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Ratingen: Museum Ratingen auf neuen Wegen

Ratingen : Museum Ratingen auf neuen Wegen

Gemeinsam mit Kunsthistorikern der Heine-Universität werden moderne Fotografien in antiken Rahmen gezeigt.

Das kann also dabei herauskommen, wenn eine Museumsleiterin und ein Professor für Kunstgeschichte gemeinsam darüber nachdenken, wie man denn zu beiderseitigem Nutzen zusammenarbeiten könne: Eine Ausstellung, die weit über Ratingens Grenzen hinaus Originalität beanspruchen kann, weil sie "alte Rahmen mit neuen Bildern verkuppelt", wie Hans Körner, Professor für Kunstgeschichte an der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität, es formuliert.

Wie das die Wahrnehmung beeinflusst, zeigt gleich zu Beginn des Rundgangs die Monitor-Fotografie einer asiatischen Turnerin von Katja Stuke, die im italienischen Barockrahmen wie ein Gobelin erscheint. Verblüffender Effekt.

Voraussetzungen für die Ausstellung, die noch viel mehr Verblüffendes zu bieten hat und am Freitag eröffnet wird, waren eine ähnliche Schau, die Körner in Paris gesehen hat, und ein Projektseminar des Sommersemesters 2013, in dem er mit Studenten über Rahmen, Fotografien, Wände und ihre Wechselbeziehungen arbeitete, unterstützt von der Düsseldorfer Sammlung Conzen, die Einrahmendes von der Gotik bis zu Jugendstil und Art déco hütet — aus Zeiten also, in denen Rahmen nicht als störende Konkurrenz empfunden wurden, sondern eigene Kunstwerke waren und Vergolder ihr glänzendes Handwerk noch an der Kunstakademie lernten.

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Eben jene Zeiten leben nun in der Ratinger Ausstellung wieder auf — Rahmengeschichte von der Renaissance bis zum Jugendstil in Einzelstücken, von Kunststudenten ausgewählt, konfrontiert mit 59 Arbeiten von sechs freien Fotokünstlern aus dem Düsseldorfer Raum, die dem Projekt zustimmten, wenn auch mit teils gemischten Gefühlen.

Gespannt, ängstlich, kritisch — so reagierten die Fotografen auf die Arbeitsergebnisse, die sie am Freitag zum Teil erstmals in der Dreidimensionalität des Museumsraums erleben werden. Aber die Studenten, ihr Lehrer Körner, der Fundus-Hüter Friedrich G. Conzen und auch Museumsleiterin Alexandra König, die die Bilder ordnete und hier und da über Rahmungen nachverhandelte, aus Sicht der Praktikerin, haben gute Arbeit geleistet. Sie überzeugen und überraschen mit ornamentalen Beziehungen zwischen zeitgenössischen Bildern und antiken Umrahmungen, geben zu denken, wenn kunstvoll durchbrochenes Holz auf alltägliche Szenerien trifft. Nicht immer fallen die Umarmungen von Holz und Bild dekorativ und harmonisch aus, es gibt auch Verstörendes zu sehen — wie jene von der Niederländerin Annet van de Voort fotografierten konservierten Embryos einer anatomischen Sammlung, die in repräsentativen italienischen Rahmen aus dem 16. Jahrhundert zu sehen sind, mit Blütendekor und Engelsköpfen. Gleiches gilt für das ebenfalls konservierte Gesicht einer älteren Frau mit geschlossenen Augen in einem Rahmen aus dem 17. Jahrhundert, der das Bild von der Wand nach vorne holt, nach Art eines umgekehrten Trichters. "Unheimlich", findet Kunstprofessor Körner — aber eben auch ein Beweis dafür, was Rahmungen bewirken können, wenn man sie nicht nur, wie es gegenwärtig häufig der Fall sei, als Schutz des Werks begreife.

(RP)