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Hösel: Landesmuseum widmet sich der Heimat

Hösel : Landesmuseum widmet sich der Heimat

Um Wanderung, Niederlassung, Heimischwerden und natürlich um Vertreibung geht es ab Sonntag in Hösel.

Heimat und ihr Verlust sind seit jeher die Kernthemen des Oberschlesischen Landesmuseums in Hösel. Als das vom Land NRW geförderte Haus 1983 eröffnet wurde, sollte es ganz explizit ein Heimatmuseum zur Sammlung, Bewahrung und Präsentation von Oberschlesiens kulturellem Erbe sein. Keine seiner Sonderausstellungen kommt daher ohne diesen Bezug aus, sei es mittelbar oder ganz unmittelbar, wie es jetzt wieder bei der Ausstellung "HeimatWeh - Zuhause in Europa" der Fall ist, die am Sonntag eröffnet wird.

Eine große, den Leser im Museumsbesucher fordernde Tafelausstellung, die sich drei Themenkreisen widmet: Warum es Menschen aus dem Westen Europas seit dem Mittelalter in osteuropäische Regionen zog, was sie dort hielt und wie es den Vertriebenen nach Ende des Zweiten Weltkriegs erging. Genauer gesagt: Den Heimatvertrieben aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, nicht den ersten Vertriebenen aus Deutschland, den Schriftstellern, Musikern, Malern, Architekten, Ärzten, Juristen und Politikern, die von den Nationalsozialisten aus dem Deutschen Reich vertrieben wurden.

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Verglichen mit den zuletzt sehr um Anschaulichkeit und Exponatvielfalt bemühten Höseler Ausstellungen, kommt die neue "etwas sperrig" daher, wie Museumsleiter Stephan Kaiser einräumt. Aber es gehe nunmal um historisch-politische Bildung, um die Erinnerung an die Grundlage dessen, was uns heute in Deutschland umgebe. Hösel hat auch nicht selbst kuratiert, sondern die vom Bund der Vertriebenen getragene Schau als Wanderausstellung übernommen. Hauskuratorin Melanie Mehring und ihre Kollegen arbeiten derzeit noch daran, den historischen Rundgang mit bäuerlichen Trachten und Schaustücken zur Eisenbahngeschichte aufzulockern. Auch ein präpariertes Schaf aus dem Museumsfundus wurde herbeigeschafft - um die Landwirtschaft im Schwarzmeerbogen etwas plastischer werden zu lassen. Denn darum, wie ländliches und städtisches Leben von den frühen deutschen Auswanderern - meist von Herrschern und lokalen Grundherren angeworbene Bauern, Kaufleute und Handwerker - profitierten, geht es im ersten Teil der Schau ("Die Gerufenen"). Der zweite Ausstellungsteil behandelt "Erzwungene Wege" mit Beispielen von Flucht und Vertreibung in Deutschland und im übrigen Europa des 20. Jahrhunderts - vom Völkermord an den Armeniern während des Ersten Weltkriegs über den Holocaust bis hin zu Krieg und Vertreibung im ehemaligen Jugoslawien (1990er Jahre). Im dritten Teil, "Angekommen", geht es um die Integration von zwölf bis 15 Millionen Flüchtlingen und Vertriebenen nach 1945, ihr Leid und die Spannungen zwischen Alteingesessenen und Neuankömmlingen. Wie alles dies in die heutige, freiheitlich-demokratische Gesellschaft hineinwirkt, will Museumsleiter Kaiser am 9. November in einem Vortrag erläutern.

(RP)