Heiligenhaus: "Kunstquadrat" hinterlässt gern Spuren

Heiligenhaus : "Kunstquadrat" hinterlässt gern Spuren

Kreative Köpfe halten - ganz legal - das alte Pastorat besetzt. Ihre Spezialität bisher waren eher Aktionen im Freien.

Sie wollen anecken. Deswegen sind sie kein Kunstkreis, sondern ein Kunstquadrat. Die Gruppe aus vornehmlich Heiligenhauser Künstlern und Gästen will eine buntere Stadt. Und dafür legen sie selbst Hand an.

Das haben sie nicht nur mit zahlreichen Aktionen auf dem ganzen Stadtgebiet schon gezeigt, sondern auch mit ihren Ausstellungen im alten Pastorat. Den letzten Rest vom Haus der Kirche halten sie seit den Neanderland-Tatorten am 10. und 11. Mai besetzt - ganz legal, denn die Besetzung ist von oben abgesegnet: "Der Bürgermeister war schon mehrmals da und sichtlich angetan", freute sich Armin Schmidt. Ursprünglich war das alte Pastorat nur einmalig für die Neanderland-Tatorte als Kunsthaus gedacht. Doch die Türen standen dann auch bei den Festen auf der Hauptstraße offen. Teil des Kunstquadrates ist auch Fotografin, Malerin und Taucherin Sonja Brockers, die alle drei Hobbys in ihrer Kunst vereint.

Vor einigen Jahren zog sie aus Düsseldorf her und stieß eher zufällig auf die Gleichgesinnten des Kunstquadrates. Das alte Pastorat, sagt sie, hat ein eigenes Flair. In mehr als zwei Dutzend Räumen stellten die Heiligenhauser Künstler und ihre Gäste aus und überbrachten ihre Botschaft: "Wir wünschen uns einen zentralen Ort, an dem wir arbeiten, aber auch ausstellen können", erklärte Schmidt. Eine Eingabe an den Rat war bisher wenig erfolgreich.

Hohe Mieten machen es den Künstlern nicht leicht einen gemeinsamen, festen Raum zu finden. In dem alten Gebäude, angefüllt mit Heiligenhauser Historie, fühlt sich die Künstlertruppe dabei in all ihren unterschiedlichen künstlerischen Herangehensweisen vielleicht besonders wohl. Auch wenn es nur ein temporäres Domizil für die Kunst ist.

Denn das Grundstück auf dem das Gebäude steht, ist an den Investor des Einkaufszentrums verkauft. Somit muss auch die Künstlergruppe ihre zentrale Ausstellungsmöglichkeit irgendwann wieder verlassen. Schmidt, Künstlername: ming, hofft dabei, dass zumindest die Fassade erhalten bleibt, wie der Rat das bei der Vergabe gewünscht hat. Die Gegebenheiten des alten Gemäuers haben die Kunstschaffenden dabei zum Teil auch inspiriert. Abblätternder Wandputz hat dabei zum Beispiel im zweiten Stock ein Werk von Schmidt verändert. Eine seiner Holzinstallation sollte nicht nur die bauliche Substanz des Hauses aufgreifen, das nach sieben Jahren Leerstand zunehmend verfällt, sondern auch eine Verbindung zur christlichen Tradition des Hauses ziehen. Auch eine Reminiszenz an Hageböllings "Eckstück", das in den 90ern im Rathaus den letzten großen Kulturkampf verursacht hatte, war hier versteckt. Die Kunstquadranten spielen mit Formen, Farben und Bedeutungen und wollen entdeckt werden. Und das nicht nur in ihrer Ausstellung. Beliebtes "Ziel" der Kunst-Guerilla ist zum Beispiel die Gambionenwand an der Westfalenstraße.

Der haben sie unter anderem schon Flügel verliehen, oder auch "hängende Gärten". Auch auf dem Basildon- oder dem frisch-benannten Mansfield-Platz, einst Sparkassenvorplatz, haben sich die Künstler schon gezeigt. Mit dem Projekt "Zweistromland - Kulturmetropole zwischen Vogelsang- und Angerbach" machten sie schon während "Ruhr2010" auf sich aufmerksam.

(sade)
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