Ratingen: Minoritenschule hat eine neue Chefin

Ratingen: Minoritenschule hat eine neue Chefin

Tanja Esterhuis leitet die kleinste Ratinger Grundschule. Wenn alle da sind, sitzen acht Lehrer im Lehrerzimmer.

Manchmal ändert sich auch in Jahrzehnten nicht viel: Vor 60 Jahren pflegten Schulkinder ihre Lehrerinnen häufig mit "Frollein" anzureden und zu duzen. Heute sagen sie "Frau" und duzen immer noch. Und damals wie heute waren es Frauen, die den Jungen und Mädchen bei den ersten Schritten ins Bildungswesen Beine machten. Erziehende Männer sah man eher zu Hause.

Das ist auch heute nicht wirklich anders. Auch in der Minoritenschule an der Minoritenstraße kümmert sich ein Team von sieben Lehrerinnen um die 99 Jungen und Mädchen. Und Tanja Esterhues, die achte, ist seit dem vergangenen Sommer Chefin.

Sie leitet also die kleinste innerstädtische Ratinger Grundschule mit der innigsten Verbindung zur Stadtgeschichte - im Namen zu den Minoriten, in der Lage zum Stadtkern. Und - neben der Suitbertusschule - eine katholische Einrichtung.

Um einen alten Witz zu bemühen: Dort ist auch nicht alles das liebe Jesulein, dort gibt es aber sehr wohl einen Leitgedanken, nach dem "die Kinder nicht nur lernen, leisten und ihren Verstand bilden sollen. Es gilt auch, das Herz zu bilden. Wir wollen die Schüler vertrauensvoll an die Hand nehmen und sie durch ihren ersten Schulabschnitt begleiten". So heißt es programmatisch. Vor Unterrichtsbeginn wird gebetet, die christlichen Feste sind Anker im Jahr und werden begangen, gegenseitiger Respekt und allgemeine Achtung sind hoch angesehen. - Alles Werte, die man anderen Schulen auch nicht absprechen sollte. Dennoch werden sie hier besonders betont.

Als die jetzige Schulleiterin ihre Ausbildung begann, hatte sie all das von zu Hause mitbekommen. Sie hatte sich - 1976 im Münsterland als Einzelkind geboren - auch schon recht bald nach dem Abitur entschieden, Lehrerin zu werden. "Und ich bin das bis heute wirklich gern und könnte mir keinen besseren Beruf vorstellen."

Wenn man weiß, dass sie nach dem Studium ihr Referendariat in Paderborn an einer katholischen Grundschule, dann an einer Hauptschule und schließlich als junge Lehrerin in der Inselschule auf Juist absolvierte, mag man abschätzen, dass der Beginn nicht der schlechteste war.

Inzwischen gab es einen Ehemann, nach dessen beruflicher Verpflichtung der Weg zunächst nach Hösel führte. Immerhin bedenkt er, hochwohllöblich, seine Frau mit liebevollen Sätzen: "Im Sport sollte es so sein, dass die besten Trainer im Kinderbereich arbeiten. Hier wird das Fundament für den späteren Olympiasieg gelegt. In der Schule ist es nicht anders. Der Erfolg wird auch hier erst viele Jahre später sichtbar und geerntet. Ich freue mich für jeden Schüler, der von meiner Frau und ihrem Team unterrichtet wird."

Noch geht es für die Kinder allerdings nicht um Medaillen und Nobelpreise - noch geht es auch um den Fortbestand der kleinen Schule, die erfolgreich mit der Suitbertusschule kooperiert, die wegen ihrer Überschaubarkeit ein paar Extras anbieten kann wie die am Ende flexible Betreuung der Kinder, die von der Theatergruppe über den Chor bis zu Yogastunden allerhand Anregungen anbietet und mit vielen kooperativen Eltern gesegnet ist, um mal im Jargon zu bleiben. Und Tanja Esterhues hat ein Herz für andere berufstätige Mütter: Sie stemmt jeden Morgen die Organisation, ihre anderthalb und drei Jahre alten Söhne zur Betreuung zu bringen und dann aus Mettmann rechtzeitig in ihrer Schule zu sein. Aber, siehe oben, sie tut es ausgesprochen gern.

(gaha)