Ratingen: Kunstwerkstätten werden zu Tatorten

Ratingen: Kunstwerkstätten werden zu Tatorten

Am Wochenende öffnen Maler, Grafiker und andere ihre Ateliers. 26 Künstler aus Ratingen und Heiligenhaus beteiligen sich an der Aktion. Andrea Weyergraf-Hahn ist wieder dabei.

Andrea Weyergraf-Hahn wohnt mit ihrer Familie in Homberg. Im Keller des Einfamilienhauses befindet sich das Atelier der Künstlerin: ein heller, lichter Raum voller Bilder, Collagen und Assemblagen. Weyergraf-Hahns Arme sind verkürzt, die Hände deformiert. Sie gehört zu den rund 2500 Contergan-Opfern, die heute noch in Deutschland leben. Trotzdem kann sie beim Händedruck mit zwei Fingern kräftig zugreifen und offensichtlich auch ihre Werke gestalten. Die Frau strahlt Energie aus und erzählt locker über ihre künstlerischen Anfänge, ihre aktuellen Werke und natürlich über das bevorstehende Tatort-Wochenende.

Zwei ganz unterschiedliche Stilrichtungen sieht man im Atelier der Künstlerin: einerseits gegenständliche Blumen und Stillleben, gemalt mit Pastellkreiden und: fast abstrakte Engel, drei Könige, Schmetterlinge, ein geschnitzter Fisch. Ihnen allen gemein sind die Erdtöne. "Mit Pflanzen und Natur bin ich aufgewachsen", sagt die Ratinger Bauerntochter. Auf Wunsch ihrer Eltern lernte sie zunächst etwas Handfestes und arbeitete beim Wohnungsamt der Stadt Ratingen. Nach der Kinderphase widmete sie sich dann ganz ihrer Kunst. Leben könne sie davon nicht, sie sei "Künstlerin aus Leidenschaft".

Ihre Stilrichtung hat sie erst nach und nach entwickelt. Einer ihrer früheren Lehrer habe ihr zu Pastell geraten, "aber diese Bilder haben mich irgendwann gelangweilt". Sie griff zu anderen Materialien, experimentierte mit unterschiedlichen Werkstoffen und entwickelte schließlich einen ganz eigenen Malstil: Farbpigmente werden auf den Farbgrund aufgetragen, eingerieben, verwischt, fixiert und immer wieder neu übereinander gearbeitet und mit unterschiedlichen Materialien (Papier, Sand, Textilien) zu Collagen verarbeitet. Die christlichen Motive entspringen ihrer Religiosität. Die zahlreichen Engel seien "ganz handfeste Engel, die nichts mit den esoterischen zu tun haben", stellt sie klar.

Am Wochenende wird Weyergraf-Hahn den Besuchern ihre Kunst im Garten präsentieren. "Ich genieße es, wenn die Leute zu mir kommen, sich meine Werke anschauen und Fragen stellen."

  • Nettetal : Im Atelier des Künstler-Ehepaars

Bis zu 100 Leute würden an den Tatorte-Wochenenden bei ihr in Homberg vorbeischauen, sagt die Künstlerin, die bereits zum sechsten Mal dabei ist.

Barbara Busskamp, beim Kreis unter anderem zuständig für die Neanderland-Tatorte, kennt "Besucher, die machen eine Radtour und verbinden diese mit einem oder mehreren Atelierbesuchen. Ich selbst nehme mir immer mehr vor, als ich dann schaffe. Irgendwo bleibt man immer hängen".

Vielleicht beim Programm im Weyergrafschen Garten: Dieses Jahr ist dort eine Gastkünstlerin dabei. "Conny Slaghuis aus Ratingen-Homberg zeigt ihre gegenständlichen Werke. Sie bevorzugt nordische Motive, Schären, Birkenstämme...", erzählt Andrea Weyergraf-Hahn. Die beiden kennen sich schon aus der Schule. Auch das Musikertrio "holz.in.ton.a(k)tion", das für die musikalische Untermalung sorgt, gehört zur Kategorie 'alte Bekannte'.

Ein weiterer Programmpunkt ist am Sonntag, 22. April, um 15 Uhr die Lesung mit Christel Lueb-Pietron. "Sie wird Texte vorlesen, die etwas mit meinen Bildern zu tun haben." Viele Werke sind nämlich von Gedichten oder Zitaten inspiriert. Von welchen, das wird hier nicht verraten.

(ilpl)
Mehr von RP ONLINE