1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Oberschlesisches Landesmuseum in Ratingen richtet Escape Room ein

Museum in Ratingen geht neue Wege : Museumsbesuch soll zum Erlebnis werden

Ab Herbst verbindet ein Escape Room im Oberschlesischen Landesmuseum Spaß und Bildung miteinander. Bevor es losgeht, werden noch Testspieler gesucht.

() Das Oberschlesische Landesmuseum (OSLM) bietet den Besuchern ab Herbst mit dem Escape Room „Silesia Challenges“ einen ganz neuen Weg, das Haus zu entdecken. Mit einer maßgeschneiderten Geschichte taucht man dort in die gegenwärtigen und historischen Erzählstränge ein und kann sich auf 60 Minuten Spaß und Bildung freuen.
Museumsdirektorin Andrea Perlst und Projektleiterin Katarzyna Lorenc gehen mit den Vorbereitungen auf die Zielgerade.

Was hat Sie dazu bewegt, einen Escape Room einzurichten?

Andrea Perlt In den letzten Jahren hat sich unsere Medien- und Kommunikationswelt nachhaltig verändert. Für Museen wird es immer wichtiger, nicht nur Wissensspeicher, sondern auch Erlebnisort zu sein. Auch das OSLM steht vor der Aufgabe, sich im digitalen Wandel als attraktive und fortschrittliche Kultur- und Bildungsstätte zu behaupten.
Wichtig ist aus meiner Sicht, sich nicht zu verbiegen, sondern individuelle Lösungen zu finden, die zum eigenen Profil passen. Wir haben im letzten Jahr einen umfassenden Erneuerungsprozess im OSLM eingeleitet. Es möchte sich öffnen – hin zu einem innovativen und partizipativen Museum. Dazu gehört auch, mit interaktiven und digitalen Vermittlungsformen den Zugang zu inhaltlichen Themen niederschwelliger und greifbarer für die Öffentlichkeit zu gestalten.
Ein Escape Room bietet dafür die ideale Chance, Themen spielerisch, aber auf individuelle Weise zu entdecken. Damit können wir einen Erlebnisraum schaffen, der neue Methoden der interaktiven Vermittlung, eine intensive Auseinandersetzung der Besucher mit musealen Inhalten und den digitalen Fortschritt zusammenführt.

  • Kulturdezernent Marc Adomat, Katrin Hieke, Lucia
    Treffen in Leverkusen : Museen der Region vernetzen sich für ihre Zukunft
  • Auch das Kunstwerk vor dem Haus
    Künstler gestaltet Fassade in Kevelaer : Neuer Schriftzug für das Museum
  • Stefan Seehausen und Maren Gottschalk gestalteten
    Leverkusener Autorin Maren Gottschalk stellt Steiff-Buch vor : Bei Museum Litterale in Lesewelten eintauchen

Vor welchen Herausforderungen stehen Sie?

Perlt Der zentrale Antrieb für unser Projekt ist eine zeitgemäße Wissensvermittlung. Dies ist zugleich die Herausforderung. Der Escape Room soll einerseits attraktiv und unterhaltsam sein, andererseits mit historischen Fakten und Wissen aufwarten.
Wir stehen vor der kniffligen Aufgabe, komplexe Inhalte und historische Zusammenhänge herunterzubrechen, ohne die historische Fakten zu vernachlässigen. Oberschlesien als europäische Kultur- und Erinnerungslandschaft bietet sich ideal an, Historie und Moderne, Kunst und Kultur, Transformation und Zeitenwandel in Europa zu begegnen. Unser Ziel ist es, unsere heterogenen Zielgruppen bei ihren sehr unterschiedlichen Wissens- und Erfahrungshorizonten abzuholen. Die Themenvielfalt ist eher zu groß als zu klein.

Katarzyna Lorenc Ja, die größte Herausforderung ist vermutlich die Fülle an Themen, die innerhalb des Raumes und in Rätseln erzählt werden können. Bei der vorangestellten Sichtung war es wichtig, dass sich auch die Mitarbeiter mit dem Storytelling identifizieren können. So begann das Projekt mit einem Brainstorming, bei dem Themen wie das adelige Schlesien, Arbeitsmigration, Flucht und Vertreibung, Familiengeschichten und die Teilung der Region in 1922, Bergbau und Industrialisierung, aber auch Bräuche und Traditionen vorgeschlagen wurden. An die Geschichte knüpfte natürlich auch das Setting an.
Sollte unser Schauplatz ein Polterabend sein, eine schlesische Stube oder eine Berggrube? Aufgrund der Nähe zu Unesco-Welterbe Zollverein erschien die Idee, uns auf die Industrie zu beschränken, etwas unpassend. Schließlich sind wir weder an einem tatsächlichen Ort, noch können wir eine Geschichte erzählen, die sich hier abgespielt hat. In dem letztendlichen Storytelling verzichten wir nicht auf diesen Aspekt der Region, sondern verknüpfen ihn mit gemeinsamen historischen Entwicklungen zwischen Deutschland, Polen und Oberschlesien.
Es wird die Geschichte des (bevorstehenden) Abschieds von der Kohle erzählt. Mit zwei historischen Ereignissen, der Migration der Ruhrpolen um 1870 und der UN-Klimakonferenz 2018 in Katowice, schaffen wir eine erzählerische Klammer. Die Idee, mit „Silesia Challenges“ eine Zeitreise unternehmen zu dürfen, wurde intern oft genannt und ist auch Teil des Konzeptes.

Was erhoffen Sie sich von dem Projekt?

Perlt Ganz klar, wir erhoffen uns, dass wir Neugier und Interesse für Oberschlesien wecken – sowohl für dessen Geschichte als auch für dessen Gegenwart. Wir möchten einen neuen Zugang für Nichtoberschlesier zu unseren Themen schaffen. Wir möchten aber auch einen neuen Zugang für die jüngere Generation schaffen. Oberschlesien ist nichts Vergangenes oder Überholtes – es ist eine Region, die sich mitten im Wandel befindet und an der sich brandaktuelle Themen der europäischen Entwicklung widerspiegeln. Das Projekt passt sich in die langfristige Vermittlungsstrategie des OSLM daher ideal ein.

Lorenc Jedes erfolgreiche Projekt soll und muss von der Zielgruppe her gedacht werden. Und genau an die Zielgruppe oder besser gesagt Zielgruppen knüpfen sich unsere Hoffnung. Mit dem neuen Format hoffen wir, Menschen, die noch nie in unserem Museum waren, für einen Besuch des Escape Rooms zu begeistern und anschließend in den Dauer- und Sonderausstellungen zu verweilen. Im Eintrittspreis für den Rätselraum ist auch das Museumsticket enthalten.
Darüber hinaus hoffen wir, dass Menschen, die unser Haus kennen, es diesmal auf eine neue und andere Art und Weise entdecken können. Das Gesamtthema Oberschlesien eignet sich auch hervorragend für diverse Schulfächer. „Silesia Challenges“ verbindet analoge und digitale Ansätze und kann bereits ab zwei Personen gespielt werden.

Können Sie schon etwas verraten, was die Besuchenden im Escape Room erwartet?

Perlt Wir stellen uns unseren Escape Room als einen authentisch eingerichteten Raum vor, der Oberschlesien mit allen Sinnen erfahr- und erlebbar macht. Sprache, Heimat, Kultur, Migration und Strukturwandel sind wichtige Identitätsmerkmale und tauchen in verschiedener Weise auf.
Die Besuchergruppe hat 60 Minuten Zeit, Aufgaben oder Rätsel zu bewältigen, die sie nur durch Knobeln, Kombinieren und das Finden versteckter Botschaften lösen können. Im Raum sind digitale Elemente eingebunden. Es kann aber auch mal sein, dass die Lösung nur über das Finden von Routen auf einer alten Landkarte oder das Bemühen des alten Lexikons im Bücherregal führt.

Lorenc Ein für das Projekt erstellter Videotrailer, der doppelt genutzt werden kann, wirbt nicht nur für einen Besuch im Escape Room, sondern führt gleichzeitig in die Geschichte ein. Wir haben auch bewusst auf gruselige oder düstere Schauplätze verzichtet und unsere Geschichte in einer polnischen Milchbar angesiedelt. Der erste Escape Room der Welt in dieser Form. Wenn das nicht für Schlagzeilen sorgt.

Denken Sie sich alles selbst aus?

Lorenc Wir haben vieles gemeinsam im Team erarbeitet. Für die Realisierung haben wir uns fachkundige Unterstützung geholt. Die fachliche und teilweise kritische Begleitung, was ist machbar und was kommt wie an, kommt von MysteryRooms, einer Agentur, die sich seit Jahren auf die Implementierung von Escape-Räumen in Museen spezialisiert hat.