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Heiligenhaus: Museum Abtsküche zeigt antike Keramik

Heiligenhaus : Museum Abtsküche zeigt antike Keramik

Von Gabriele Hannen

Mögen die Chinesen 1000 Jahre vor Christus das Porzellan entwickelt haben und möge die europäische Variante im 18. Jahrhundert entstanden sein - die Salzglasur jedenfalls taucht allein auf irdenen Gefäßen im 15. Jahrhundert auf, und das im Rheinland. Sie macht die Gefäße dicht, die wahrscheinlich in jedem Haushalt irgendwann einmal vorhanden waren: das graue Steinzeug mit blauer Bemalung. Gegenwärtig kann es im Museum Abtsküche betrachtet werden, dazu auch noch glasiertes, altes und tönernes Gerät in Braun-Beige.

Wenn man an Königskerze und Stockrose vorbei zum Eingang geht, steht da schon eine zinkene Sitzbadewanne mit ein paar ramponierten Steinzeug-Gefäßen. Im Innern sind die derzeit präsentierten Schätzchen der Leihgeber in Vitrinen aufgebaut. Kleine Schilder in Kniehöhe, wenige, aber lange Beschreibungen etwas höher geben, wohlwollend beurteilt, einen gewissen Überblick über die Ausstellung. Natürlich kann man Töpfe, Schalen und Krüge ansehen. Zum Nachlesen gibt es nichts.

Die Verarbeitung von Ton und Lehm sowie das Brennen von Ton, Feldspat und Kalk sind wahrscheinlich die ersten Handwerkskünste, die mit der Entstehung der menschlichen Kultur in engem Zusammenhang stehen. Eine Person, die Töpferei-Erzeugnisse herstellt, wird als Töpfer bezeichnet; die korrekte Berufsbezeichnung der Handwerkskammern, beziehungsweise Innungen, ist heute allerdings "Keramiker". So wurden die Menschen sicher nicht genannt, die im Westerwald, in Köln/Frechen, in Siegburg und im heutigen belgischen Raeren töpferten. Ihre Produkte sind allerdings in Heiligenhaus zu sehen. Wo genau und wann die Salzglasur zum ersten Mal entstand, ist mit letzter Sicherheit nicht zu sagen. Im 15. Jahrhundert tauchen jedenfalls an verschiedenen Orten des Rheinlandes die ersten salzglasierten Steinzeug-Gefäße auf. Um eine perfekte Salzglasur zu erhalten, braucht man besondere Voraussetzungen: die geeignete Tonerde, hohe Brenntemperatur und den richtigen Moment, Salz in den Ofen zu schaufeln. Die noch ungebrannten Schüsseln und Krüge zum Beispiel werden mit offener Flamme bei sauerstoffreduzierter Ofenatmosphäre und sehr hohen Temperaturen - 1200° bis 1320° Celsius - gebrannt. Dann wird Salz in den Ofen gegeben; die einrieselnden Kristalle zerspringen infolge des mitgeführten Wassers explosionsartig. Und der Dampf verbindet sich mit dem im Ton vorhandenem Quarz zur Salzglasur.

Doch es interessieren nicht nur diese Glasuren, die die Herstellung von Sauerkraut, das Einlegen von Gurken und anderem Sauergemüse ermöglichen und zudem auch noch die Dichte der Gefäße garantieren. Auch die eingeprägten "Bartmänner" sind sehenswert. Für die maskenartige Gesichts-Darstellung bieten Kunsthistoriker verschiedene Deutungen: Mal soll sie Gottvater darstellen, mal magischen Zwecken dienen oder den Besitzer oder Benutzer des Kruges repräsentieren. Vielleicht sind die Gesichter einfach nur Dekoration. Bartmannskrüge wurden jedenfalls im 16. bis 18. Jahrhundert in großen Stückzahlen hergestellt und verkauften sich, genau wie salzglasierte Ware, ganz hervorragend.

Im Museum Abtsküche wird allerdings nichts außer Schriften verkauft.

(gaha)