Ratingen Neue Poller riegeln die Innenstadt ab

Ratingen · Die versenkbaren Pfosten haben den Härtetest bestanden: Ab dem 17. Dezember werden die High-Tech-Poller nach oben gefahren.

 Dirk Winkelmann testet auf der Minoritenstraße einen der neuen Poller: Sie lassen sich auch per PIN-Nummer öffnen – oder per Chipkarte.

Dirk Winkelmann testet auf der Minoritenstraße einen der neuen Poller: Sie lassen sich auch per PIN-Nummer öffnen – oder per Chipkarte.

Foto: Achim Blazy

Der 17. Dezember gilt verwaltungsintern als magisches Datum: Dann soll es endlich losgehen mit den versenkbaren Pfosten, die volkstümlich nur Poller genannt werden. Im Rathaus will man diese unrühmliche Geschichte, die Posse und Politikum zugleich ist, schnellstmöglich abhaken. Mal streikte die Technik, nicht immer liefen Absprachen und Vorbereitungen reibungslos ab. Nun blicken die Verantwortlichen optimistisch nach vorn, denn die High-Tech-Geräte haben den Härtetest bestanden. Zurzeit laufen interne Schulungen, der Start sollte gelingen.

Dirk Winkelmann (Tiefbauamt) ist davon überzeugt, dass die Ratinger Premiere funktionieren wird. Beim Ortstermin auf der Minoritenstraße benutzt er einen Schlüssel, um den Pfosten herausfahren zu lassen. Langsam bewegt sich der Poller, der einen leuchtenden roten Rand hat, aus der Tiefe nach oben. Passanten staunen. Der Pfosten mutet futuristisch an. Ein Bild mit Symbolcharakter: Die Zukunft soll im Bereich des Innenstadt-Kerns größtenteils autofrei sein. Die offizielle Einfahrt in die Fußgängerzone ist nur noch montags bis samstags zwischen 6 und 10 Uhr und von 18 bis 21 Uhr erlaubt, sonntags gar nicht.

Die Anlagen an der Lintorfer Straße, Oberstraße, Düsseldorfer Straße und Minoritenstraße sind startklar. Die Poller auf der Bechemer Straße sollen erst dann installiert werden, wenn das neue Stadttor steht (also vermutlich Anfang 2014). Dass auf der Oberstraße das Tastenfeld mutwillig herausgerissen und beschädigt wurde, findet Winkelmann "sehr ärgerlich". Probleme und Kritik in der Anfangsphase will der Experte vom Tiefbauamt nicht ausschließen. Und nicht jeder, so fügt er an, werde mit dieser Abriegelungsmaßnahme einverstanden sein.

Der Vorlauf gestaltete sich insgesamt sehr komplex. Was passiert zum Beispiel, wenn Feuerwehr und Polizei einen Einsatz in der City haben? Mit Hilfe einer einzugebenden PIN-Nummer können die Einsatzkräfte die Pfosten innerhalb von Sekunden versenken – dies direkt von der Leitstelle aus. Das wurde erprobt – und hat funktioniert.

Ärzte, die in der Fußgängerzone arbeiten, erhalten PIN-Nummern für einzelne Poller. So gelangen zum Beispiel schwer gehbehinderte Patienten direkt zur Praxis. Handwerker, die in der Innenstadt unterwegs sein müssen, benötigen eine Sondergenehmigung. "Uns ist es wichtig, dass sich der Lieferverkehr an die Öffnungszeiten hält", betont Dirk Bauerfeld vom Ordnungsamt. Natürlich gebe es immer wieder begründete Ausnahmen, doch die müssten im Einzelfall genau geprüft werden. "Es kann zum Beispiel passieren, dass es in der Innenstadt an einem Sonntag zu einem Einbruch kommt und eine Scheibe zu Bruch geht", erläutert Bauerfeld, "da müssen wir noch klären, wie wir mit diesen Fällen umgehen und wie wir reagieren."

20 Anwohner haben sich bei der Stadt gemeldet. Sie werden eine Chipkarte zur Durchfahrt bekommen. Ob sie dafür ein Entgelt entrichten müssen, ist allerdings noch offen. Die Stadt will verhindern, dass Taxis und Paketdienste durch die Innenstadt düsen.

(RP)