Heiligenhaus: Kein Winterdienst für die Radfahrer

Heiligenhaus: Kein Winterdienst für die Radfahrer

Die schlechten Ergebnisse für die Stadt beim "Fahrradklimatest" ziehen Kreise. Die Stadt nimmt Stellung zu Kritik.

Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests für die Stadt fielen ernüchternd aus. In der Summe kam die Stadt Heiligenhaus auf den viertletzten Platz – bundesweit – was die Fahrradfreundlichkeit der Kommune angeht (RP berichtete). Damit ist die Sache nicht zu den Akten gelegt. Auf Antrag der Fraktion WAHL hat die Stadt die Ergebnisse des Fragenkatalogs umfangreich kommentiert.

Ihren Antworten voran stellt die Verwaltung eine simple Zahl: In Heiligenhaus haben sich 67 Radfahrer an der Fragebogenaktion beteiligt.

Winterdienst: "Zur Zeit sind die meisten Radwege in Heiligenhaus als Bordsteinradwege und für Radfahrer freigegebenen Gehwege im Winterdienst auf die Anwohner übertragen", teilt die Verwaltung mit. Auch der Panoramaradweg wird nicht geräumt.

Spaßfaktor: "Heiligenhaus ist topografisch außerhalb des Panoramaradwegs nicht mit den siegreichen Städten am Niederrhein vergleichbar. Die Frage, ob Radfahren Spaß macht, wird sicherlich auch nicht an jedem Tag gleich beantwortet." Angedacht sei zumindest ein Leihfahrradsystem. Dies aber habe nur dann einen Sinn, wenn die Nachbarstädte mit einbezogen würden.

Einbahnstraßen: Die beiden bedeutendsten Einbahnstraßen in Heiligenhaus befinden sich auf der B 227 (Velberter Straße, Pinner Straße und Südrinq) Die Hauptstraße, die bis 31. Dezember 2011 ebenfalls Bundesstraße war, wurde durch die Stadt Heiligenhaus an beiden Enden bereits für den Gegenverkehr ausgebaut. Die Planung des Mittelteils der Hauptstraße ist mit einem Radfahrschutzstreifen in Gegenrichtung beschlossen.

Im Jahre 2005 wurde die Schulstraße als erste Einbahnstraße im Stadtgebiet in Gegenrichtung freigegeben. Bezüglich weiterer Einbahnstraßen im Stadtgebiet hat der ADFC bereits vor langer Zeit gefordert, sämtliche Einbahnstraßen freizugeben. Die Verwaltung sieht mit der gestiegenen Bedeutung des Radverkehrs im Stadtgebiet jetzt den richtigen Zeitpunkt für die Umsetzung.

Erreichbarkeit des Zentrums: Der Panoramaradweg führt fast unmittelbar bis an das Stadtzentrum. Die Zugangsstellen Kettwiger Straße und Bahnhofstraße werden mit Fertigstellung des Kiekert-Geländes noch um einen weiteren Zugang an der Hochschule ergänzt. "Die Beobachtung, dass dieser insbesondere auch an Markttagen als Weg ins Zentrum genutzt wird, zeigt, dass hier bereits Fortschritte erzielt wurden. Die umgebaute Hauptstraße wird die direkte Erreichbarkeit des Stadtzentrums für Radfahrer noch einmal wesentlich verbessern."

Der ADFC hat zusätzlich zum Zeugnis auf die zurückliegenden Jahre geblickt. In der Bewertung heißt es: "Die Stadt Heiligenhaus hatte beim Klimatest 2003 unter allen beteiligten Städten den schlechtesten Platz belegt. Konfrontiert mit den Ergebnissen gab es in 2004 und 2005 einige positive Entscheidungen und Maßnahmen, die Hoffnung aufkommen ließen. Positiv war auch, dass man den ADFC in Entscheidungsprozesse mit einbezog. Unter diesem Eindruck hat es der ADFC Heiligenhaus unterlassen, im Jahr 2005 Radler offensiv aufzufordern, am Klimatest teilzunehmen, um zu vermeiden, dass eine weiterhin schlechte Bewertung begonnene Prozesse im Keim ersticken könnte."

Der Lobbyverband der Radfahrer kommt zu einem selbstbewusst klingenden Urteil: "Dieses Vorgehen hat aber leider dazu geführt, dass der ADFC bei Entscheidungsprozessen zum Radverkehr außen vor gelassen wurde und so das Ziel, Heiligenhaus fahrradfreundlicher zu gestalten, fehlgeschlagen ist."

(RP)