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Ratingen: Licht und Luft für Kunst

Ratingen : Licht und Luft für Kunst

Zur Halbzeit der Umbauarbeiten im Museum der Stadt an der Grabenstraße gibt es mindestens eine gute Nachricht: Alle Fenster und die Oberlichter der ersten Etage wurden freigeräumt – und öffnen das Haus künftig zur Stadt hin.

Zur Halbzeit der Umbauarbeiten im Museum der Stadt an der Grabenstraße gibt es mindestens eine gute Nachricht: Alle Fenster und die Oberlichter der ersten Etage wurden freigeräumt — und öffnen das Haus künftig zur Stadt hin.

Der Teppich ist weg, die Wände sind blank, die Trennwände sind verschwunden, die Decken offen, und überall baumeln Kabel im freien Raum — willkommen im Stadtmuseum, das für rund 730 000 Euro umgebaut und umfassend renoviert, mit neuer Sicherheitstechnik und Beleuchtung versehen wird. Baubesprechungen sind derzeit das Kerngeschäft von Leiterin Alexandra König. Dass die Kunsthistorikerin auch Architektur studiert hat, erweist sich nun als nicht unwesentliche Zusatzqualifikation. Sie ist mit den Werkstoffen und ihren Einsatzmöglichkeiten vertraut, lobt außerdem ausdrücklich die reibungslose Zusammenarbeit mit dem Bauamt. "Das wird eine richtig schöne Sache", stellt König für die Wiedereröffnung im Juni in Aussicht.

Neues Konzept

Apropos Aussicht: Sicher ist, dass die Fenster des Hauses künftig nicht mehr verdeckt oder mit Vitrinen zugestellt werden. Was bis dato ängstlich vermieden wurde — Beleuchtung mit Tageslicht — gehört zum neuen Konzept, das eine luftige Raumgestaltung mit pointierter, gestraffter Präsentation vorsieht, um vor allem die kleinteilige stadtgeschichtliche Schau besucherfreundlich aufzulockern. Aus konservatorischer Sicht müssten nur Seide und Papier vor Tageslicht geschützt werden, sagt König. Dies werde bei der Einrichtung der Ausstellung natürlich beachtet.

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Beeindruckend sind die neuen, alten Durchblicke vor allem im Obergeschoss. Die vielen Fenster geben den Blick auf Ratingen West und in Richtung Flughafen frei, außerdem auf den Trinsenturm und das Rathaus, auf St. Peter und Paul und auf das denkmalgeschützte, klassizistische Weidle-Haus, in dem die Museumsverwaltung sitzt und in dessen Innenhof künftig Kaffee getrunken werden kann. "Das Museum steht mit den vielen Blickachsen seiner Fenster genau am richtigen Platz", fasst König zusammen. Sie leitet daraus auch einen inhaltlichen Auftrag ab: Im Stadtmuseum sollen die Besucher etwas sehen, was sie anschließend in der Stadt erfahren können.

Neben den Fenstern sorgen vor allem die Oberlichter für deutlich mehr Helligkeit im Raum: Nordlicht fällt durch das bislang abgedeckte, so genannte Sheddach ins Haus — ein satteldachartiger, gewölbter Dachaufbau, der an grauen Tagen indirekt beleuchtet wird. Solche Aufbauten waren in den 80er Jahren, aus denen auch dieser Teil des Stadtmuseums stammt, bei Fabrikhallen üblich, weil sie eine Ausleuchtung durch den natürlichen Lichteinfall aus Norden ermöglichen — blendfrei und ohne Schlagschatten. Wie optimal diese Form des Lichteinfalls auch für Ausstellungen ist, beweist das Mitte der 80er Jahre gebaute, sheddachgedeckte Museum Ludwig in Köln.

Wo und wie im Obergeschoss künftig welche stadtgeschichtlichen Exponate, die Melchior-Sammlung und die Kunstsammlung gezeigt werden, darüber hüllt sich Alexandra König noch in Schweigen, verweist lediglich auf "Planspiele, die derzeit laufen". Im Untergeschoss bleibt der Raum für Sonderausstellungen reserviert. Verwandeln wird sich das Foyer: mit einem Empfangstresen direkt gegenüber vom Haupteingang und Bistrotischen zum Verweilen und Kaffeetrinken in der Nische vor dem sommers geöffneten Weidle-Innenhof. Aus der ehemaligen Cafeteria wird ein Pädagogikraum mit angeschlossenem Werkraum, vormals Besuchertoilette.

An der Grabenstraße wird sich also bis zum Sommer allerhand ändern. Die stadtgeschichtliche Abteilung ist dann allerdings noch nicht fix und fertig: Es wird noch Geld gebraucht für die zeitgemäße Inszenierung der ständigen Sammlung mit Einbauten, Vitrinen und Wandverkleidungen.

(RP)