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Geschichte: Männer schweigen, um an NS-Verbrechen zu erinnern

Geschichte : Männer schweigen, um an NS-Verbrechen zu erinnern

(db) Am Samstag vor dem Passionssonntag, 28. März, findet wieder der Buß- und Schweigegang der Männer statt.  Ab 18 Uhr sind alle Männer des Dekanates Ratingen eingeladen, ab der St. Josefskirche am Bußgang teilzunehmen.

Die Abschlussmesse ist um 20 Uhr in der Pfarrkirche „Peter und Paul“ geplant, heißt es von Organisator Heinz Poerschke.

Der Bußgang hat seinen Ursprung 1931 in Köln. In der Zeitenwende zum Nationalsozialismus und während der Nazi-Zeit bekannten sich 1000 katholische Männer in Köln zu ihrem Glauben. Sie zogen schweigend und still betend aus allen Stadtteilen zur Gnadenkapelle nach Köln-Kalk. Nur ein schlichtes Holzkreuz wurde vorangetragen. „Es war ein Protest gegen die gesellschaftlichen Veränderungen. Während der Nazi-Zeit breitete sich diese Art des   Glaubensbekenntnisses im ganzen Erzbistum und darüber hinaus aus. Besonders nach dem Krieg fand der Bußgang neue Bedeutung“, heißt es von Poerschke. Seit dieser Zeit findet er auch im Dekanat Ratingen statt. „Scheinbar scheinen wir auch wieder an einer Zeitenwende in Kirche, Politik und Gesellschaft zu stehen. In einer Welt, die aus den Fugen gerät, wollen wir uns besinnen. Wir wollen aus unserem Glauben heraus Stellung beziehen und Farbe bekennen. Wir wollen dieses Jahr aus gegebenem Anlass, an den Stolpersteinen in der Innenstadt Station machen, um an die Verbrechen der Vergangenheit zu erinnern und unsere Stimme gegen die heutigen Hetzer mahnend zu erheben“, heißt es weiter.

Poerschke und seine Mitstreiter wollen an den Stolpersteinen Lichter aufstellen, damit „niemand mehr achtlos über sie hinweggeht“. Wenn 75 Jahre nach Kriegsende die NS-Verbrechen in der Öffentlichkeit als „Fliegenschiss der Geschichte“ bezeichnet werden, müssten Christen eindeutig dagegen Stellung beziehen, erklärt Poerschke.