Ratingen: Krawatten-Kunst bleibt länger im Park

Ratingen: Krawatten-Kunst bleibt länger im Park

Yildirim Denizlis Binder hängen noch bis zum Herbst im Blauglockenbaum. Die Natur ist nicht gefährdet, sagt die Stadt.

Die Ratinger lieben ihren Poensgenpark und melden jede außerplanmäßige Veränderung zuverlässig dem Grünflächenamt. Genauso kam es auch, als der in Ratingen lebende Maler und Bildhauer Yildirim Denizli im Februar dutzende Krawatten in einen der beiden kapitalen, damals noch kahlen Blauglockenbäume knüpfte – um vorzeitig Farbe in den Park zu bringen, die Menschen im Gewohnten aufmerken zu lassen und nachdenklich zu stimmen. Parkbesucher, die Zeugen dieser Aktion wurden, zeigten sich Denizli gegenüber amüsiert und rätselten über den Sinn. Darauf hatte der Künstler spekuliert, der spielerischen Umgang mit dem Alltäglichen pflegt und Kunst als Lebenshilfe definiert.

Weil niemand daran gedacht hatte, die von der Stadt genehmigte Kunst im Park mit einem Aushang kenntlich zu machen, gab es aber auch besorgte Nachfragen bei der Verwaltung – erst recht, als sich im Frühjahr zeigte, dass der schräg gegenüber stehende zweite Blauglockenbaum kränkelt und nicht mehr austreiben wird. Droht dem mit Krawatten behängten Exemplar womöglich ein ähnliches Schicksal, wenn die Binder wie vorgesehen noch bis Herbst, also eine Vegetationsperiode lang, an den Ästen flattern?

Davon könne keine Rede sein, beruhigt Manfred Fiene, Leiter der fürs Grüne in der Stadt zuständigen Kommunale Dienste, und Landschaftsgärtner Gregor Heils, der den Poensgenpark seit 30 Jahren in- und auswendig kennt, pflichtet ihm bei. Von den Krawatten gehe keine Gefahr für den Exoten aus China aus. Auch das im Nistkasten brütende Vogelpaar gehe völlig unbeeindruckt seinem Geschäft nach. Der kahl gebliebene zweite Baum habe niemals Krawatte getragen. Er sei, das käme in der Natur gelegentlich vor, von einem Pilz befallen und müsse daher vollständig samt umliegender Erde entfernt werden.

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Das Thema ist sensibel, denn bei einer denkmalgeschützten Anlage mit viel exotischem Grün – bis auf Australien sollen alle Kontinente botanisch im Poensgenpark vertreten sein – ist ein sterbender Baum ein herber Verlust. Gregor Heils erzählt von einer Färber-Eiche, die vor Jahren weichen musste und nicht mehr durch ihresgleichen ersetzt werden konnte. Ihr Verbreitungsgebiet ist das östliche Nordamerika. "Es war nichts zu machen, wir haben einfach keinen Baum dieser Art mehr bekommen", bedauert Heils. Für den Blauglockenbaum soll ein Trompetenbaum nachrücken.

80 Prozent des Parkbestands stammen noch aus dem Gründerjahr 1907, sagt Amtsleiter Fiene. Das Grüne aus vieler Herren Länder verdanke sich dem Ehrgeiz des Namensgebers und Gründers Carl Poensgen (1838 bis 1921), der seinerzeit die komplette Welt in den großen Garten holen wollte. Täglich habe sich der Düsseldorfer Industrielle und "Commerzienrat" mit der Kutsche nach Ratingen bringen lassen, um die Verwandlung des Wiesen- und Ackerlandes in einen Landschaftspark nach englischem Vorbild zu begleiten und die Fortschritte zu genießen. Dass der Park nach wechselvoller Geschichte in treusorgenden städtischen Gärtnerhänden und seit 2005 Teil der "Straße der Gartenkunst" ist, hätte ihm gewiss gefallen. Am 6. Juli gibt es dort übrigens Theaterkunst – im Rahmen der kreisweiten Neanderland-Biennale spielen polnische und deutsche Schauspieler.

(RP)
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