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Ratingen: Mal Superhelden, mal falsche Freunde

Ratingen : Mal Superhelden, mal falsche Freunde

"Dreh Deinen eigenen Film" heißt eine Ferienaktion im Jugendzentrum Lux. 17 Kinder und Jugendliche machen mit.

So geht das nicht! Anna-Lena zeigt auf eine Stelle im Drehbuch, das Oskar geschrieben hat. "Du hast doch gar keine Ahnung von Drogen!" "Aber Du..." kontert ihr Gegenüber. Und schon haben sich die beiden 16-Jährigen im Jugendzentrum Lux an der Turmstraße in der Wolle. So lange, bis sie beide lachen müssen und schließlich zusammen eine Lösung finden, mit der sowohl die Hauptdarstellerin als auch der Regisseur leben können. Einfach haben es sich die beiden nicht gemacht, bei der aktuellen Ausgabe von "Dreh Deinen Film" im Rahmen des Sommerferienprogramms Matchball. Über Heroin wollen sie einen Kurzfilm drehen - und darüber, was das Rauschgift mit den Süchtigen macht. Das Problem ist: Keiner von ihren Freunden weiß wirklich Bescheid, aber alle wollen mitreden: "Ey krass, da müsst ihr Prostituierte zeigen."

17 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 19 saßen am Montag in der Vorstellungsrunde der Filmwoche. Es ist die zweite. Aus der Vorwoche sind sieben Jugendliche wiedergekommen, um ihr Projekt zu beenden. Vielleicht liegt es daran, dass es in dieser Woche extrem schnell ging.

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"Wir haben schon am Montag mit dem Schreiben der Drehbücher angefangen", staunt Betreuer Johannes Maas immer noch. Alle hatten von Anfang an sehr genaue Vorstellungen von dem, was sie in dieser Woche produzieren wollen. "Manchmal dauert die Ideenphase länger."

Nicht so am Montag. Eine Komödie über einen Superhelden, der zum Superschurken wird. Ein Appell gegen Alkohol am Steuer mit dem Titel "Der Autounfall", ein superkitschiger Werbespot für die Liebe und die Heroin-Geschichte kristallisierten sich sehr rasch als Themen heraus.

Von der Technik über die Schauspielerei bis zum Filmschnitt machen die Jugendlichen in dieser Woche alles selbst. Die Betreuer, neben Johannes Maas vom Lux sind das Schauspieler und Regisseur Stefan van Cassenberg, Kameramann Daniel Oberbanscheidt und Schnittexperte Fabian Mönch, geben lediglich Hinweise. Zum Beispiel, dass ein Drehbuch eine Geschichte niemals so runtererzählt wie ein Schulaufsatz; sondern Dialoge, Szenen, Einstellungen - Puzzleteil für Puzzleteil - zu einem Ganzen montiert.

"Wer zum ersten Mal mitmacht, will häufig zu viel erzählen", sagt Johannes Maas. Wie jemand zunächst in der Schule schlechter wird, dann zu Hause Probleme kommt, sich dann immer mehr in den Rausch flüchtet und schließlich vor einem kompletten Scherbenhaufen steht - "das können wir nicht in nur einer Woche filmisch erzählen." Da ist dann die Aufgabe, sich auf das Wesentliche zu beschränken.

Die zweite Wochenhälfte vergeht dann wie im Flug damit, Drehorte zu finden, den Einsatz von Kameras, Mikrofonen, Rekordern und Licht zu koordinieren. Fertig geschnitten wird das Rohmaterial schließlich in den Wochen danach. Diese zeitraubende Arbeit erledigen Daniel Oberbanscheidt und Fabian Mönch zusammen mit den Filmteams. Im Mai des kommenden Jahres ist dann Zeit, den roten Teppich vor dem Kino auszurollen. Im Rahmen des Filmfestivals "Ratinale" prämiert eine Fachjury die fünf bis zwölf Minuten langen Filme mit den Ratinger Löwen.

Anschließend wird im Lux gefeiert - wie bei richtigen Filmfestspielen. Ratingen ist mittlerweile schon ein Geheimtipp als Festivalstadt für den Jugendfilm. An diesem Ruf soll weiter gearbeitet werden. Bild für Bild; Film für Film.

(RP)