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Ratingen: Morgen startet der Rathaus-Abriss

Ratingen : Morgen startet der Rathaus-Abriss

Zunächst kommt der alte Ostflügel dran, Ende Juni wird dann ein Riesenbagger am Hauptgebäude eingesetzt.

Wenn Gerüste abgenommen werden, wird normalerweise etwas Neues sichtbar. Doch die Gerüste mit Folien und grünen Netzen, die gestern Mitarbeiter der Abrissfirma P&Z am Ostflügel des Rathauses abnahmen, machten den Blick frei auf eine abgenagte Betonkiste: Alle Fugen waren zuvor sorgfältig mit oszillierenden Messern und danach auch noch von Hand von giftigen PCB-Dichtmassen befreit worden. Und drinnen hatten die Entsorgungsexperten — ebenfalls im Vollschutz und unter Unterdruck-Bedingungen — PCB, Asbest und Mineralwolle entfernt. "Der Rohbauzustand ist wiederhergestellt", sagte Projektleiter Dieter Paul fachmännisch korrekt. Im Klartext: Der Abriss kann am Freitag beginnen.

Bürgermeister Harald Birkenkamp und Erster Beigeordneter Klaus Konrad Pesch ließen sich gestern von Paul und dem städtischen Projektleiter Lutz F. Kalkstein über den Stand der Dinge informieren. Es sei "eine Sünde und Schande", das Gebäude plattzumachen, hat Kalkstein vereinzelt an der Baustelle von Bürgern zu hören bekommen. Doch das sei eher die Ausnahme gewesen: "85 Prozent finden es gut." Schließlich passe es nicht in die historische Umgebung. "Ein Furunkel im Gesicht eines Freundes", zitierte Kalkstein Prinz Charles.

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Das Furunkel muss weg. Das wurde klar, als Paul wenig später im ehemaligen Wohnhaus an der Rücksiete des Rathauses die Einzelheiten der Entsorgung und des Abrisses erklärte. Paul liebt seine Arbeit und vor allem seine Bagger. Es sprudelte nur so aus ihm heraus. Die Mett-Schnittchen mit "Arbeitermarmelade" (Zwiebeln) blieben fast unangetastet, so spannend war sein Vortrag.

Gleich vier rote P&C-Kalender zieren die Wände im alten Wohnhaus, dem Hauptquartier der Abrisskolonne. An der braunen Falttüre kleben Fußballbildchen, daneben erläuterte Paul an einem Grundriss des Rathauses den Ablauf der Arbeiten. Von Freitag, 7 Uhr, bis Samstag, 20 Uhr, wird die Minoritenstraße gesperrt: Dann kann ein 38-Tonnen-Bagger den ersten Teil des Ostflügels niedermachen. Dort war das Kulturamt mit Tourist-Information und Kartenverkauf untergebracht. Der Bagger wird ab 12 Uhr angelassen — nach der letzten Trauung im nahen Standesamt. Zwei Wochen sind für den Ostflügel geplant. Dann ist er weg.

Auf dem Rathausvorplatz verteilte Paul Helme und Warnwesten an die Verwalter. Drinnen, im Foyer, zeigte er auf eine riesige Folie, die sich bis ins oberste Stockwerk erstreckt: Links ist eine Vier-Kammer-Personenschleuse, rechts saugen Lüfter die gefilterte Luft heraus. Dahinter werden Asbest, PCB und Mineralfasern von den einzelnen Wänden gestemmt. "Sogar Beton wurde mit asbesthaltiger Farbe als Brandschutz bepinselt", so Paul. Und zeigte auf einen der grauen Betonträger im Foyer. Diese Farbe muss noch runter. Wer aus dem Sicherheitsbereich kommt, muss vier Kammern überwinden, in die man von draußen reingucken kann. In der dritten wird geduscht. Mindestens drei Minuten, sonst geht die nächste Tür nicht auf. Da wird auch keine Ausnahme für die Gutachterin gemacht. Die allerdings arbeitet mit mehreren Schutzanzügen, der letzte bleibt beim Duschen an.

Ende Juni ist das Gift raus, dann kommt Pauls Lieblingsbagger: ein Hitachi 870 ZX, 170 Tonnen schwer, 45-Meter-Greifer. "Nur vier gibt es davon in Deutschland", schwärmte Paul. Der Riese erledigt den Rest. Bis Mitte Oktober.

(jop)