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Ratingen: Mehr Raum für Kreis-Kunst

Ratingen : Mehr Raum für Kreis-Kunst

Bei der 14. Auflage der Düsseldorfer Kunstpunkte wurde das Umland abgekoppelt. Zu viel Aufwand, sagt das Düsseldorfer Kulturamt. Empörung wird laut – und der Ruf nach einem Alternativprojekt für den Kreis Mettmann.

Ausstellungsmöglichkeiten sind rar. Daher ist manch ein Künstler aus dem Kreis Mettmann derzeit nicht gut auf das Düsseldorfer Kulturamt zu sprechen. Nach all den Jahren die Kooperation aufzukündigen, das ist für Roswitha Riebe-Beicht, die neun Jahre dabei war, eine herbe Enttäuschung. "Wir haben den Düsseldorfern doch nichts weggenommen", sagte sie, als die Nachricht im April die Runde machte.

Düsseldorf hat zurückgerudert, weil viele Städte im Umland mittlerweile eigene Atelierschau-Projekte anbieten. Unter dem Titel "Arbeitsplatz Kunst – Offene Ateliers" laden etwa die Städte Neuss, Grevenbroich, Korschenbroich, Dormagen, Kaarst, Jüchen und Meerbusch einmal im Jahr gemeinsam zum Atelierbesuch. Einbezogen werden auch Künstler, die nicht im Besitz der in der Landeshauptstadt nur unter bestimmten Voraussetzungen vergebenen Künstlerkarte sind. Die kommunale Gemeinschaftsaktion findet seit acht Jahren statt. Nicht parallel zu den Kunstpunkten, sondern jeweils im Mai, mithin völlig unbeschattet von der Konkurrenz in der Landeshauptstadt, deren große Atelierhäuser stets besonders viel Publikum anziehen.

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In Düsseldorf nutzen aktuell rund 450 Künstler die Kunstpunkte als Präsentationsplattform. Entsprechend groß ist der Aufwand für die Kulturverwaltung, dem nun durch die Beschränkung aufs Stadtgebiet Grenzen gesetzt werden sollen. Die Ratingerin Erika Lomberg wertet dies zwar als "Rauswurf", räumt jedoch ein, dass die in den Anfängen große Resonanz – über 100 Besucher kamen seinerzeit am Kunstpunkte-Wochenende in ihr Atelier – durch die immer größer werdende Zahl der Künstler im Raum Düsseldorf allmählich abgenommen habe.

Ähnliche Erfahrungen haben Petra Dreier und Michael Hanousek gemacht. Das Anfang des Jahres von Ratingen nach Heiligenhaus verzogene Künstlerpaar sieht den Ausschluss daher gelassen: "Die Teilnahme an den Kunstpunkten ist sowohl für uns als Künstler als auch für unsere Malkurse stets recht folgenlos geblieben." Der Ratinger als solcher pilgere an den Kunstpunkte-Wochenenden eher Richtung Landeshauptstadt. Begrüßenswert fänden die beiden ein Alternativprojekt für den Kreis Mettmann, zumal eine solche Initiative "weniger diesen Düsseldorfer Anhängselcharakter" hätte. Emanzipation wäre also geboten – aber wie?

Ganz so unemanzipiert ist der Kreis Mettmann in punkto Atelierschau allerdings nicht. Im Mai 2005 standen bei der Neanderland Biennale erstmals 30 Ateliertüren im Kreis losgelöst von den Kunstpunkten offen. Für die Kreiskulturreferentin Barbara Bußkamp war dies Ansporn genug, eine Verselbstständigung des Biennale-Nebenprojekts zu erwägen. Ende April 2009 wurde dies, wiederum unter dem Titel "Tatorte – offene Ateliers im Neanderland", auch für Künstler ohne Akademieausbildung Wirklichkeit. Die Erwartungen der Organisatorin – von 60 Teilnehmern war sie ausgegangen, am Ende öffneten 121 Ateliers im Kreis ihre Pforten – wurden weit übertroffen. Wer jetzt meint, die jährliche Wiederholung nach dem Kunstpunkte-Prinzip wäre ob des großen Erfolgs doch wohl das Nächstliegende, den konfrontiert Barbara Bußkamp mit ernüchternden Zahlen. Die "Tatorte" kosten den Kreis, der die Plakat-, Flyer- und Internetwerbung übernimmt, das Material verteilen und plakatieren lässt und jeden teilnehmenden Künstler mit Einladungskarten, Flyern und Plakaten eindeckt, zwischen 13 000 und 15 000 Euro. Und da der Kreis sich gerade ein striktes Sparkonzept verordnet hat, werden die "Tatorte" laut Bußkamp im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Bestenfalls.

Das Geld für die "Tatorte" 2011 sei zumindest schon mal in den Haushalt des nächsten Jahres eingestellt, sagt Bußkamp. Emanzipation ist eben – wir blicken neidisch zum Rhein-Kreis Neuss – manchmal auch eine Standortfrage.

(RP)