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München darf es nicht, die Dumeklemmer aber

Ratingen : Ratingen zeigt Flagge

Am Ratinger Rathaus wehte gestern die Regenbogenflagge als Zeichen gegen Diskriminierung und Homophobie und gegen die UEFA-Entscheidung, das Münchner Stadion nicht in Regenbogenfarben anzustrahlen.

Die sechsfarbige Regenbogenflagge gilt als Symbol für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft. Die Stadt München wollte mit der bunten Beleuchtung des Stadions beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn ein Zeichen setzen, nachdem Ungarn ein umstrittenes Gesetzespaket auf den Weg gebracht hatte. Dieses sieht ein Verbot von Veröffentlichungen vor, in denen Sexualität von der heterosexuellen abweicht.

Sowohl das Gesetz als auch die Entscheidung des Europäischen Fußballbundes (UEFA), der sich als Turnierveranstalter gegen die Aktion aussprach, lösten kontroverse Diskussionen aus. Was den Münchnern nicht erlaubt ist, wird nun anderenorts umso intensiver demonstriert. Städte, Kreise und Institutionen positionierten sich mit dem Setzen der Regenbogenflagge deutlich. Dem Aufruf des Kreises Mettmann folgend, wehten auch in Ratingen gestern die bunten Farben vor dem Rathaus. Aus der Verwaltung hieß es, man wolle nicht nur ein Zeichen gegen Diskriminierung und Homophobie setzen, sondern auch gegen die Entscheidung der UEFA.

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Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass die Flagge im Wind wehen durfte. Bereits am 17. Mai, dem Internationalen Tag gegen Homophobie, machte die Stadt damit ihre Haltung deutlich. Bürgermeister Klaus Pesch erklärte: „Die Regenbogenfahne am Rathaus weht als Zeichen gegen die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und für ein tolerantes und gleichberechtigtes Nebeneinander.“

Diese Überzeugung wurde genau vor einem Jahr vom Ratinger Stadtrat in einer Resolution festgeschrieben. Darin verpflichten sich die Unterzeichner, für eine offene Stadtgesellschaft, die von Humanität, Toleranz, Demokratie, kultureller Vielfalt und Solidarität getragen ist, einzutreten. „Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus lehnen wir entschieden ab“, heißt es in der Resolution. „Extremen Haltungen und Handlungen wollen wir entschlossen entgegentreten und sie bekämpfen.“ 

Die Ratsmitglieder einigten sich darauf, Verunglimpfung, Beleidigungen und Gewalt in der Sprache, auch und vor allem im Internet, nicht zu tolerieren und stattdessen eine offene Debattenkultur zu fördern. Diese Ziele finden Ausdruck in Aktionen – zum Beispiel wurde im März ein Antirassismusaufkleber auf dem Rathausvorplatz angebracht – und in der Bestrebung, eine Antidiskriminierungsstelle zu gründen. Aber auch in den bunten Farben der Regenbogenflagge.

Die Regenbogenfahne steht in zahlreichen Kulturen weltweit für Aufbruch, Veränderung und Frieden, und sie gilt als Zeichen der Toleranz und Akzeptanz und der Vielfalt von Lebensformen. Ihre Verwendung ist bereits in den Deutschen Bauernkriegen verbrieft.

Erst seit den 1970er Jahren ist die Flagge auch internationales schwul-lesbisches Symbol. Sie unterscheidet sich von der Flagge der internationalen Friedensbewegung dadurch, dass sie eine Farbe weniger (sechs statt sieben) aufweist und dass die Farben in umgekehrter Reihenfolge angeordnet sind (Rottöne oben, Blautöne unten).

Endgültig etabliert wurde das Banner, nachdem im Jahr 1978 Harvey Milk, Mitglied des Stadtrates von San Francisco, ermordet wurde. Er hatte sich offen zu seiner Homosexualität bekannt. Ihm zu Ehren wurde die Flagge bei einem Protest- und Trauermarsch verwendet. In Deutschland wehte der Regenbogen zum ersten Mal im Jahr 1996 an einem öffentlichen Gebäude. Gestern setzten zahlreiche Kommunen in der gesamten Bundesrepublik damit ein Zeichen. Auch die Dumeklemmerstadt. Damit sprangen sie für die Stadt München ein, denen der Protest verwehrt wurde.