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Kultur: Dankbare Veranstaltungen in Corona-Zeiten.

Treffpunkt Heiligenhaus : Wendehammerkonzerte sind ein Lichtblick

Zwei Auftritte von Claymore unter freiem Himmel kamen sehr gut an – dies auch, weil die Kultur in weiten Teilen zum Stillstand gekommen ist. „Alle Zuschauer haben sich gut verteilt und Abstand gehalten“, lobte die Chefin des Kulturbüros, Almuth Schildmann-Brack.

Wer die Konzerte von Claymore in der Aula kennt, der weiß: Die Musiker stehen gerne vor einem passenden Bühnenbild. Auch am Samstag traten sie, wenn auch nicht in der Aula, aber wieder vor einer Kulisse auf, die den richtigen Rahmen für gleich zwei besondere Konzerte bot: Unter freiem Himmel und jeweils vor herbstbunten Laubbäumen spielte Claymore in reduzierter Form als Trio mit Volker Sauer, Andy Ironhead und Fabian Selt ein Programm, mit dem sie nach ihrem eher rockigen Comeback zu den ruhigeren Tönen fanden. Vor etwa 100 Zuschauern auf dem Kirchplatz und gut 70 Zuschauern auf der Sauerbruchstraße kam das Doppel-Konzert auch bei typischen Herbstwetter und zwischen kleinen Regenschauern blendend an. „Alle Zuschauer haben sich gut verteilt und Abstand gehalten“, lobte die Chefin des Kulturbüros, Almuth Schildmann-Brack.

Die Idee, eine spannende musikalische Mischung aus Nachwuchs-Künstlern und alten Hasen auf einer Lkw-Ladefläche an Straßenecken mit Platz und direkt in den von Corona-geprägten Alltag zu bringen, hat schnell Fans gefunden.

„Man merkt, die Menschen vermissen etwas“, sagt die Kulturchefin. Zu vermissen gibt es dabei in diesem Jahr so einiges. Seit März finden beinahe keine Veranstaltungen mehr statt. Kaum Konzerte, keine Feste, auch der Karneval ist abgesagt, und jüngst wurde auch offiziell, dass der Martinsmarkt mitsamt dem Laternenzug der Kita-Kinder nicht stattfinden wird. Die Kultur liegt brach.

Und mit jedem Auftritt der Wendehammerkonzerte, die eigentlich nur selten an echten Wendehammern stattfinden, sondern an öffentlichen Orten mit genug Raum für den Abstand zueinander, kamen mehr Menschen, um Live-Musik eben doch gemeinsam zu erleben – sonst eine Seltenheit in diesem Jahr. Den Auftakt machte im Juni das Straßentheater von „Drama Hilinci“, es folgten Wendehammerkonzerte, die, verteilt über das Stadtgebiet, anlässlich des „Kleinen Kultursommers“ Trostpflaster sein sollten für die abgesagten Veranstaltungen und das Stadtfest. Und die doch mehr geworden sind als das. Denn die nun insgesamt acht Konzerte – ob an Wendehammern oder eben nicht   wurden zum Treffpunkt in einer Zeit, in der Treffen schwierig sind.

Sie zeigten aber auch, dass die Kultur einen Platz im Alltag finden und die Bürger an der Haustür abholen kann – mit Kindern, die neben der Lkw-Bühne spielen oder Nachbarn, die sich tanzend zuprosteten. Und so ganz nebenbei entdeckt man dabei vielleicht die Kunst von Menschen, die man vorher gar nicht auf dem Schirm hatte.

Die Wendehammerkonzerte, die nach Meinung von Schildmann-Brack, nach einer Fortsetzung schreien, sorgten auch bei den Kulturplanern aus dem Rathaus immer wieder für gute Momente. Deren Alltag besteht derzeit ansonsten eher aus Veranstaltungsrochaden mit unbekanntem Ziel.

Mit Wehmut schaute allerdings die Kulturchefin Almuth Schildmann-Brack auf das Wendehammerkonzert am Samstag, es war ihr letztes in verantwortlicher Position. Sie wird das Kulturbüro und das Heiligenhauser Rathaus verlassen und sich neuen Aufgaben widmen. Sie findet: „Kultur ist ein schweres Geschäft.“ Und das auch schon ohne Corona.