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Litauischer Autodieb auf Bewährung verurteilt

Heiligenhaus : Litauischer Autodieb auf Bewährung verurteilt

Die Bande stahl die Fahrzeuge auf Bestellung auch in Ratingen und Heiligenhaus.

Ein Jahr und acht Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung: So lautete das Urteil des Düsseldorfer Landgerichts gegen einen 21-Jährigen, der sich dort wegen bandenmäßigen Diebstahls zu verantworten hatte. „Er war eher eine Randfigur“, war vom Vorsitzenden Richter zum milden Urteil zu hören. Der Bruder des Litauers, wegen der gleichen Sache in einem anderen Verfahren angeklagt und zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt, sitzt bereits in Haft. Er soll der Drahtzieher gewesen sein bei den Autodiebstählen, zu deren Opfern auch Golf Plus-Besitzer in Ratingen und Heiligenhaus gehört hatten.

Die Diebstähle sollen straff organisiert gewesen sein. Die Zentrale operierte von der kleinen litauischen Stadt Taraugé aus, nicht weit entfernt von der Kurischen Nehrung. Dort liefen bei dem Angeklagten die Anfragen und Aufträge ein. Und von dort wurden sie weitergegeben an professionelle Trupps von mindestens drei Landsleuten, die in Deutschland die gewünschten Fahrzeuge ausspähten. Auch die spezialisierten Werkzeuge für die eigentlich niedrigpreisigen, aber unauffälligen VW-Modelle wie Golf Plus, Touran oder Caddy stellte die Zentrale zur Verfügung.

Nach Rücksprache brachen die Trupps dann arbeitsteilig die Autos auf und tauschten die Tür- und Zündschlösser. Die erforderlichen Ersatzteile wurden ebenfalls von der Zentrale ausgegeben. Per Laptop wurden dann die Wegfahrsperren außer Kraft gesetzt – alles geräuschlos und unauffällig. Dann wurden die gestohlenen Fahrzeuge – abgeschirmt von einem schnellen Audi – an vorgegebenen Treffpunkten abgestellt.

Für die Diebstähle in Ratingen, Heiligenhaus und Kamp-Lintfort war das ein abgelegener Parkplatz an der B230 nahe Korschenbroich. Dort wurden für den Transport per Trailer nach Litauen die Identitäten verschleiert – die Fahrgestellnummern wurden gefälscht. Mit gestohlenen Kennzeichen und Papieren sah das auf den ersten Blick aus wie ein regulärer Gebrauchtwagen-Export. Aber nur drei Fahrzeuge kamen wirklich in Litauen an. Die anderen wurden schon vorher von der Polizei sichergestellt, – so wie der Touran, dessen fehlende Kennzeichen auf einem Feldweg aufgefallen waren.

Danach trennte sich der Angeklagte, bereits im Visier der Ermittler, von der Schieberbande. Es folgte der gemeinsame Wechsel mit dem Bruder in Richtung Magdeburg und Königslutter, wo weitere neun Diebstähle mit ähnlich durchwachsenem Ergebnis auf das Konto der Diebe gingen. In Vilnius, der Hauptstadt Litauens, wurden die beiden schließlich verhaftet und ausgeliefert.