Heiligenhaus Künstler gründen ihren eigenen Club

Heiligenhaus · Im Atelier arbeiten die Maler allein – gemeinsam wollen sie über ihre Arbeit nachdenken und planen Ausstellungen.

 Brigitte Ruhl, Ursula Schwarze, Reiner Ruhl, Alfons Demand, Brigitte Dahmen und Birgitt Haak (von links) gründeten die erste Künstlergemeinschaft der Stadt.

Brigitte Ruhl, Ursula Schwarze, Reiner Ruhl, Alfons Demand, Brigitte Dahmen und Birgitt Haak (von links) gründeten die erste Künstlergemeinschaft der Stadt.

Foto: Achim Blazy

Im Atelier arbeiten die Maler allein — gemeinsam wollen sie über ihre Arbeit nachdenken und planen Ausstellungen.

Fragen an sich und ihrer Arbeit haben sie alle genug: "Was ist Kunst, was bedeutet sie mir innerhalb meiner kreativen Prozesse und welche Rolle spielt Kunst in der Gesellschaft?" Fragen, denen sechs Kunstschaffende der Heiligenhauser Szene seit Jahren nachgehen, erst alleine und nun ge-meinsam unter dem Namen "LiCoArt" (Light und Color).

Nach alten Vorbildern aus der Kunstgeschichte gründeten Pastor Alfons Demand, Brigitte Dahmen, Birgitt Haack, Brigitte Ruhl, Reiner Ruhl und Ursula Schwarze einen Künstlerclub. "Hier wollen wir unsere jahrelangen Erfahrungen in Sachen Kunst austauschen und über das Phänomen innerhalb der experimentellen modernen Strömungen diskutieren und philosophieren, neue Erkenntnisse sollen uns inspirieren", betont Fotograf Reiner Ruhl, Initiator des Clubs.

Das gemeinsame Ziel? Kreativität und Fantasie jedes Mitgliedes in seiner künstlerischen Individualität fördern. Die Ergebnisse sollen dann themenspezifisch in unterschiedlichen Galerien und Foren einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden. Dass die gegenseitige Befruchtung, auch durch konstruktive Kritik, nach wenigen Monaten bereits der Fall ist, bestätigten alle. "Diese Gemeinschaft beflügelt mich ungemein", sagt Birgitt Haack, die expe-rimentierfreudigste unter den sechs "Creativlingen" wie sie sich selbst nennen.

"Ich lernte durch Birgitt neue Techniken, wie das Marmorieren. Dabei wird Marmormehl unter die Farben gestreut und es entstehen Bilder mit etwas antiquiert wirkender Patina", erzählt der malende Pastor, der "diese Gemeinschaft nicht mehr missen" möchte.

Er liebt, wie Ursula Schwarze, den Rausch der Farben und das freiheitliche Gestalten in der abstrakten Malerei. In unterschiedlichen Bildern von beiden macht die gestaltende Kraft der Farben in einer magischen Faszination Atmosphäre sichtbar, weckt Assoziationen und gibt poetische Impulse. Und das in-nerhalb unendlicher Deutungsmöglichkeiten, gekonnt im Spiel mit der Skala der Farben. Alle sechs Künstler von LiCoArt identifizieren sich mit Aussagen von Wegbereitern der abstrakten Malerei wie Paul Klee und Wassilij Kandinsky — "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar" — und "Nicht die Formfrage ist das Wichtigste in der Kunst, sondern der Inhalt, Geist und innerer Klang".

"Ich bin eine Suchende, immer im Blick auf neue Techniken", sagt Birgitt Haack. Ihren Ölbildern folgte Acryltechnik, dann malen mit Bauschaum, der den Werken eine faszinierende Plastizität verleiht. Mit Entdeckung des Werkstoffs "Paverpol Textilversteifer" entstanden grazile Figuren voller Leichtigkeit und Anmut. Unendlich märchenhafte Geschichten erzählen Collagen von Brigitte Dahmen.

Mit Gespür für Formen und Farben setzt sie kleine Papierbilder zusammen, scannt sie in den Computer und druckt sie aus. Fotograf Reiner Ruhl gelingen unter Nutzung der digitalen Bildverarbeitung Kunstwerke von hohem Reiz. Seine Frau Brigitte lässt landschaftliche Impressionen mit dem Auge der digitalen Kamera zu märchenhaften Aussagen werden. Sechs Kunstschaffende nähern sich mit avantgardistischen Zügen im Künstlerclub LiCoArt der experimentellen modernen Kunst.

(RP)
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