Diskussion : IHK prüft Kandidaten in der Wahlarena

Sieben Politiker bewerben sich um das Bürgermeister-Amt. Nun stellten sie sich den Fragen aus der Wirtschaft.

Mit Blick auf politische Vielfalt hat Ratingen im Kreis Mettmann schon einmal die Nase vorn. Sieben Bürgermeister-Kandidaten stellten sich am Montagabend im „Event & Fair Hotel Tulip Inn Düsseldorf Arena“ bei einer Veranstaltung der Industrie- und Handelskammer (IHK) ausgiebig vor. Zum fünften Mal fand die Wahlarena statt. WDR-Moderator Helmuth Rehmsen befand, dass sieben Kandidaten in einer Stadt kreisweit Rekord seien. Er nannte die Ratinger Gäste die glorreichen Sieben – ein netter Stimmungskracher.

Angenehme Atmosphäre, konstruktive Beiträge: Amtsinhaber Klaus Pesch, der für die CDU kandidiert, Christian Wiglow (SPD), Martin Tönnes (Bündnis 90/Die Grünen), Rainer Vogt (Bürger Union), Dr. Markus Sondermann (FDP), Thomas Woywod (Optimisten) und Manfred Evers, der unabhängige Bürgermeister-Kandidat, diskutierten angeregt und gaben viele Denkanstöße.

Was allen Beteiligten klar ist und was deutlich zum Ausdruck kam: Die Stadt hat in einigen Bereichen sehr viel Potenzial, doch man muss die Möglichkeiten auch konsequent entwickeln und realisieren.

Dass die Reaktivierung der Westbahn eine große Chance für die Mobilität und Lebensqualität ist, steht außer Frage. Sondermann betonte, dass man bei diesem Projekt vor allem an eine gute Anbindung an die Innenstadt denken müsse. Tönnes nannte die von den Grünen forcierte Initiative einer Bestellgarantie. Hintergrund: Die Bestellgarantie des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass für die weitere Planung und Umsetzung entsprechende Landes- und Bundesmittel zur Verfügung gestellt werden.

Stichwort Mobilität: Wiglow mahnte beim Öffentlichen Personennahverkehr eine bessere Tarifstruktur an, die für Pendler Anreize schaffe. Immer wieder wurden Fragen, auch von Bürgern formuliert, an die Kandidaten gerichtet. So gab es zum Beispiel das Problem der Verkehrsanbindung von Breitscheid/Mintard. Vogt brachte die Idee eines Bürgerbusses ins Spiel. Dieses Projekt werde seit vielen Jahren mit Erfolg in Heiligenhaus umgesetzt, betonte der Politiker.

Zu den zentralen Themen gehörte auch das Wohnen in Ratingen. Rufe nach einer städtischen Wohnungsgesellschaft wurden laut, vor allem müsse man mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Dass die Stadt als Wirtschaftsstandort attraktiv bleiben muss, ist aus Sicht von Bürgermeister Pesch von großer Bedeutung. Und so sei es wichtig, dass man Projekte wie die Wallhöfe und den DKV-Erweiterungsbau rechtssicher vorantreibe. Evers stellte seinen Protest gegen das Wallhöfe-Projekt heraus, das auf den heftigen Widerstand einiger Anwohner gestoßen ist.

Und auch das Thema Digitalisierung kam zur Sprache. Woywod forderte ein Gesamtkonzept für die Stadt – mit dem Ziel, digitale Kommunikation schnell und problemlos für alle Bürger zu ermöglichen.

IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen sprach mit Blick auf dieses Diskussionsformat von einem Erfolg, der sehr wichtig für die Region und die hiesige Wirtschaft sei. Die Unternehmen im Kreis Mettmann hatten ihre Forderungen an die künftige Stadtpolitik für jede der zehn Kommunen in IHK-Positionspapieren formuliert.

Und so ging es auch um die Bitte aus der Wirtschaft, gerade in diesen schwierigen Corona-Zeiten wichtige Weichenstellungen für die jeweilige Standort-Politik vorzunehmen.