Neues Nähatelier in Ratingen Hösel

Ratingen : Sie bringt den Menschen das Nähen bei

Ulrike Zimmermann-Mechentel, 55 Jahre alt, geballte Energie und viel Durchsetzungskraft. Sie hatte eine besondere Geschäftsidee.

Eine schöne Kindheit in Algerien, der Besuch einer Diplomatenschule, ein Biologiestudium und eine Umschulung zur Industriekauffrau, ein Verlag für medizinische Publikationen, Ehemann, Tochter, Hund, Hösel als Heimstatt. Und nun näht sie und bringt anderen Menschen das Nähen bei: Das ist Ulrike Zimmermann-Mechentel, 55 Jahre alt, geballte Energie und Durchsetzungskraft auf 152 Zentimeter verteilt.

Diese Größe ist es auch, die ihr grundsätzlich das Selber-Nähen nahe brachte. Ist man eher „klein“, ist die Suche nach schicker Kleidung schwierig. Kinderkleidung funktioniert nämlich anders – da braucht es oft keine Abnäher, da sitzt die Taille an anderem Ort als bei einer erwachsenen Frau. Und Kinder-Müsterchen sind auch nicht der Traum jeder modebewussten Frau.

Ihre Mutter hatte ihr schon die Grundbegriffe des Nähens beigebracht, damals noch für Puppenkleider. Nach der Puppenzeit wurden die Künste jedoch erst einmal geparkt. Damals lebte Ulrike Mechentel noch mit ihrer deutschen Mutter und dem algerischen Vater in dessen Heimatland.

Deutschland kannte sie von Besuchen bei Verwandten. Aber das Leben dort wie hier verpasste ihr ein nicht zu unterschätzendes Pfund, mit dem sie später wuchern konnte: Sie lernte Arabisch und Französisch und Deutsch sowieso.

Und wenn beruflich mal was nicht so rund lief, wenn sie sich verändern wollte, griff sie in ihr Kästchen einmal erlernter Künste und ging beharrlich auf ein neues Ziel zu. Mit Begeisterung, ohne romantische Träume, mit Durchhaltevermögen und ohne langes Heulen. Seit elf Jahren und derzeit ist sie einerseits als Verlegerin mit ihren medizinischen Fachzeitschriften für die Ärzteschaft in Österreich und der Schweiz tätig. Und seit dem 1. Oktober als Selbständige im Nähcafé.

Grundsätzlich steht dort natürlich das Nähen im Vordergrund; Kaffee und Plätzchen stehen eher für die angenehmen Momente der Besuche bereit – wer nämlich die höheren Weihen erringen will, muss sich eine Maschine buchen (oder seine eigene Mitbringen). Und dann geht es nach Zeit: Eine Zehnerkarte für zehnmal zwei Stunden kostet 140 Euro, einmal zwei Stunden kosten 17 Euro. Darin ist aber nicht nur die Maschine inbegriffen, sondern man kann man das gesamte erforderliche Equipment Nutzen. Das reicht von der Schere bis zur Schnittmuster-Vorlage, vom Garn bis zum Tablet, in dem man sich Hilfsfilmchen fürs Nähen anschauen kann.

Wer nun gar nicht aufs Lernen aus ist, kann alle Utensilien hier kaufen: Borten, Garn, Gurtbänder und vor allem wunderschöne Stoffe. Solche aus der Provence und auch die raren mit Blaudruck. Dazu gibt es Kleidungsstücke, die entweder noch im zugeschnittenen Zustand sind oder solche, die schon weiter im Fertigungsprozess stecken bis hin zu denen, die tatsächlich gleich angezogen werden können. Die Preise richten sich nach dem jeweiligen Zustand von Kleid, Bluse, Rock.

Bei allem ist es für die Nähschülerinnen überaus beruhigend, dass Ulrike Zimmermann-Mechentel keine geborene Näherin ist, sondern selber Schritt für Schritt gelernt hat, wie eine Rechts-Links-Naht funktioniert, ein Reißverschluss in die Jeans praktiziert wird und was eine Briefecke bedeutet, wie man einen Kissenbezug oder eine Tasche näht. Und schön ist auch, dass man nicht mit den festen Zeiten und Lernschritten eines Kurses zurechtkommen muss.

Die strikt planende Geschäftsfrau schimmert allerdings auch durch, nennt sie doch die Stücke, die da kreiert und hergestellt werden, konsequent Projekt. Und im Zusammenhang mit den teil-vorgefertigten Kleidern heißt das dann;  „Je mehr du an dem Projekt selber machst“.

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