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Mike Vogel passt nicht in irgendwelche Schubladen.

Portrait : Mike Vogel geht seine eigenen Wege

Der Höseler passt nicht in irgendwelche Schubladen. Ein Portrait über einen Tausendsassa. Immer nah am Menschen.

Wer Menschen gerne in Schubladen steckt und abstempelt, wenn sie den eigenen Vorstellungen und Konventionen nicht entsprechen, ist bei Mike Vogel ganz falsch. Der 45-Jährige kultiviert geradezu einen anderen, erfrischend alternativen Lebensentwurf. Eintönigkeit ist ihm genauso fremd wie ein gradliniger Lebenslauf.

Mike Vogels Leben beginnt im März 1975 in der baden-württembergischen Provinz, im „Ländle“. Mit elf Jahren zieht es ihn dann nach Ratingen, er macht eine Ausbildung zum Koch, kann diese aber krankheitsbedingt nicht zu Ende führen. „Ich habe dann eine Lehre im Behindertenwohnheim in Ratingen als staatlich geprüfter Hauswirtschafter gemacht und habe kurze Zeit später die Küchenleitung im Behindertenwohnheim übernommen“, sagt Vogel, der in Hösel seine zweite Heimat gefunden hat.

Irgendwie war es das aber auch nicht für den risikofreudigen Schwaben. Es folgten 19 Jahre als Lagerist und Logistiker – „unspektakulär“, meint Vogel dazu. Nebenbei und „viel spektakulärer“ – sein Engagement für die Jugend. „Ich habe mich als Honorarkraft in der offenen Kinder- und Jugendarbeit der Stadt und später als Fußballtrainer beim SV Hösel und beim TuS Breitscheid eingebracht“, sagt Vogel, der unter anderem etwa Spenden für die Errichtung eines Bolzplatzes in Eggerscheidt gesammelt hatte. „Mir liegt Kinder- und Jugendarbeit einfach am Herzen.“ Und Fußball. „Fußball zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben.“ Nur zwei Beispiele: „Ich habe eine große Stadionfahne mit Kindern und Jugendlichen mit der Aufschrift „Welcome to Germany Eggerscheidt 2006“ hergestellt, die für große öffentliche Freude sorgte, weil sie vom ZDF während der Nationalhymne beim Auswärtsspiel Südkorea gegen Deutschland auf der Asientour 2004 groß und lange eingeblendet wurde.“

Ein Mitarbeiter der Stadt machte von der Fahne Postkarten, und die Fahne hing anschließend eine Woche im Ratinger Rathaus. Als Dank erhielt Vogel eine Belobigung für Verdienste für die Stadt Ratingen.

Zwei Jahre zuvor stand der agile und etwas sprunghafte Höseler bereits in der Öffentlichkeit. „Ich reiste mit Rucksack zur WM nach Japan.“ Nachvollziehbar, dass hier das Radio- und Fernsehen einen Narren an Mike Vogel gefressen haben. „Es gab dort und hier viele Zeitungsartikel. Dies ging so weit, dass ich in Japan Autogramme geben musste.“

Kurios war, dass Vogel nach dem damaligen Achtelfinalerfolg der Deutschen gegen Paraguay wieder nach Hause flog und „nur für das spätere Finalspiel gegen Brasilien nochmals nach Japan, genauer nach Yokohama, flog“, erklärt er. „Mein damaliger Japanaufenthalt betrug nur knapp sieben Stunden. Danach flog ich nach Frankfurt, um die Mannschaft zu empfangen.“ Ein positiv verrückter Vogel eben.

Um sein neuestes berufliches Projekt zu erkunden, muss man nach Essen-Frohnhausen fahren. „Dort habe ich seit April 2018 einen Imbiss eröffnet.“ Innerhalb weniger Monate wurde „MO‘s – eat and drink“ Kult. Nicht nur „lecker Pommes gibbet da, sondern immer auch Unterhaltung“, heißt es von Stammgast Frank Bäumel. Konzerte, Lesungen und Vorträge finden in schöner Regelmäßigkeit in Vogels Imbiss statt. „Meine Pommesbude hat sich durch verschiedene Live-Events einen Namen gemacht. Unsere Event-Reihe ‚Kult und Curry‘ freut sich über wachsende Beliebtheit. Unterschiedliche Künstler traten schon bei mir auf.“

Der Comedian Friedemann Weise machte sogar seine Vorpremiere zur aktuellen Tour bei Vogel. Die Coronavirus-Krise trifft Vogel indes umso härter, da er bereits im Februar drei Wochen wegen einer Operation geschlossen hatte, sagt er. Vogel denkt jetzt, wo Kunden weg bleiben,  über eine Crowdfunding-Aktion nach, um seinen Laden zu retten. „Ja, auch meine berufliche Existenz ist massiv bedroht.“

Daneben, und das darf nicht zu kurz kommen, meint Vogel selbst, ist der fußballverrückte Imbissbudenbetreiber ein Streiter für Integration, Mitmenschlichkeit und Zivilcourage. Vogel hatte bereits vor der zweiten humanitären Krise heutiger Zeit, der Flüchtlingskrise, immer wieder Turniere für Geflüchtete oder etwa gehörlose Kinder in Uganda organisiert. „Eine Spendensumme in Höhe von 3000 Euro wurde für Uganda erspielt“, erinnert er sich.

Mit seiner damaligen D-Jugend vom TuS Breitscheid setzte er zudem buchstäblich ein Zeichen gegen Rassismus. Vogel brachte ein Schild im Rahmen der Aktion „vier Schrauben für Zivilcourage“ am Vereinsgelände an. „Ausländerfeindlichkeit und Rassismus haben im Fußball nichts zu suchen. Der Sport ist und bleibt ein breiter Pfeiler für die Integration in unserem Land“,  macht Vogel seine Haltung klar.

Zuletzt hat sich Mike Vogel wieder für geflüchtete Menschen eingesetzt. Er war einer der Erstunterzeichner der kürzlich publik gemachten Flüchtlingspetition „Ratingen sicherer Hafen“, die sich für die zusätzliche Aufnahme von geflüchteten Jugendlichen von den griechischen Inseln durch die Stadt stark macht.