Ratingen Neuer Krach um verspätete Nachtflüge

Ratingen · Der Ton aus den Reihen betroffener Anwohner wird eindeutig schärfer. Grund: Es gibt wieder Krach um den Fluglärm, speziell um empfindliche Störungen zu später Stunde und am frühen Morgen. Christoph Lange, Vorsitzender des Vereins "Bürger gegen Fluglärm", fordert vom Düsseldorfer Airport weitreichende Entscheidungen mit Blick auf einzelne Nachtflugbestimmungen (NFB). Lange antwortete jetzt auf einen Brief des Flughafen-Chefs Christoph Blume, der angekündigt hatte, einen Nachtflugreport auf der Airport-Homepage installieren zu wollen (die RP berichtete). Doch den Fluglärm-Gegnern, die zu erheblichen Teilen aus Ratingen kommen, geht dieser Service nicht weit genug. Sie fordern ein härteres Durchgreifen im Kampf gegen den Lärm zu den Tagesrandzeiten.

Nachtflugbestimmungen würden viel zu lax gehandhabt, kritisierte Lange, der in seinem Schreiben an Blume, das der RP vorliegt, einige Beispiele nannte. Zentrale Frage aus seiner Sicht: Warum soll nicht jeder nach 22 Uhr startende Jet die Luftaufsicht einschalten müssen? Die Ausrede, der Flieger habe bereits vor 21.50 Uhr seinen Standplatz verlassen (Off-Block-Regelung), könne niemand überprüfen, befand Lange, der kritisierte, dass ein "doppelt und dreifach verspäteter Jet" nach einer Umleitung nach Köln/Bonn dann morgens um 5 Uhr leer über die Dächer von Ratingen hereindonnere und damit die unpünktliche Airline doppelt belohne.

Diese beiden genannten Beispiele dürften sich so nicht mehr wiederholen, forderte Lange, also "sofortige Streichung dieser beiden NFB-Punkte". Zudem forderte der Chef des Vereins vom Düsseldorfer Flughafen, dass ab dem 1. Januar 2014 bei einer faktischen Start- und Landezeit ab 22 Uhr das Doppelte der normalen Start- und Landegebühr erhoben wird — und ab 23 Uhr das Dreifache. Die Einnahmen daraus sollten in den Nacht-Lärmschutztopf fließen. Es dürfe nur die tatsächliche Start- und Landezeit zählen, "denn nur so werden Pünktliche belohnt und Unpünktliche bestraft", ergänzte Lange.

Airport-Chef Blume hatte in einem Schreiben auf einen offenen Brief der "Bürger gegen Fluglärm" geantwortet. Anwohnerschutz stelle für ihn kein Lippenbekenntnis dar, befand Blume, man arbeite täglich daran, "die Situation für die Menschen unter den An- und Abflugrouten zu verbessern", hieß es in dem Schreiben. Es sei das Ziel, Verspätungen, die zudem kostenintensiv seien, "im Sinne der Anwohner zu vermeiden", betonte der Sprecher der Geschäftsführung des Flughafens. Mit Blick auf die Expansionsbestrebungen des Flughafens warf Lange dem obersten Management "Salamitaktik" vor. Es gehe in erster Linie darum, in Sachen Anwohnerschutz Taten folgen zu lassen, meinte Lange, der für "sachliche Gespräche" jederzeit zur Verfügung stehe.

In Ratingen sind vom Fluglärm vor allem die Stadtteile Tiefenbroich, Lintorf, Hösel, Ost und Homberg betroffen. Zunehmend gibt es Ärger in der Innenstadt. Mittlerweile sind auch in diesem Bereich einzelne Flieger zu hören. Die IG Waldgemeinde hatte das Thema "Fluglärm und Beeinträchtigungen der Gesundheit" bereits auf einer Podiumsdiskussion im vergangenen Jahr aufgegriffen.

(RP/ac/EW)
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