Heiligenhaus: Pionier der Pädagogik

Heiligenhaus: Pionier der Pädagogik

Professor Dr. Jakob Muth prägte Generationen von Lehrern. Er galt als ein Verfechter des humanen Lernens, war Praktiker und Forscher zugleich. Seine Familie lebt noch heute in Heiligenhaus.

Etliche Behindertenschulen und Grundschulen in Deutschland tragen den Namen von Jakob Muth (1927-1993). Er war Professor an der Pädagogischen Hochschule Kettwig/Duisburg, später erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl „Praktische Pädagogik“ an der Ruhr-Universität Bochum. Diese vom Humanismus geprägte Persönlichkeit wohnte Jahrzehnte in Heiligenhaus.

Als überzeugter Sozialdemokrat und in der Tradition eines Kurt Schumachers und Carlo Schmidts setzte er im Schul- und Kulturausschuss des Stadtrates Akzente, kämpfte für Gerechtigkeit und Gleichheit. In den damaligen örtlichen Landschulen Isenbügel und Abtsküche verbrachten seine Studenten das in den 60er und 70er Jahren vom Staat geforderte einmonatige Praktikum.

„Für ihn zählte in erster Linie der Mensch, sensibel und verständnisvoll führte er die ihm anvertrauten zukünftigen Lehrer über alle Klippen“ erzählt sein Freund Klaus Biehler, ehemaliger Rektor der katholischen Schule Abtsküche und später Seminarleiter für Pädagogikstudenten in ganz NRW.

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Die Familie von Professor Dr. Jakob Muth wohnt immer noch in Heiligenhaus, ebenfalls viele Freunde. Aber nichts erinnert vor Ort an den Mann, der auf dem Gebiet der Pädagogik Pionierarbeit leistete und internationale Anerkennung fand. Das könnte und sollte anders werden, wenn in den künftigen neuen Wohngebieten eine Straße nach ihm in seiner Wahlheimat benannt würde. Mehr als verdient hätte der leider viel zu früh verstorbene Wissenschaftler diese Anerkennung. Die Schule war sein Element. Hier arbeitete er als Praktiker und Forscher. In Rheinhessen geboren, musste er bereits mit 17 Jahren in den Krieg und lernte früh die harten Entbehrungen der Gefangenschaft kennen. 1945 begann Muth als Maurerlehrling mit einem Umschulungsvertrag für 18 Monate. Er war Gelegenheitsarbeiter und half beim Wiederaufbau von Mainz.

Ab 1947 besuchte der junge Mann die Internatschule in Alzey, machte ein Jahr später das Abitur, absolvierte erst ein Studium für das Lehramt an Volksschulen. Er heiratete eine Lehrerin, wurde Vater zweier Kinder, studierte Pädagogik an der Universität Mainz, promovierte über das Thema „Vorberufliche Erziehung in der Volksschule“ bei Professor Ballauf und begann schnell mit seiner akademischen Laufbahn als Professor. Sein besonderes Ziel war die Förderung behinderter und von Behinderungen bedrohter Kinder und Jugendlicher. Hierfür setzte er sich ein Berufsleben lang ein. In Anerkennung für seine herausragenden Verdienste auf diesem Gebiet wurde Professor Muth der renommierte Comenius Preis verliehen.

(RP)
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