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Millionenschweres Verkehrsprojekt muss warten

Ratinger Verkehrsprojekt : Westbahn-Projekt gerät ins Stocken

Zurzeit wird mit Blick auf den Rhein-Ruhr-Express der Ausbau betrieben. Der hat Priorität. Doch es kommt es im Bereich Angermund zu erheblichen Verzögerungen. Und deshalb rückt die Reaktivierung der Weststrecke nach hinten. 

Von einem Rückschlag will Olaf Tünkers, der Vorsitzende des Unternehmensverbandes Ratingen (UVR), nicht sprechen, auch nicht von einem Projekt, das plötzlich auf dem Abstellgleis gelandet ist. Doch es ist klar: Die Westbahn kommt später als geplant.

Wie Tünkers beim virtuellen Jahresauftakt des UVR mitteilte, habe der Abschluss des großen Rhein-Ruhr-Express (RRX)-Projektes Priorität. Und wenn dieses Vorhaben abgeschlossen ist, kommt die Westbahn dran. Da es Probleme im Angermunder Bereich gebe, werden sich die RRX-Arbeiten verzögern – und somit die Maßnahmen zur Reaktivierung der Weststrecke, die mit großen Hoffnungen verbunden ist.

Die Bürgerinitiative Angermund hat rund 2.200 Einwendungen gegen die Pläne zum Ausbau des RRX an das Düsseldorfer Amt für Verkehrsmanagement übergeben. Ein Satz Kopien der Schreiben ging zudem an Oberbürgermeister Stephan Keller und an den neuen Verkehrsminister Volker Wissing (FDP). „Wir wollen nicht, dass unsere Anliegen nur in Amtsstuben bearbeitet werden, sondern Entscheider sollen auch erfahren, was die Angermunder seit Jahren umtreibt“, sagte Elke Wagner, Vorsitzende der Initiative. Diese fordert eine Einhausung der Strecke, die von vier auf sechs Gleise ausgebaut werden soll.

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Die Initiative hatte bei Informationsveranstaltungen Bürgern die Pläne der Deutschen Bahn vorgestellt und geholfen, die entsprechenden Einsprüche zu formulieren. „Ich hatte mit 1000 Einwendungen gerechnet, aber das Ganze ist ein Selbstläufer geworden, und viele haben jetzt verstanden, was der Bau für sie und den Ort bedeutet“, sagte Wagner. Kritisiert werden von der Initiative und den Bürgern unter anderem mangelnder Emissionsschutz und mangelnder städtebaulicher Umgang. „Entweder müssen die Gleise aus Angermund rausgelegt werden, oder sie müssen eingehaust werden“, forderte Wagner.

Zeit für eine Neuplanung des RRX in Angermund sei ausreichend vorhanden. Denn zunächst müssten die Genehmigung und der Bau einer Weichenanlage, die sogenannte Wedauer-Kurve, in Duisburg erfolgen. Mit ihrer Hilfe soll der Zugverkehr während der Arbeiten in Angermund umgeleitet werden.

Die Deutsche Bahn hatte erklärt, dass eine Einhausung nicht ausreichend tief in die Erde verlegt werden könnte, da die Trasse wieder schnell oberirdisch geführt werden muss, um die Anger überqueren zu können. Damit würde sie mehrere Meter aus der Erde ragen, was keine Verbesserung zu Lärmschutzwänden darstelle. Für die Realisierung eines Tunnels müssten mindestens 15 Häuser abgerissen werden, so die Bahn. Es gibt also viele Detail-Probleme.

Und in welcher Phase befinden sich die Pläne für die Westbahn? Ungefähr im ersten Drittel eines sehr langen Weges, der in diverse Leistungsphasen unterteilt ist. Noch vor einigen Jahren sah dies ganz anders aus: Da hielt man die Reaktivierung der Weststrecke für einen unrentablen Projekt-Koloss, der nur sehr schwer auf die Schiene zu bringen ist. Doch dies hat sich spätestens nach der Bekanntgabe der Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie geändert. Kernaussage: Die Westbahn macht ökonomisch und ökologisch Sinn.

Und längst ist es zwischen Ratingen, Düsseldorf, Duisburg, dem Kreis Mettmann und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) zum Schwur gekommen: Man will die Westbahn unbedingt aktivieren. Die Deutsche Bahn (DB) mit ihrer Tochter DB Netz AG sitzt mit im Projekt-Abteil und spielt eine Schlüsselrolle.

Staatssekretär Jan Heinisch hat es bei einem früheren virtuellen Forum so umschrieben: „Es gibt keinen einzigen Grund, der gegen die Westbahn spricht.“ Klar ist: Unmittelbare Anrainer-Städte wie Düsseldorf, Ratingen und Duisburg würden stark profitieren. In Duisburg gibt es auf 90 Hektar das Sechs-Seen-Wedau-Projekt mit Campus und Platz für bis 15.000 Studenten sowie 3.000 Wohneinheiten.

Das Westbahn-Projekt ist an die Schaffung von Wohnraum entlang der Strecke gekoppelt. Das öffentliche Verkehrsnetz würde mit Blick auf die mobile Versorgungsqualität deutlich zulegen. Heinisch nannte die Erfolgsbeispiele Regiobahn und S 6, die nicht mehr wegzudenken seien. Auch in Ratingen würden neue Wohnquartiere entstehen, so auch in Lintorf. Der Nutzen für Ratingen liege jedenfalls auf der Hand, könnten doch auf einen Schlag Lintorf, Tiefenbroich, Ratingen West und Teile der Innenstadt direkt an den Schienennahverkehr angeschlossen werden.

Um den Personenverkehr auf der Weststrecke wieder in Betrieb zu nehmen, muss auch ein drittes Gleis gelegt werden. Zurzeit wird mit Blick auf den Rhein-Ruhr-Express der Ausbau betrieben, der viel Personal und viele Kapazitäten bindet. Der VRR betonte, dass man unabhängig vom RRX-Projekt die Planungen für die Westbahn vorantreiben will. Eine verlässliche Zeitplanung ist zurzeit nicht möglich, vor dem Jahr 2030 ist mit einer Inbetriebnahme wohl nicht zu rechnen.

Aus einem Fördertopf mit einem Gesamtvolumen von 22,5 Millionen Euro erhielt die Weststrecke vom Land fast ein Drittel (also rund sieben Millionen Euro) und ist damit das höchstgeförderte Projekt, das insgesamt rund 131 Millionen Euro kosten soll. Für Tünkers ist klar: „Wir müssen einfach dranbleiben.“