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Michaela Hendrichs-Linden verkauft Fruchtaufstrich in Ratingen

RP-Serie: Ratinger Markthändler : Ins Glas kommt nur Frucht und Liebe

Michaela Hendrichs-Linden bietet auf dem Wochenmarkt rund 80 Sorten Fruchtaufstrich an. Sie hat alle Rezepte selbst zusammengestelt und in den süßen Frühstücksbegleiter selbst gekocht.

Es gab Zeiten, da überschwemmten alle Frauenzeitungen um die späte Sommerzeit labile Hausfrauen mit den abenteuerlichsten Rezepten zur Anfertigung von Marmelade, Konfitüre, Gelee. Die Ergebnisse des fleißigen Treibens wurden bevorzugt an willfährige Junggesellen verschenkt, in deren Küchen-Hängeschränken sich dann die beliebten Mitbringsel drängelten. Inzwischen kommt der Handel mit einem wahren Füllhorn an Fruchtaufstrichen der heimischen Einkocharbeit entgegen. Aber: Es gibt daneben vorzügliche Produkte kunstfertigen und geschmackssicheren Selbermachens auf dem Ratinger Markt zu kaufen.

Dreimal im Monat, und zwar samstags, steht Michaela Hendrichs-Linden am äußersten Marktzipfel auf der Oberstraße unter einem Marktschirm an einem Markttisch und hält 60 bis 80 Sorten Fruchtaufstrich bereit. Alle Köstlichkeiten kosten 3,20 Euro, wiegen 220 Gramm, stecken in sechseckigen Gläsern (damit sie weder beim Transport noch in der Auslage wegrollen), sind akkurat beschriftet und haben karierte Mützchen. Alle heißen Fruchtaufstrich und sind zuckerreduziert, das heißt, dass sie 35 Prozent Zucker und 65 Prozent Frucht und eine Menge an Liebe zum Herstellen der Köstlichkeiten enthalten.

Es ist nämlich wirklich nicht so, dass man sich mit einem Berg von Obst, mit Zucker und Pektin (für die Festigkeit) darangibt, einfach mal so was fürs süße Frühstück zusammenzukochen. Die Sorten, die schließlich auf dem Markt landen, sind manchmal erst auf den x-ten Versuch so geworden, wie die Meisterin am Kochlöffel sie haben wollte. Sie gesteht, dass da schon mancher Versuch nicht gleich geglückt ist.

Dabei müssen auch allerhand gesetzliche Vorgaben beachtet werden. Vereinfacht kann man sagen: Gelee wird aus Fruchtsaft hergestellt. Konfitüre hingegen wird aus ganzen Früchten, Fruchtbrei oder Fruchtmark eingekocht. Marmelade dürfen nur noch Konfitüren heißen, die aus Zitrusfrüchten hergestellt sind. Obgleich inzwischen schon einige Jahre seit der Begriffs-Verschlimmbesserung ins Land gegangen sind, werden die alt-eingeführten Namen für die leckeren Fruchtzubereitungen munter durcheinander und weiterhin benutzt. So ähnlich wie es mit den Kalorien ging, als sie plötzlich in Joule gemessen wurden. Und was das betrifft, sollte man sich den Fruchtaufstrichen nicht mit Kalorienzählen nähern.

Wer will das auch tun, wenn da eine Kreation Tequila Sunrise, eine andere „Aprikosentraum mit weißer Schokolade“ benannt sind, wenn sich Champagner mit Erdbeeren vereinigt oder Himbeeren mit Geist (welcher Geist?), wenn weiße Pfirsiche von Safran begleitet werden?

Michaela Hendrichs-Linden weiß inzwischen, welche Früchte einen hohen eigenen Pektingehalt haben und welche nicht, sie schätzt die Aprikosen aus Frankreich und die Säfte aus einer ausgewählten Mosterei, arbeitet viel mit regionalen Früchten – greift aber auch auf entlegenere Gebiete zurück, wenn es  um den guten Geschmack geht. Und sie garantiert für ein geschlossenes, gut gelagertes Glas ein Jahr Haltbarkeit.

Aber dann, wenn der Deckel einmal geöffnet ist, muss die Köstlichkeit im Kühlschrank gelagert und in zwei bis drei Wochen verzehrt sein. Falls man denn in der Zwischenzeit die Fruchtträume nicht schon lange geträumt hat.