier hat eine Widerristhöhe von mindestens 40 Zentimetern und wiegt mindestens mindestens 20 Kilo. Große Hunde dürfen nur gehalten werden, wenn der Halter die erforderliche Sachkunde und Zuverlässigkeit besitzt, den Hund fälschungssicher mit einem Mikrochip gekennzeichnet und für den Hund eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen hat - und dies gegenüber der Ordnungsbehörde nachweist.

Für "gefährliche Hunde" und "Hunde bestimmter Rassen" benötigt der Halter eine Erlaubnis der Ordnungsbehörde. Das Kreisveterinäramt kommt hier mit ins Spiel: "Wir sind zuständig für die Sachkundenachweise und die Beurteilung dieser Hunde", sagt Sprecherin Daniela Hitzemann. Im Jahr 2017 gab es kreisweit 53 solcher Tests, zu denen Halter mit ihren Hunden gebeten werden. Im Jahr 2016 waren es 73. Welche Hunde die Regelung grundsätzlich betrifft, ist wiederum im Landeshundegesetz festgeschrieben.

Der hohe Heiligenhauser Steuersatz wird fällig für gefährliche Hunde im Sinne der Paragrafen 3 und 10. Sie beziehen sich auf Hunde, bei denen "nach Veranlagung, Erziehung und/oder Charaktereigenschaften die erhöhte Gefahr einer Verletzung von Personen besteht oder von denen eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit ausgehen kann".

In Heiligenhaus sind nach Plambecks Angaben 20 Hunde bestimmter Rassen und Kampfhunde gemeldet. Details zur Gesetzgebung sind ausführlich auf der Internetseite der Stadt nachzulesen.

(RP)