Ratingen: Pianist Ben Lepetit spielt grandios in der Wasserburg

Ratingen: Pianist Ben Lepetit spielt grandios in der Wasserburg

Als Ben Lepetit das Podium betrat und der Elfjährige nach einer kurzen, schüchternen Verbeugung den Hocker vor dem stattlichen Steinway-Flügel erklomm, ging ein entzücktes Raunen durch das Publikum.

Doch schon nach wenigen Takten aus dem Italienischen Konzerten von Johann Sebastian Bach entfaltete sich seine souveräne Meisterschaft am Klavier, fließend glitten seine kleinen Hände über die Tasten. Mit welcher Leichtigkeit er Läufe und Kadenzen beherrscht, bewies er mit Mozarts Fantasie in d-moll. "Der Vogel als Prophet" von Robert Schumann zauberte in seiner einfühlsamen Interpretation mit subtilem Anschlag eine geheimnisvolle, romantische Stimmung in den Saal. All sein virtuoses Können zeigte der junge Pianist bei Werken von Chopin.

Quicklebendig meisterte er die Triolenketten der "Schwarze Tasten Etude" und schuf mit der Etude op. 25 Nr. 12 "Ocean" mit den parallelen Arpeggien beider Hände, die wie Wellen von einem Ende der Tastatur zum anderen verlaufen, einen fulminanten Abschluss seines Vortrags, dem noch eine bezaubernde Zugabe, "Der Tanz der Zwerge" folgte. Im vergangenen Jahr war Ben Lepetit als Preisträger des erstmals auf Initiative von Prof. Barabara Szepanska in Düsseldorf ausgetragenen Internationalen Robert Schumann Klavierwettbewerb mit über 80 Teilnehmern aus 30 Nationen, hervorgegangen. Es war eine weitere Auszeichnung auf dem schon sehr erfolgreichen Verlauf seiner noch so jungen Musikerkarriere. Das gilt auch für Vladislaw Fedorow, der den zweiten Teil des Programms bestritt. Der junge Pianist, aus der Wettbewerbsgruppe bis 20 Jahre war eigens aus Petersburg angereist, er gehört zu den "Young Talents of Russia". Auch er begann sein anspruchsvolles Programm mit Kompositionen des Barock, Scarlattis Sonaten in E-Dur und in e-Moll mit ruhiger Perfektion. Der gesangartigen Melodie des Impromptus Nr. 3 von Franz Schubert folgte ein wilder Ritt über die Tasten mit der Etude Nr. 4 "Mazeppa" von Franz Liszt. Hier zeigte der junge Künstler seine atemberaubende Fingerfertigkeit im temperamentvollen Synkopenrhythmus. Mit Brahms Intermezzi op. 118 Nr. 1 und 2 tauchte Fedorov noch einmal tief in die Romantik ein.

Leidenschaftliche Klangwogen und doch leichteSpannungsbögen zeigten die musikalische Reife des jungen Künstlers. Mit einem der Lieblingsstücke der Virtuosen, Liszts Ungarische Rhapsodie Nr. 6, gelang ihm ein umjubeltes Finale dieses grandiosen Klavierabends zweier Ausnahmetalente.

(RP)