Hösel: Neue Gleise für 140 Jahre alten Tunnel

Hösel : Neue Gleise für 140 Jahre alten Tunnel

Nur S-Bahnfahrer wissen, dass es in Hösel einen 327 Meter langen Eisenbahntunnel gibt. Er stammt aus dem Jahre 1874. am Freitag wurde dort neue Gleise mit Betonschwellen verlegt, zuvor hatte die Strabag im Auftrag der Bahn die alten Schienen und Holzschwellen entfernt.

Auch das Schotterbett wurde erneuert. Für Rüdiger Dach, Leitender Bauüberwacher der Bahn, war es eine Punktlandung. "Wir sind voll in der Zeitplanung", sagte er gestern in Kettwig. Dort haben die Bautrupps ihr Lager aufgeschlagen. Von dort aus starten die bis zu 200 Meter langen Spezialzüge zu ihrer Sanierungsmission.

Es war ein ganz besonderer Tag: Fast auf die Stunde genau nach Plan erblickte ein Gleisverlegungsfahrzeug auf der Höseler Seite des Tunnels das Tageslicht, 1200 Meter vom Bahnsteig Hösel entfernt. Weil die Strecke in dem alten Bauwerk nur eingleisig verläuft, kann nicht vom Nachbargleis aus gearbeitet werden. Stattdessen verbaute ein Kran Stück für bereits auf Schwellen vormontierte Gleisstücke, sogenannte Jochen, 15 Meter lang pro Stück.

Auch die neue Betonweiche wurde gestern montiert. Sie ersetzt, wie auf der anderen Seite in Kettwig, die uralte Technik auf Holzschwellen. Die Weichen sind im Winter beheizt und sollen künftig Störungen minimieren, so Dach. Da man nur eine 1:1-Sanierung betreibe, werde sich für Anwohner und Fahrgäste nicht allzu viel ändern: Doch die neu vermessenen Schienenstränge verbesserten etwas die "Fahrdynamik".

Bauüberwacher Rüdiger Dach: "Wir sind voll im Zeitplan.". Foto: Preuß
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Etwa alle 25 bis 30 Jahren würden Strecken derart von Grund auf erneuert, erläuterte Dach. Zuletzt sei das im Jahre 1984 gewesen. Damals sei die Strecke auch elektrifiziert worden. Zum Ende der Bauarbeiten wird auf Höseler Seite noch die Böschung befestigt: Die Bäume, die wegen des felsigen Untergrundes keinen Halt finden, müssen weichen. Dann wird ein Maschendraht die Böschung dauerhaft sichern. Immer wieder gibt es entlang der S-Bahnstrecke Beschwerden über nächtliche Arbeiten. Das müsse leider auch bei diesem Projekt sein, sagte Dach und verwies auf die schwierigen Bedingungen beim Schweißen der Gleisstücke: Die Schienen müssten exakt zwischen 23 und maximal 26 Grad Celsius warm sein, um Verwerfungen zu vermeiden. Gestern hatten sie tagsüber stolze 62 bis 67 Grad. Deshalb seien Schweißarbeiten nur in der Zeit zwischen Mitternacht und 8 Uhr morgens möglich, so der Bauüberwacher. Im Winter übrigens erwärmt ein Spezialwagen die Stränge.

Dirk Pohlmann, Sprecher der Bahn für NRW, ging auf die von RP-Lesern geäußerte Kritik am Schienenersatzverkehr (SEV) ein. Die Busse könnten nicht an normalen Rheinbahn-Haltestellen stoppen, weil man sonst zusätzliche Verspätungen einfahren würde. Und auch ein Zehn-Minuten-Takt sei nicht praktikabel, weil die Zeiten und Buskapazitäten fest vorgegeben seien.

Zum Ende des Jahres erwarte man übrigens die neuen ET 423-Züge: Sie seien antriebsstärker und leiser - sowohl außen wie innen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: S6: Neue Schienen für Höseler Tunnel

(jop)