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Märchenzoo Ratingen erwacht aus Corona-Schlaf

Wieder offen für Besucher : Märchenzoo erwacht aus Corona-Schlaf

Dank der vielen treuen Besucher wird das Betreiber-Ehepaar mit nur einem kleinen Minus aus der Krise kommen. Jetzt hofft das Ehepaar endlich auf Planungssicherheit für den Märchenzoo am Blauen See.

Ungewohnt sei es hier im Märchenzoo gewesen, in der Zeit als keine Besucher kommen durften. Niemand hat die Knöpfe für die Lautsprecher gedrückt, durch die sonst etliche Male am Tag Märchen erzählt werden. Dazu kaum dröhnende Flugzeuge über dem Kopf. Man habe statt Menschen die Tiere öfter gehört.

„Wir haben den Zoo noch einmal ganz anders kennengelernt, obwohl wir das Ganze hier schon seit 20 Jahren machen“, sagt Thomas Kohnen. Gemeinsam mit seiner Frau Heike Klimmeck-Kohnen betreibt er den Märchenzoo am Blauen See. Eine Ratinger Institution seit 1952. Kein auf Hochglanz getrimmtes Freizeit-Areal. Sondern verwunschen und mit Liebe zum Detail gestaltet – und damit auch mit Erinnerungen für viele Generationen verbunden. Eine Schließung, wie nun im Rahmen der Corona-Pandemie, habe es so noch nicht gegeben. „Ich habe in der Zeit ein bisschen Spielzeug für die Waschbären gebaut. Und konnte das Werkzeug einfach mal auf den Wegen liegen lassen“, sagt Thomas Kohnen, der aber auch feststellte: „Die Ziegen haben die Besucher vermisst.“ Ansonsten seien die etwa 45 Tiere entspannt gewesen, und auch für die Menschen kehrte in der Zeit der Schließung ein bisschen Ruhe ein. Die habe man – das will das Paar aber kaum zugeben – auch ein bisschen genossen.

„Die Arbeit ging natürlich weiter. Wir mussten zum Beispiel öfter füttern. Aber wir haben alles mal nach eigenem Zeitplan gemacht“, sagt Heike Klimmeck-Kohnen. Die Gartenstühle, die sie sich in der Zeit in den Eingangsbereich gestellt haben, sind nun nach der Öffnung einfach stehen geblieben. Seit Anfang Mai dürfen nun, nach jeweiliger Desinfektion, Besucher drauf sitzen. „Dass wir wieder öffnen dürfen, haben wir zwei Tage vorher erfahren. Und das Gefühl war wirklich komisch“, sagt ihr Mann. Um Kontakte unter den Besuchern zu vermeiden, entschied man sich zum Beispiel für eine Einbahnregelung durch das 3,3 Hektar große Parkgelände. „Wir waren schon unsicher, ob wir das alles auch richtig umsetzen. Aber vom Ordnungsamt gab‘s Lob.“

Die maximale Besucherzahl von gleichzeitig 20 Familien wurde bisher auch nur einmal, am Muttertag, überschritten. Generell würden die Vorgaben von den Besuchern, wie auch der Abstand von 1,50 Metern, klaglos eingehalten. Und dabei kommt Klimmeck-Kohnen fast ins Schwärmen: „Wir haben eben einfach tolle Besucher.“ Denn die Anhänger des Märchenzoos haben den Park auch während der Schließung nicht vergessen. „Die Hilfsbereitschaft war wieder einmal großartig.“ Kinder wollten mit ihrem Taschengeld helfen, Menschen kauften Jahreskarten ohne zu wissen, wann der Zoo wieder öffnet. Auch Futterspenden wurden abgegeben. „Wir sind sehr dankbar für die jahrelange Treue und Unterstützung. Ich kann das gar nicht in Worte fassen“, sagt die Betreiberin.

Unterstützung, die nach der wohl schwersten Zäsur, dem Sturmtief „Ela“ im Jahr 2014 besonders deutlich wurde. Das hatte auf dem Areal ordentlich gewütet, aber gut 100 helfende Hände packten mit an und halfen beim Aufräumen. „Die Sturmbedingten Schäden sind nun aber weitestgehend behoben. Ela ist für uns abgehakt“, sagt Thomas Kohnen.

Zu tun gibt’s hier aber immer genug. Wirtschaftlich schauen die Betreiber optimistisch in die Zukunft. Sie rechnen, trotz Schließung, nur mit „einem leichten Minus“. Und was wünscht sich das Paar für die Zukunft? „Weiter so nette Besucher. Und vielleicht noch ein bisschen Platz für Rapunzel oder den Traum von Alpakas. Vor allem aber Planungssicherheit für die Zukunft.“ Denn die Vertragsverlängerung liegt Jahr für Jahr erst unter dem Weihnachtsbaum. „Wenn wir vor 20 Jahren gewusst hätten, wie es sich entwickelt, dann hätten wir uns von Anfang an mehr getraut.“ Es  lohnt sich, mit offenen Augen durch den Zoo zu schlendern, denn es gibt eine ganze Menge zu entdecken.