1. NRW
  2. Städte
  3. Ratingen

Ratingen: Kampf um die Stadtspitze ist völlig offen

Ratingen : Kampf um die Stadtspitze ist völlig offen

Klaus Konrad Pesch, der Erste Beigeordnete, will Bürgermeister Harald Birkenkamp ablösen – das Duell des Jahres 2014.

Klaus Konrad Pesch, der Erste Beigeordnete, will Bürgermeister Harald Birkenkamp ablösen — das Duell des Jahres 2014.

Noch vor wenigen Wochen hat die Bürger Union (BU) die interessierte Öffentlichkeit sehr forsch gefragt: Warum soll man einen Lehrling wählen, wenn man doch den Meister haben kann? Der Lehrling heißt Klaus Konrad Pesch, ist aktuell Erster Beigeordneter der Stadt. Der Meister heißt Harald Birkenkamp und will nach seinem und dem Willen der BU in die dritte Amtszeit gehen — als Bürgermeister. Diesen Job möchte Pesch haben, der Mann, der im Schatten des Stadtoberhauptes viele Dinge regelt und geregelt hat.

 Klaus Konrad Pesch (FDP) will es wissen: Er ist Erster Beigeordneter, nun tritt er als Bürgermeister-Kandidat von CDU, SPD, FDP und Grünen an.
Klaus Konrad Pesch (FDP) will es wissen: Er ist Erster Beigeordneter, nun tritt er als Bürgermeister-Kandidat von CDU, SPD, FDP und Grünen an. Foto: Achim Blazy

Die BU hat die verbale Posse um Meister und Lehrling schnell wieder aus dem Netz genommen — offenbar aus der Sorge heraus, dass solche Begrifflichkeiten im Wahlkampf noch einmal eine Rolle spielen und der Wählergemeinschaft als arrogante Haltung um die Ohren fliegen könnten. Zu spät: Meister und Lehrling bleiben als Zuspitzung haften, die beiden Bezeichnungen geben zudem einen Vorgeschmack auf die kommenden Monate. Pesch gegen Birkenkamp — das ist der Zweikampf des Jahres 2014. Die Wahlentscheidung ist für den 25. Mai terminiert.

  • Ratingen : Muskelkrankheit macht Pferdehaltern Sorge
  • Ratingen : Sprechstunde bei Bürgermeister Klaus Pesch
  • Postskriptum Diese Woche In Unserer Stadt : CDU setzt Pesch unter Druck

CDU, SPD, Grüne und FDP hatten den Namen des gemeinsamen Kandidaten erfolgreich unter Verschluss gehalten — erstaunlich, denn in Ratingen machen Gerüchte und Informationen rasend schnell die Runde. Doch es hat funktioniert. Klaus Konrad Pesch will es also wissen und seinen Vorgesetzten ablösen. Ausgerechnet Pesch, die loyale rechte Hand des Amtsinhabers. Ausgerechnet Pesch, von dem man sagt, dass es keinen besseren Verwaltungsfachmann geben kann. Er hat sich in den vergangenen Jahren sehr viel zugemutet und vieles aufbürden lassen. Er hat den Job des mittlerweile verurteilten Baudezernenten Dr. Ulf-Roman Netzel übernommen — damals pures Neuland für den Juristen, der nebenbei noch das Studium der Betriebswirtschaft erfolgreich abgeschlossen hat. Pesch ist ein harter Arbeiter. Jetzt, so heißt es im Umfeld des Beigeordneten, kommt es vor allem darauf an, diese Arbeit wahrnehmbar zu machen.

Was so mancher Beobachter des politischen Geschehens bereits vergessen hat: Ohne Pesch würde es das neue Rathaus-Projekt gar nicht geben, er war es, der nach jahrelangem Hickhack mit einer speziellen Bau-Variante die Lösung herbeigeführt hat. Pesch, der Rathaus-Baumeister. Lob hat er dafür bekommen, doch es ist nicht seine Sache, dafür mittels Sänfte selbstgefällig durch die Stadt getragen zu werden. CDU, SPD, Grüne und FDP wissen, dass sie ihrem gemeinsamen Kandidaten schnellstmöglich ein politisches Profil geben müssen. Pesch steht für Sachverstand und Problemlösung. Wofür steht er politisch?

Birkenkamp kann vor allem den Bonus des Amtsinhabers ausspielen. Der Diplom-Verwaltungswirt ist ein ganz erfahrener Mann mit engmaschigem Netzwerk. Birkenkamp weiß, dass ihm Pesch gefährlich werden kann. Als ihm der Erste Beigeordnete die Nachricht überbrachte, dass er kandidieren werde, soll der Verwaltungschef geschockt gewesen sein und den Hinweis gegeben haben, dass ein Wahlkampf teuer sei — sehr teuer.

Noch kann man sich Pesch, der Mitglied der FDP ist, als glühenden Wahlkämpfer nicht so recht vorstellen. Er wird irgendwann aus der Deckung des artigen Kollegen kommen müssen. Aus dem Umfeld des Ersten Beigeordneten verlautet, dass er den Bürgermeister-Job wirklich will, dass er sich diesen Schritt gut überlegt hat.

CDU, SPD, Grüne und FDP wollen mit einem Bürgermeister Pesch einen neuen und vor allem transparenten Kommunikationsstil im Rathaus etablieren. Ihre Kritik: In Ratingen würden viele Dinge blockiert und nicht kommuniziert. Ein klarer und oft formulierter Angriff auf Birkenkamp.

Pesch ist also der Hoffnungsträger, der die Rolle des Herausforderers verinnerlichen soll, flankiert von den Strategen in den Parteizentralen.

Der Erste Beigeordnete gegen den amtierenden Bürgermeister: Das Duell des Jahres 2014 ist zum jetzigen Zeitpunkt völlig offen. Siegesgewiss geben sich die vier Parteien noch nicht. Angesichts ihres ambitionierten Kandidaten Pesch fragen sie mit Blick auf einen Wachwechsel im Rathaus dennoch sehr forsch: Wenn nicht jetzt, wann dann?

(RP)