Wissenschaft am Campus Heiligenhaus 745.000 Euro Fördergeld für Autoforscher

Heiligenhaus · Drei Professoren arbeiten in einem Projekt mit mehreren Hochschulen zusammen. Mobilitätswende – worum es den Wissenschaftlern geht.

Prof. Clemens Faller hat sich auf Automatisierungstechnik spezialisiert.

Prof. Clemens Faller hat sich auf Automatisierungstechnik spezialisiert.

Foto: RP/Hochschule Bochum

Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren – für die Studenten am Campus Heiligenhaus sind das weit mehr als gängige Schlagworte. Längst ist eine Art Fahrschul-Parcours im Labor eingerichtet, angehende Bachelor- und Masterstudenten beschäftigen sich damit, Autos das Selberfahren beizubringen. Und im Mai vergangenen Jahres war eine Studentengruppe mit ihrem Professor zu Gast bei einem besonderen Wettbewerb des VDI in München: Dort ging es, so wissenschaftlich konzipiert wie spielerisch anmutend, um die Frage nach dem Modellfahrzeug, das sich auf einer Hallenpiste so geschickt wie möglich Rennen mit anderen liefert. Aber das ist nur eins der aktuellen Themenbündel für die Nachwuchswissenschaftler und ihre Lehrer. In einem weiteren wird es nun darum gehen, Aspekte solcher Entwicklungen für Industrieunternehmen zu analysieren. Als ein Stück angewandte Wissenschaft für die Produktion der Zukunft.

Die Automobilindustrie steht derzeit vor großen Herausforderungen: Die Mobilitätswende hat begonnen, der Klimaschutz wird immer wichtiger und die Digitalisierung in Unternehmen schreitet voran. Wie können Unternehmen diesen Wandlungen begegnen und sich gut für die Zukunft aufstellen? Welche Bedeutung haben diese wirtschaftlichen Veränderungen für eine ganze Region? Der Campus Velbert/Heiligenhaus (CVH) wird diese Fragen im Rahmen des Transferprojekts TrAIBeR.NRW untersuchen.

Die drei Professoren Markus Lemmen, Clemens Faller und Jörg Frochte analysieren über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren die Herausforderungen für die heimische Industrie und wollen Lösungsansätze für die Automobilbranche im Bergischen Land und dem Ruhrgebiet entwickeln. Es stehen Forschungsgelder in Höhe von rund 745.00 Euro für das Projekt zur Verfügung.

„Der Campus Velbert/Heiligenhaus konzentriert sich bei dem Projekt auf die Fragen, welche Unternehmen in der Region von der Mobilitätswende betroffen sind, welche Veränderungen sie konkret erwarten und wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz sie zukünftig wettbewerbsfähiger machen kann“, erläutert Markus Lemmen, Professor für Regelungs- und Fahrzeugsystemtechnik.

Zwar ist die Mobilitätswende seit langem bekannt und Elektrofahrzeuge werden zunehmend wichtiger, jedoch fehlt bislang eine systematische Erhebung, was dies für die gesamte Wirtschaft bedeutet. „Die Veränderungen im Zuge der Mobilitätswende betreffen nicht nur Automobilzulieferer. Auch diese haben Unternehmen, von denen Materialien für den Herstellungsprozess eingekauft werden.“ Lemmen beschreibt das Anliegen so: „Die Frage ist deshalb, welche Bauteile werden zukünftig noch für Elektrofahrzeuge benötigt und welche Unternehmen aus welchen Branchen finden in Zukunft keinen Absatzmarkt mehr für ihre Produkte? Wie können sie neue Märkte finden? Muss dafür die Produktion verändert werden? Und welche Weiterbildungsangebote für das Personal sind notwendig?“

Diese Fragen sollen innerhalb der nächsten Jahre systematisch erforscht und bedarfsweise ein entsprechender Transformationsprozess angestoßen werden. Dazu ist der breit gefächerte Aufgabenkatalog dreigeteilt. Die drei Professoren des Campus Velbert/Heiligenhaus, Lemmen, Faller und Frochte, bringen dazu gezielt ihre Kompetenzen in die Untersuchung mit ein: Prof. Jörg Frochte wird sich schwerpunktmäßig der Datenanalyse widmen und diese mit KI-Techniken unterstützen. Es werden in den nächsten Monaten Umfragen bei den Unternehmen vor Ort durchgeführt werden. Dabei sollen konkrete Problemfelder und Aufgaben ermittelt werden, die durch die Mobilitätswende entstehen. Prof. Frochte wertet diese Daten mit Hilfe eines Verfahrens aus, das eine Strukturierung großer Datenmengen ermöglicht und die Auswertung der Ergebnisse erleichtert (number crunching).

Markus Lemmen beschäftigt sich mit der zentralen Frage, welche Unternehmen zukünftig welche Produkte herstellen können, damit sie wettbewerbsfähig bleiben. Außerdem geht es um die Frage, wie in bestehende Produkte Künstliche Intelligenz integriert werden kann, damit diese Technologien auch in Zukunft nachgefragt werden.

 Clemens Faller schaut sich daraufhin die Produktionsprozesse der Unternehmen genau an: Wie kann der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Produktion die Effizienz steigern? Welche IT- und Kommunikationstechnologien können eingesetzt werden, um Produktionsabläufe zu verbessern? Hierzu werden die Erkenntnisse von Prof. Lemmen genutzt und bereits Vorschläge für eine erfolgreiche Produktion von neuen Technologieprodukten erarbeitet.

Abschließend werden Konzepte erstellt, was die Veränderungen für das Fort- und Weiterbildungsangebot für die Unternehmen und deren Belegschaft bedeutet und welche Maßnahmen hier ergriffen werden müssen.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort