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Lieferengpässe kommen in Ratingen an

Ratingen : Regale bleiben leer

Coronabedingte Drosselung der Produktion, Rohstoffmangel und eine Energiekrise in China wirken sich auch in Ratingen aus. Die Keramikscheune schließt daher vorübergehend ihre Pforten.

Wenn es um Dekorationsartikel und Haushaltswaren geht, ist die Keramikscheune für viele Ratinger erste Anlaufstelle. Gerade vor saisonalen Festen sind die Verkaufsräume stets gut besucht, bieten sie doch allerhand Anregungen, die eigenen vier Wände zu schmücken. In diesem Jahr ist jedoch alles anders.

Bereits im August zeichnete sich der Lieferengpass für Betreiber Rudolf Hans Kaupenjohann ab. Normalerweise bereiten sich die Teams seiner Filialen in Rees und Ratingen zu dieser Zeit schon auf das Weihnachtsgeschäft vor. Doch die Keramikscheune musste ihre Kunden vertrösten. Der Verkauf der Weihnachtsartikel verschob sich.

Verbessert hat sich die Lage aller Hoffnungen zum Trotz kaum: „Wir beziehen einen Großteil unserer Ware aus China“, so Kaupenjohann. Gleich mehrere große Probleme machen ihm zu schaffen: „Aufgrund eines eklatanten Energiemangels kommt es bei den Herstellern zu Engpässen in der Produktion“, berichtet er. Viele Fabriken könnten nur noch an drei Tagen in der Woche wie gewohnt produzieren. An den übrigen Tagen ruht die Arbeit.

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Ein zweites großes Hindernis ist ein weltweiter Rohstoffmangel, der sich auf zahlreiche Wirtschaftszweige auswirkt. Vorprodukte wie Holz, Stahl oder Glas, aber auch Kunststoff, sind nur schwer und zu deutlich höheren Preisen als noch vor einem Jahr verfügbar. Auch das resultiert vielfach aus der Corona-Pandemie. Über Wochen standen in vielen Ländern die Betriebe still. Jetzt sind die Auftragsbücher voll, die Nachfrage nach Rohstoffen steigt und damit auch der Preis.

Zusätzlich ist die Lage auf dem Logistikmarkt derzeit prekär. Bedingt durch eine Havarie im Panama-Kanal, die dafür sorgte, dass Schiffe deutlich länger unterwegs waren, und eine weltweit gestiegene Nachfrage nach den Lockdowns im vergangenen Winter, sind derzeit die Frachtcontainer knapp. Das System ist eng getaktet. Die Behälter sind permanent im Umlauf, eine Reserve gibt es nicht. Sind mehrere Hundert Container blockiert, stockt es in allen Häfen der Welt. „Es gibt derzeit deutlich zu wenig Container“, so Kaupenjohann. „Die Logistik kommt erst langsam wieder in Fahrt.“

Die Folge: Bereits vor Monaten bestellte Ware kommt in Ratingen einfach nicht an. „Die Weihnachtsartikel erreichten uns mit deutlicher Verzögerung. Zum Teil kommen die Güter erst jetzt an“, so der Unternehmer. Für das aktuelle Weihnachtsgeschäft viel zu spät. Den Weg in den Verkauf finden zahlreiche Dekorationsartikel in diesem Jahr nicht mehr. Sie wandern ins Lager und werden erst 2022 den Kunden angeboten.

Doch auch das ist eine Herausforderung. Verursacht durch die coronabedingten Geschäftsschließungen von Januar bis Mai dieses Jahres schlummern in den Regalen noch die Frühjahrsartikel, die eigentlich die Ostertische 2021 hätten verschönern sollen. Das wiederum erweist sich möglicherweise als Glück im Unglück. „Normalerweise erwarten wir spätestens im Dezember Frühjahrs- und Osterartikel“, sagt Kaupenjohann. „Die Lieferung wird sich diesmal voraussichtlich bis Februar verzögern.“

Das komplette System ist also ins Stocken geraten. Kaupenjohann hat sich deshalb entschieden, eine Zwangspause einzulegen. „Zwischen Weihnachten und Neujahr schließen wir regulär, um die Inventur durchzuführen“, so der Unternehmer. In diesem Jahr schließen sich die Türen seiner Geschäfte deutlich früher. Ursprünglich war eine Auszeit vom 13. Dezember bis 2. Januar geplant. Jetzt kündigt Kaupenjohann die Schließung schon ab 8. Dezember an. In den nächsten Tagen sollen die Kunden angerufen werden, die bereits Ware bestellt haben. Diese kann bis zum 10. Dezember abgeholt werden. Dann ist erst einmal Schluss.

Kaupenjohann hofft auf ein deutlich besseres Jahr 2022. „Dieses Jahr war extrem schwierig“, gibt der Unternehmer zu. „Wir haben massive Umsatzeinbußen zu verdauen.“ Ein Lob hat Kaupenjohann für seine Kunden: „Die meisten Kunden haben Verständnis für die vorübergehende Schließung.“