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Komfortables „Fußbett“ für die Bäume

Neues Konzept : Komfortables „Fußbett“ für die Bäume

Der Marktplatz wird für die neuen Linden vorbereitet. Die Wurzeln haben künftig deutlich mehr Platz. Dieses „Hamburger Modell“ soll das Überleben der Stadtbäume an diesem Standort sichern.

„Mein Freund der Baum ist tot. Er starb im frühen Morgenrot.“ So klagte die Sängerin Alexandra vor mehr als einem halben Jahrhundert. Sterbende Bäume werden auch heute noch betrauert. An einem wahrhaft markanten Fleck in der Innenstadt – rings um den Marktplatz – wird das allerdings demnächst nicht mehr geschehen. Die Linden, deren Leben nicht immer lang war, bekommen in absehbarer Zeit ausgesprochen gesunde Stehplätze.

An der Oberstraßen-Seite des Marktes ist die finanzielle Basis bereits abgesegnet und sind die Bäume schon gefällt – für die restlichen Linden sollte dem auch nichts mehr im Wege stehen. In den vergangenen Jahren sind immer wieder neue Linden nachgepflanzt worden, wenn wieder einmal ein Baum die Biege machte. Jetzt soll das nicht mehr geschehen können, jetzt lohnt sich auch die Anpflanzung größerer Exemplare. Denn jetzt wird es für jeden Baum ein „Fußbett“ bester Güte geben.

Michaela Maurer, seit dem vergangenen Herbst Leiterin des Amtes für Kommunale Dienste, hat ein interessantes Konzept mitgebracht: Es gibt mittlerweile Planungen zur Gestaltung von Pflanzgruben, die straßenbauliche als auch vegetationstechnische Anforderungen erfüllen. Als hervorragendes Beispiel sind hier das sogenannte „Stockholmer Modell“ und das darauf aufbauende „Hamburger Modell“ zu nennen.“

Diese Modelle sehen eine Erhöhung des Skelettanteils im Boden vor. Hierbei wird ein Stützgerüst aus grobem Gestein für den Lastabtrag errichtet und mit Baumsubstrat eingeschlämmt. Dadurch wird ein dauerhaft durchwurzelbares Bodenvolumen hergestellt, das beispielsweise auch für Parkplätze zum Teil überbaut werden kann. Diese Methode kann und sollte sich auf die gesamte Länge der Pflanzstreifen ausdehnen, um einen zusammenhängend tief durchwurzelbaren Raum zu schaffen.

Die Versuchsflächen in Stockholm zeigen durchgehend ein deutlich verbessertes Baumwachstum, vitale gesunde Bäume, deren Wurzeln nicht oberflächlich das Pflaster anheben, sondern tief verwurzelt sind und somit auch besser auf Klimaextreme wie etwa lange Trockenheit oder Sturmereignisse reagieren können.

Warum soll das nicht auch in Ratingen funktionieren? So werden Gruben mit nahezu quadratischen Bodenflächen (Kantenlänge 1,50 Meter) ausgehoben, mit beschichtetem Material ausgekleidet und mit dem oben geschilderten Gestein und Substrat so verfüllt, dass die Wurzeln Platz haben.

Von der Höhe des Asphalts nach unten sind eine Luft- und eine Mulchschicht vorgesehen, oberirdisch gibt es einen nachfüllbaren Bewässerungssack, der 120 Liter fasst und kontrolliert ins Erdreich tröpfelt. Geschützt wird jeder Baum unter anderem durch ein Baumschutzgitter und ein Hochbord rund um die Baumscheibe, das vor allem parkende Fahrzeuge abhält, die in den vergangenen Jahren den Boden extrem verdichtet haben. Der Abstand zwischen den Bäumen richtet sich „nach der zukünftlich zu erreichenden Baumkrone“.

Die Kostenschätzung für die beiden „Linden-Baumquartiere“ am Marktplatz beläuft sich – inklusive der Erdarbeiten (Aufbruch des Felses und Verfüllung mit Grobschotter) – auf rund 15.000 Euro. Pro Baum wurden somit von der Stadt Ratingen etwa 7500 Euro „für die Lebensraumverbesserung der stadtbildprägenden Bäume am Marktplatz“ (so heißt es in der Vorlage) aufgewendet.

Hierbei handelt es sich jedoch nicht um den Mehraufwand, sondern um die Gesamtkosten. Denn auch bei einer herkömmlichen Nachpflanzung würden Kosten für Bäume, Erdarbeiten, Baumsubstrat, Baumschutzgitter, und anderes anfallen. Zudem wären der Bewässerungsaufwand und damit die jährlichen Unterhaltungskosten deutlich höher.