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Kinder aller Nationen machen Intensivkurs Deutsch in Ratingen

Deutschkurs : Die Sprache der Musik versteht jeder

Rund 70 Kinder und Jugendliche aus Ratingen nutzen die Ferien, um ihre Deutschkenntnisse in einem Intensivkurs zu vertiefen. Die jungen Teilnehmer erarbeiten sich die Sprache spielerisch und über Musik.

Mitten in den Sommerferien schallen laute Trommelklänge über den Hof des Schulzentrums in Ratingen West. Rund zwei Dutzend Kinder und Jugendliche geben den Rhythmus auf hölzernen Kastentrommeln vor. Eine zweite Gruppe tanzt nach den Klängen von „194 Länder“ von Mark Foster. Und einige singen lauthals mit.

Denn genau darum geht es. Die Jungen und Mädchen wollen in einem 14-tägigen Intensivkurs ihre Deutschkenntnisse vertiefen. Ihre Familien stammen aus Syrien, Irak, Afghanistan, Bosnien oder Vietnam, um nur einige Nationen zu nennen. Einige sind erst seit wenigen Wochen in Deutschland. Häufig wird bei ihnen zu Hause noch ihre Muttersprache gesprochen. Das soll sich jetzt ändern.

„Das Niveau ist sehr unterschiedlich“ so Ute Pieczewski und Christina Leibelt, die den Unterricht in kleinen Gruppen leiten. „Deshalb ist jede Gruppe anders.“ Die Lehrerinnen stellen sich auf die Teilnehmer ein und passen das Programm an die Bedürfnisse an. „Große Schwierigkeiten bereiten immer Fremdwörter und Verben“, so Ute Pieczewski. Sie übte mit ihrer Gruppe intensiv die Uhrzeiten. Die Verständigung klappt manchmal mit Händen und Füßen, manchmal auf Englisch und hin und wieder müssen Landleute übersetzen.

Besonders gefragt war bei den Teilnehmern der Bau der Kastentrommeln mit Martin Hesselbach. Verständigungsprobleme gibt es hier kaum. Die Jungen und Mädchen schauen ihrem Vorbild einfach auf die Finger und lernen so ganz nebenbei, was Holz, Hammer, Nagel, Leim oder auch ein Akkuschrauber ist. Kaum ist das Instrument fertig, bricht das Eis endgültig: „Über das Trommeln kann man Menschen am schnellsten zur Musik bringen“, so Hesselbach. „Was man trommelt, kann man auch sprechen. Und Musik ist international.“

Mehrere Tage lernen die Schüler in lockerer Atmosphäre das Lied, besprechen Vokabeln und Grammatik und singen zaghaft selbst. Mit jedem Tag werden sie sicherer. Und sogar Wörter wie „schnurz“ haben die Kinder nach zwei Wochen drauf.

Jetzt übernimmt Stephanie Engelhardt. Zum Text von Mark Foster übt sie mit den Kindern und Jugendlichen eine Choreografie ein. Das klappt nicht auf Anhieb. Schließlich wollen die neue Sprache, das fremde Lied, der Rhythmus und die Bewegung dazu unter einen Hut gebracht werden.

Am Ende bahnt sich der Spaß den Weg und die Kinder singen, tanzen und trommeln mit Feuereifer ihr erstes Lied mit deutschem Text. Einmal im Fluss wollen die Jungen und Mädchen gleich weitermachen. Diesmal dauert es nur noch wenige Minuten, bis der Rhythmus sitzt, der Text wird schon mal mitgesummt und die Tanzschritte werden gierig aufgesogen und auf dem Schulhof macht sich Urlaubsstimmung breit. Schule kann auch Spaß machen. Sogar in den Ferien.

(abin )