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Nahverkehr und Kommunalwahl

Stimme der Wirtschaft : Nahverkehr und Kommunalwahl

Axel Mauersberger, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Ratingen, macht sich Gedanken über die Zukunft des Nahverkehrs rund um Ratingen.

Auch das ist eine Folge der Corona-Pandemie: der sogenannte Erdüberlastungstag fand in diesem Jahr erst am 22. August und damit gut drei Wochen später statt als im Vorjahr. Weil der Ressourcenverbrauch in den vergangenen Monaten zurückgegangen ist.

Dass das nicht so bleiben wird, merkt man schon jetzt besonders im Berufsverkehr und an den Staumeldungen. Auch zukünftig sind also intelligente Verkehrskonzepte gefragt. Als der UVR-Vorstandsvorsitzende Olaf Tünkers beim Neujahrsempfang des Unternehmensverbands Anfang 2018 die Idee einer Kabinenbahn ins Spiel brachte, waren die Reaktionen sehr unterschiedlich. Während die meisten Politiker dem Vorschlag etwas abgewinnen konnten, sprach die AfD von „Größenwahnsinn“.

Dass funktionierende und ökologisch nachhaltige Nahverkehrsverbindungen ein wichtiges Thema sind, kann man auch in der Nachbarstadt Heiligenhaus sehen. Die dortige SPD fordert die „neue Niederbergbahn“ nach Düsseldorf – und zwar eine Hochbahn in Magnetschwebetechnologie. Diese soll auf der Trasse der A44 fahren – die allerdings zwischen Heiligenhaus und Ratingen noch lange nicht fertiggestellt ist.

Die Idee zeigt wieder einmal das Dilemma von Infrastrukturprojekten in Deutschland: die unglaublich lange Zeitspanne bis zur Vollendung. Die A44 sollte schon einige Jahre fertiggestellt sein – jetzt geht man frühestens von der Mitte des Jahrzehnts aus, wahrscheinlicher ist das Ende des Jahrzehnts. Für die Westbahn wird als frühester Zeitpunkt der Inbetriebnahme das Jahr 2030 genannt – woran angesichts des Umfangs der Planfeststellungsverfahren kaum jemand glaubt.

In dieser Zeit der Kommunalwahl versprechen fast alle Parteien wieder Verbesserungen bei der Infrastruktur, seien es bessere Straßen, preiswerte Wohnungen oder schnelles Internet bis zum letzten Baum. Ob all diese Versprechungen in Erfüllung gehen, steht auf einem anderen Blatt. Trotzdem ist es wichtig, nicht einfach nach dem Motto „ich kann ja sowieso nichts ändern“ der Kommunalwahl fernzubleiben. Denn gerade in der Kommunalpolitik kann direkt vor Ort viel erreicht werden – wenn man es nur will. Also: gehen Sie zur Wahl – oder geben Sie in Zeiten von Corona Ihre Stimme per Briefwahl ab. Je höher die Wahlbeteiligung ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Wille der Bürger genau abgebildet wird. Damit sich niemand beschweren kann, dass „die da oben“ doch nur machen, was sie wollen.