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Heiligenhaus: Künstler packen ein und ziehen um

Heiligenhaus : Künstler packen ein und ziehen um

Mit dem Umbaustart im Rathaus-Center endet die Zeit des "Art House" als Galerie. Eine Alternative ist in Sicht.

"Alles bewegt sich" — das war der beziehungsreiche Titel der letzten Ausstellung im Art House. Jetzt lehnt das Schild zur Vernissage am Boden, interessierte Besucher erfahren nur kurz: "Wir haben geschlossen." Nach gut fünf Jahren wurde bereits im Herbst vergangenen Jahres klar: Die Zeit der Galerie, in der Heiligenhauser Künstler ihre Werke ausstellen konnten, neigte sich dem Ende zu. Inzwischen heißt es für die Kunstschaffenden: Einpacken und umziehen. Bis Ende nächster Woche muss die Ausstellungsfläche leer sein, der Umbau des Rathaus-Centers wird kurz darauf beginnen.

Die Gründe hierfür haben nichts mit der Galerie selbst zu tun. Seit dem vergangenen Jahr steht das Rathaus-Center unter Zwangsverwaltung. Eine tragende Idee für die Zukunft ist der komplette Umbau des Erdgeschosses (RP berichtete). Damit will man auf den Dauerleerstand der vielen kleinen Geschäfte in der Passage reagieren. Seit langem herrscht gähnende Leere hinter gläsernen Geschäftseingängen, von denen manche mit Kettenschlössern gesichert sind. Ein Anblick, der vielen Passanten überhaupt nicht gefällt.

Zumal Einzelhandelssprecherin Annelie Heinisch sicher ist: "Die Heiligenhauser wollen ihr Rathaus-Center." Jetzt soll es mit gefragtem Angebot gefüllt werden. Dazu sollen mehrere der kleinen Geschäftslokale und eben das Art House zu einer großen Verkaufsfläche verschmelzen. Den künftigen Ankermieter will die Center-Verwaltung erst nennen, wenn alle Verträge unterschrieben sind.

Während die neuen Center-Pläne heranreiften, blieben die Erfinder des Art House nicht untätig. Vor sechs Jahren hatte der Arbeitskreis Kultur und Gesellschaft gern zugegriffen, als das Angebot auf den Tisch kam, im leeren Eckgeschäft des Rathaus-Centers — also in durchaus prominenter Lage — eine Ausstellungsfläche für Heiligenhauser Künstler zu schaffen. Denn es gab und gibt keine dauerhafte Alternative. Nur die Aussicht auf eine: In der Innenstadt könnte es bald eine neue Ausstellungsfläche geben. Ute Prochnow, bisher Ausstellerin im art House, wüsste auch schon, wie die möglichst aussehen sollte: "Ebenerdig gelegen und so, dass Leute von draußen schon reinschauen können." Für sie wie für ihre Mitstreiterin Doris Peters ist klar: "Hobbykünstler wollen ihre Sachen ja nicht nur in den eigenen Keller stellen." Das Art House-Konzept hat sich aus ihrer Sicht über Jahre bewährt: "Besonders zu den Ausstellungseröffnungen kamen immer viele Interessenten." Das Gleiche galt für die Sonderaktionen. So haben die Künstler auch Bilder zum Versteigern für gute Zwecke gestiftet.

Fotografie, Malerei, Keramik und Grafik sollen also auch künftig in der Stadt zu sehen sein. Und sollte die neue Ausstellungsfläche es hergeben, wären auch Exponate der etablierten Heiligenhauser Profikünstler nicht ungern gesehen. Yoshio Yoshida, Mathias Lanfer und Doris Halfmann gehören zu den festen Größen im Kunstbetrieb. Nur gibt es im öffentlichen Heiligenhauser Raum keinen dauerhaften Platz für ihre Werke — bisher.

(RP)