Oberschlesisches Landesmuseum feiert Museumsneubau

Oberschlesisches Landesmuseum Ratingen : Hösel feiert 20 Jahre alten Museumsbau

Das Oberschlesische Landesmuseum wurde mit Herbstmarkt und einem Festakt gewürdigt.

Er ist schon lange eine Institution: der Herbstmarkt im Oberschlesischen Museum in Hösel. Gestern gab es ab 11 Uhr wieder jede Menge Leckereien zu kaufen: zum Beispiel Ratinger Honig sowie Marmeladen „Von Hösel“. Die Brotbäckerei Artur Müller bot schlesischen Kuchen und Brot an. Neu dabei war die schlesische Metzgerei Piecha aus Hagen mit leckeren Wurstspezialitäten. Hinzu kamen Schlesische Stickereien, Trachtenpuppen und Bunzlauer Keramik. Hier kann man schon Der Herbstmarkt wird gerne genutzt, sich schon einmal die ersten Weihnachtsgeschenke zu besorgen.

Zusätzlich wurden Kuratorenführungen durch die Sonderausstellungen des Museums und – für die Kinder – traditionelles Lebkuchenbacken.

Um 11.30 Uhr wurde die neue Sonderausstellung des Hauses eröffnet: „Pfefferkuchen – Eine Reise der Sinne"

Um 14 Uhr begann dann der Festakt zur 20-Jahr-Feier. Um die zu erklären, musste Museumsdirektor und gastgeber Stephan Kaiser erst einmal etwas ausholen: „Die 20 Jahre beziehen sich auf den Neubau. Das erste Museum bestand 2008 25 Jahre, es würde jetzt 35 Jahre alt werden.“

Das Oberschlesische Museum erlebte vor 20 Jahren einen Neuanfang. Bis 1998 wurden alle Sonderausstellungen in „Haus Oberschlesien“ gezeigt. Seit es das neue Museumsgebäude gibt, finden die Ausstellungen hier statt. Der 2000 Quadratmeter große Funktionsbau wurde am 6. Juli 1998 mit einem Festakt eröffnet. Gezeigt wurden damals „Oberschlesische Kostbarkeiten“, die als Leihgaben aus schlesischen Museen kamen. Da die Zusammenarbeit in den vergangenen 20 Jahren intensiv gepflegt wurde, nahmen auch polnische Gäste am Festakt teil.

Um zu erklären, warum die „Stiftung Haus Oberschlesien“ 1970 ausgerechnet in Hösel (damals noch kein Stadtteil von Ratingen) gegründet wurde, unternimmt Historiker und Museumsdirektor Stephan Kaiser einen Ausflug in die neuere Geschichte. Träger waren und sind die Landsmannschaft der Oberschlesier und das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch die Staatskanzlei: „Viele Oberschlesier kamen im 19. und 20. Jahrhundert erst durch den Bergbau, später durch Flucht, Vertreibung sowie Spätaussiedlung als Folge der beiden Weltkriege in den Westen Deutschlands. Zahlreiche Einwohner Nordrhein-Westfalens haben familiäre Beziehungen oder Wurzeln in Schlesien.“

Das war auch der Grund, warum das Land Nordrhein-Westfalen 1964 die Patenschaft für Oberschlesien übernahm. „Andere Bundesländer haben andere Patenschaften.“ – Die Stiftung und das Museum sollten das kulturelle Erbe Oberschlesiens bewahren, einer Region, die heute politisch zu Polen und der Tschechischen Republik gehört.

Inzwischen ist die Welt eine andere als zu Zeiten der Gründung des Museums. Der eiserne Vorhang ist gefallen, von den Vertriebenen leben kaum noch welche, und deren Nachkommen haben mit Landsmannschaften nur noch wenig zu tun. Sie sind entweder Deutsche, Polen oder Tschechen. Deswegen, sagt Kaiser, habe sich die Funktion des Museums und der Stiftung gewandelt: „Wir sind nicht der Bezugspunkt der Vertriebenen. Wir setzen uns ein für einen neuen europäischen Dialog, denn wir wissen immer noch viel zu wenig voneinander. Wir müssen nicht alles gut finden, was die anderen machen, aber wir müssen miteinander reden, uns austauschen“, sagt Kaiser voller Überzeugung.

Mehr von RP ONLINE