Ratingen Ogata blockiert den Nachwuchs

Düsseldorf · Montags-Interview mit dem TV-Vorsitzenden Bernd Streckmann über seine ersten 100 Amtstage, seinen Vorgänger Horst Becker, das Meeting und die Perspektiven des Vereins.

Herr Streckmann, nach den ersten 100 Tagen wird meist eine erste Zwischenbilanz gezogen. Wie lautet sie?

Streckmann Die 100 Tage sind wie im Flug vergangen. Allerdings hatte ich dem Verein ja schon zuvor kommissarisch vorgestanden. Für mich geht es darum, meinen drei Betätigungsfeldern Raum zu geben: meinem Büro, dem TV und der Familie. An erster Stelle steht mein Büro, denn davon leben wir. Turnverein und Familie werden aufeinander abgestimmt, wobei die Familie auch im Verein engagiert und eingebunden ist, zum Beispiel beim Meeting. Die 100 Tage waren problemlos, eine leichte Zeit.

Obwohl der Verein gegen Ihren Vorgänger Horst Becker juristisch vorgegangen ist?

Streckmann Was da hochgekommen ist, war schon seit längerer Zeit bekannt. Aber als Vorsitzender eines Sportvereins muss ich mich vor allem um den Sport kümmern. Wir müssen beim Meeting ein enormes Arbeitspensum bewältigen. Wir sind ein enger Kern von sieben Leuten, bei denen das Teamwork funktioniert.

Aber der Verein hat aufgrund der juristischen Auseinandersetzung einen Imageschaden erlitten. War das nicht zu verhindern?

Streckmann Wir haben im Vorfeld lange Gespräche geführt, waren dann aber an einem Punkt, wo wir nicht weiterkamen. Aber wir haben den Mitgliedern gegenüber die Verpflichtung, die Sache aufzuklären. Mehr möchte ich nicht dazu sagen, da es sich um ein schwebendes Verfahren handelt und es auch keine neuen Erkenntnisse gibt. Wir wollen die Informationen bekommen, um die Sache aufzuarbeiten.

Kommt Horst Becker zum Meeting?

Streckmann Ich weiß es nicht, aber wenn er kommt, ist das okay. Wir haben unterschiedliche Meinungen, und eine neutrale Stelle soll urteilen. Damit ist das Thema dann erledigt.

Fürchten Sie keine Auswirkungen?

Streckmann Nein! Natürlich war das auch Thema bei Gesprächen mit der Stadt und den Sponsoren. Im ersten Moment waren alle erschreckt. Aber wir haben immer mit offenen Karten gespielt. Und das Team, das jetzt das Meeting organisiert, leistet seit zwei Jahren saubere Arbeit – auch zum Wohle der Stadt. Seit dem Frühjahr 2006 wird alles über die GmbH abgewickelt, so dass größte Transparenz gewährleistet ist.

Liegt die Zukunft des Meetings in Ratingen?

Streckmann Bis 2009 ist der TV Ratingen Ausrichter, anschließend haben wir eine Option und ich kann nicht erkennen, dass das Meeting anschließend nicht mehr in Ratingen ausgetragen werden sollte. Was die Stadt leistet, ist phänomenal, die Athleten sind begeistert, Land und Stadt sind daran interessiert, dass das Meeting mittelfristig hier bleibt. Und auch der Deutsche Leichtathletik Verband hat daran Interesse. Ob beim Meeting andere Akzente gesetzt werden, ob wieder internationale Top-Stars geholt werden sollen und können – das muss man sehen. Derzeit können wir sie nicht finanzieren. Die internationalen Starter sollen mit den Deutschen ja auch auf Augenhöhe sein, deshalb wäre der Weltranglisten-Erste auch gar nicht attraktiv gewesen. Aber die Leistungen der Deutschen werden deutlich erkennbar wieder stärker.

Wo sehen Sie das größte Problem für den TV Ratingen?

Streckman Zum größten Problem wird für uns die Offene Ganztagsschule, die Ogata. Da sind bereits die ersten Probleme erkennbar, denn zum ersten Mal sind die Mitgliederzahlen bei Kindern im Alter zwischen sechs und zehn Jahren rückläufig. Das darf nicht zu einem negativen Trend werden. Wenn es die Ogata an weiterführenden Schulen gibt, droht der Einbruch. Dann fehlen zum Beispiel im Handball nicht mehr die Bambini, sondern die C-Jugend. Da sehe ich ein Riesenproblem auf uns zukommen, das den gesamten Wettkampfsport betrifft. Den Breitensport wird es weiter geben, aber wenn Kinder und Jugendliche keine Zeit mehr haben, um zu trainieren, hat das tiefgreifende Konsequenzen.

Was können Sie tun?

Streckmann Zunächst einmal darauf hinweisen. Selbst der Landessportbund hat das Problem noch nicht erkannt. Die finden die Ogata für die Sportvereine noch alle ganz toll. Die sind weit weg von der Basis. Aber zunächst einmal werden wir unsere Angebote aufrecht erhalten.

Was fehlt dem TV Ratingen?

Streckmann Eine Sporthalle war immer unser Traum. Aber die fehlt nicht dem TV Ratingen, sondern die fehlt Ratingen Mitte. Das ist kein Wunsch, sondern eine Notwendigkeit, auch im Hinblick auf die Ogata. Wir haben Ideen, aber die sind noch nicht spruchreif. Zunächst einmal werden wir unsere eigenen Räume umbauen und mehr Platz für Büros und Geschäftsstelle schaffen.

Norbert Kleeberg und Thomas Schulze führten das Gespräch.

(RP)