Ratingen Nachwuchs ohne Netz

Düsseldorf · Das Interesse für Politik ist in Ratingen bei der Jugend offenbar nicht sehr groß: Gerade im Internet ist der Parteinachwuchs nicht oder nur schlecht vertreten. Veraltete Webseiten, keine News, nichts los.

In unserer Serie über Parteien im Netz geht es heute abschließend um den Polit-Nachwuchs. Um es vorwegzunehmen: Er scheint parteiübergreifend "off-line" zu sein, als ob jemand den Stecker herausgezogen hätte. Vielleicht war er aber auch nie "drin".

Die Ratinger Grünen ohne Nachwuchs — diesen Eindruck muss man bekommen, wenn man die grüne Jugend unter www.gruene-jugend-ratingen.de aufsucht. Der Betrachter stößt auf den Slogan "jung.grün.stachelig" — und man möchte hinzufügen: tot. Der letzte sinnvolle Eintrag auf der Startseite stammt vom Mai 2010, in dem man sich über den Ausgang der Landtagswahl freut. Der 2009 gewählte Vorstand schämt sich teilweise offenbar, mit vollem Namen zu erscheinen. Fehler bei einer E-Mail-Adresse, die nicht anklickbar ist: "Bitte nicht stören", könnte man auch drauf schreiben.

Nicht viel anders sieht's beim Polit-Nachwuchs der FDP aus: Die Jungen Liberalen, die Julis, haben beim Mutterschiff www.fdp-ratingen.de angedockt, stellen dort ihren Vorstand vor und dreschen auf die Grünen wegen ihrer Haltung zur Bezirkssportanlage ein. Von wann die Einträge sind, erschließt sich nicht.

Was die Julis eigentlich wollen, bleibt ein Geheimnis. Nur ein mit der Jungen Union zur jüngsten Kommunalwahl 2009 geschlossener "Pakt für ein junges Ratingen" ist als Suchmaschinen-unfreundliche PDF-Datei eingestellt. Hohle Politiker-Phrasen wie bei den Alten verleiden indes das Lesen. Textprobe: "Ratingen ist eine lebens- und liebenswerte Stadt. Eine Stadt, die in Zukunft vor großen Herausforderungen steht."

Vertrockneter Ableger

Professioneller sieht auf den ersten Blick der Auftritt der Jungen Union (www.ju-ratingen.de) aus. Aber schon die Startseite lässt den Wunsch, weiter zu klicken, gen Null tendieren: Die letzte Meldung stammt vom 20. November und weist auf ein Frühstück hin. Wer es trotzdem bis zu den "Terminen" schafft, wird nicht enttäuscht: Sie sind aktuell, wenn auch nicht immer politisch: "26. Februar: JU besucht traditionell die große Sitzung der Roten Funken." Spaß muss sein.

Immerhin: Die Vorstandsseite ist vollständig, mit Bildern und E-Mail-Adressen. Ob der Newsletter wirklich lohnt, bleibt fraglich: Als Neuigkeit wird am 14. August 2010 das 200. Mitglied begrüßt. Mitgliederzahlen sucht man übrigens woanders vergeblich — und 200 bei der Jungen Union ist schon ganz beachtlich. Doch den Mitgliedern wird nichts geboten.

Ähnlich desaströs wie bei Grünen und FDP sieht's beim seit vielen Jahren vertrockneten SPD-Ableger, den Jungsozialisten (Jusos), aus. Der offenbar selbstgestrickte knallrote Auftritt lohnt keinen Besuch (www.jusos-ratingen.de). Man hat offenbar niemanden begeistern können, die "Ausbeutung des Menschen durch den Menschen im kapitalistischen Wirtschaftssystem..." gemeinsam abzuschaffen.

Die Rubrik "Termine" ist leer: "Es sind zurzeit keine Termine verfügbar." Der Vorstand präsentiert sich mit einem Gruppenfoto ohne Bildunterschrift. Immerhin kann man den Akteuren eine E-Mail schicken. Der letzte Gästebuch-Eintrag stammt vom September 2009 und hat nichts mit Ratingen zu tun. KOMMENTAR

(RP)
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