Ratingen: Marla Glen rockte das Stadttheater

Ratingen : Marla Glen rockte das Stadttheater

Beim fünften Ratinger Festival der Stimmen begeisterten am Wochenende neben Marla Glen und Band auch das Duo Frau Contra Bass, 6 Zylinder sowie das Cecile Verny Quartett im fast ausverkauften Stadttheater.

Eine Stimme, die unter die Haut geht und Rhythmen, die zum Tanzen zwingen — Marla Glen und ihre Band rockten am Freitagabend das Stadttheater und lieferten damit zweifellos einen Höhepunkt in der inzwischen fünfjährigen Geschichte von "Voices", dem Ratinger Festival der Stimmen. Von Beginn an gab die 52-jährige Amerikanerin, die schon lange in Deutschland lebt, auf der Bühne alles und überzeugte mit einer Mischung aus Blues, Soul und Rock, in die auch Elemente aus anderen Musikgenres wie Jazz, Rap oder Ethno einfließen.

Unverwechselbar ist dabei nicht nur die Stimme Marla Glens, sondern auch ihr Erscheinungsbild mit Anzug, Krawatte und Hut. Running Gag des Abends war dabei die ständige Suche nach ihrer Brille, begleitet von Frotzeleien über ihr fortschreitendes Alter. Von dem war allerdings überhaupt nichts zu bemerken, Marla Glen tanzte und tobte mit teils abenteuerlichen Verrenkungen über die Bühne, sie ist eben eine absolute Vollblutmusikerin und Entertainerin.

Einziges Manko des Abends: Im bestuhlten Stadttheater trauten sich viele Zuschauer nicht oder erst im Verlauf der zweiten Konzerthälfte, aufzustehen und zu tanzen. Dabei lädt Glens Musik eigentlich vom ersten Augenblick zum Tanzen, Mitsingen und Feiern ein. So klatschten und wippten die Zuschauer zwar von Anfang an mit, die absolute Partystimmung wollte zuerst aber nicht aufkommen. Erst nach der Pause schien bei vielen Besuchern der Knoten zu platzen, sie kehrten erst gar nicht auf ihre Plätze zurück, sondern tanzten ausgelassen in den Zwischenräumen an den Seiten und direkt vor der Bühne. Sehr zur Freude von Marla Glen, die ein paar treue Fans im Publikum erkannte und hinterher auf ein Bier einlud. Für die Zukunft sollten sich die Veranstalter allerdings überlegen, ob ein Musiker wie Marla Glen nicht besser in der Stadthalle, der Lintorfer Manege oder einem ähnlichen Ort aufgehoben wäre, in dem das Publikum mehr Bewegungsfreiheit hätte.

Doch nicht nur Marla Glen faszinierte in den vergangenen Tagen mit ihrer Stimme. Am Samstagabend ging es im fast ausverkauften Stadttheater mit der Vocal Night weiter, bei der drei Gruppen hintereinander auftraten. Den Auftakt machten Katharina Debus und Hanns Höhn alias Frau Contra Bass, eine Mischung aus einer teilweise anmutigen weiblichen Stimme und einem Instrument, das solo eher selten zu hören ist: der Kontrabass. Es war schon faszinierend zu erleben, mit welcher Eleganz und Ekstase Höhn das schwere Instrument virtuos einsetzte. Da gab es schon mal Applaus auf offener Szene. Den hatte sich auch Katharina Debus verdient, die eben nicht nur mit ihrer facettenreichen Stimme begeisterte, sondern auch damit, dass sie ihre Musik sichtbar lebte. Nicht ganz so actionreich, aber nicht minder unterhaltsam waren im zweiten Teil die Jungs von "6 Zylinder". Die A-cappella-Gruppe ist in Ratingen schon gut bekannt und sorgte auch diesmal mit ihrer Mischung aus perfekt intonierten Coversongs und eigenen Texten für viel Applaus. "Wir waren uns in fünf Jahren "Voices" nicht immer einig, was die Programmgestaltung anging — nur beim Thema A-cappella haben alle immer gesagt, das muss sein", erklärte Kulturdezernent Dirk Tratzig, der durch den Abend führte.

Den würdigen Abschluss eines langen Musikabends bildete das Cecile Verny Quartett mit seiner extremem Vielfalt in ganz eigenen Rhythmen: Balladen, Chansons und schnelle Nummern ließen die langsam aufkommende Erschöpfung im Publikum schnell vergessen.

(RP/rl/ila)