Orgelkonzert in St. Peter und Paul

Niederländer spielt in St. Peter und Paul: Orgelkonzert mal völlig modern

Jacob Lekkerkerker, einer der innovativsten Musiker der niederländischen Orgelszene, spielte mit seiner Band in der Kirche St. Peter und Paul. Das Publikum war begeistert.

Man kann es ruhig zugeben: Es gibt Ratinger, die ziehen Musik im Rhythmus von Krankenträgerschritten und in gedämpfter Lautstärke während des Gottesdienstes den Improvisationen von Ansgar Wallenhorst vor. Es gibt ja auch Zeitgenossen, die Picasso noch für modern halten. Doch zeitgenössische Orgelmusik kann natürlich weit mehr und anders sein, als gediegenes Getöne. Wer – wenn nicht die Ratinger – mit ihrem Orgelzentrum an St. Peter und Paul darf das immer wieder erfahren, dafür dankbar sein und mit Recht immer wieder auf Neues hoffen.

Das war nun zu Gast, und zwar in Person des niederländischen Organisten Jacob Lekkerkerker, einem der innovativsten Musiker der niederländischen Orgelszene, und seiner Band. Mit Jakob musizierten Alfredo Genovesi (Electronics) und Oene van Geel (Viola). Sie warfen sozusagen einen Ton in den akustisch attraktiven Raum von St. Peter und Paul und performten daran entlang ein spannendes Konzert.

Lekkerkerker hat in den vergangenen Jahren ein neues Hybrid-Instrument kreiert: Die Kombination des natürlichen Klanges aus einer Pfeifenorgel mit einem perfekt ausgewogenen Beschallungssystem samt elektronischer Ausrüstung. Weil man in der Ratinger Pfarrkirche mit Lautsprechern ein für diese instrumentale Ausrüstung hervorragendes Längen- und Breitenverhältnis schaffen kann, war Lekkerkerker schon sehr glücklich.

Das aktuelle Programm, mit dem  Lekkerkerker und seine Crew durch die Orgelzentren Europas touren, heißt „Cathedral Mobile“. Es nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise neuer Klangerfahrungen. Der reale Klang aus der Fülle der Seifert-Orgeln von St. Peter und Paul mischt sich mit voraufgezeichneten Klängen aus Kathedralen und elektronischer Musik zu einem Klang-Mobile.

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Und so spielte dann der Geiger van Geel, sehnsuchtsvoll und mit weichem Schritt auf Socken, und sandte Genovesi seine künstlichen Töne in den Raum. Die Musiker hatten die altehrwürdige Kirche mit Lautsprechern in einen eher quadratischen Raum verkürzt und die Zuhörer aufgefordert, durch den Raum zu wandeln, wie es der Geiger tat. Und sie machten es.

Es war ein Publikum im Alter „ausgehendes Mittelalter“, aufgeschlossen, interessiert. Und wieder einmal bewies der Spieltisch am Altar, der seit sechs Jahren genutzt wird, seine Berechtigung, denn eine große Gruppe war nach vorn gewandelt und betrachtete Jacob sehr neugierig.

„Das wird eine Klangerfahrung jenseits des klassischen Orgelsounds – ein besonderer flow“, versprach Ansgar Wallenhorst vor dem Konzert. Er war dankbar, dass dieses Projekt durch Unterstützung von internationalen Stiftungen und Sponsoren in der 21. Orgelwelten- Saison nach Ratingen geholt werden konnte. Es gab abschließend stehende Ovationen.