Ratingen: Kahlschlag ruft Politik auf den Plan

Ratingen: Kahlschlag ruft Politik auf den Plan

Ein Vertreter des Landesbetriebs soll im Bezirksausschuss Homberg die massiven Abholzmaßnahmen erklären.

Wut und Fassungslosigkeit in Homberg, aber nicht nur dort: Man zeigt sich entsetzt über den massiven Kahlschlag, den der Landesbetrieb Straßen.NRW ohne Angabe des Ausmaßes einfach durchgezogen hat. „Die Abholzungen an der L 422“ sind einfach verheerend“, sagt der grüne Fraktionsvorsitzende Hermann Pöhling. Am 7. Februar hatte der Landesbetrieb Straßen.NRW seine Gehölzarbeiten angekündigt, am selben Tag auch schon ausgeführt, ohne dass die lokale Politik oder Bevölkerung Zeit zum Luftholen oder gar für Gegenreaktionen gehabt hätte.

Durfte Straßen.NRW das? Ja, rechtlich gesehen durfte der Landesbetrieb das, verlautete es aus der Stadtverwaltung am Rande der Ratssitzung am 12. Februar. Es bleibt der Eindruck von unangemessenem Behördenhandeln, rechtlich möglich muss nicht immer richtig sein, sagen die Grünen und beklagen mangelnde Transparenz des Vorgehens.

„Wie kommen die Entscheidungen bei Straßen.NRW zustande? Wer bestimmt das Ausmaß der Gehölzarbeiten? Werden die Bäume zuvor auf Krankheiten oder Standfestigkeit untersucht?“ Diese und andere Fragen sollen bei der Bezirksausschusssitzung am 7. März beantwortet werden, die die Grünen noch am Tag des Kahlschlags beantragt hatten und zu der ein Vertreter von Straßen.NRW eingeladen werden soll.

Wie ein RP-Leser berichtete, wurde der Baum- und Buschbewuchs mit der Motorsäge flachgelegt. Nur hier und dort stehe noch ein Baum, wo bisher die Straße dicht eingegrünt war. Es waren zu Beginn der Maßnahme wohl an die 200 Bäume mit Durchmessern von bis zu 50 Zentimetern, die einfach abrasiert wurden. Beobachter sprachen von der Hälfte des Bereichs, der bearbeitet werden sollte.

Die Leute, die im Einsatz waren, verwiesen darauf, dass die Bäume umsturzgefährdet gewesen seien. Sie machten auf diese und jene Schadstelle aufmerksam.

Tatsächlich waren 95 Prozent der Bäume offenbar kerngesund, und es waren an den Baumscheiben weder Faulstellen noch Risse zu erkennen.

Vielfach standen die Bäume an der zum Feld hin geneigten Böschung, so dass eine Gefährdung zur Straßenseite ohnehin ausgeschlossen gewesen wäre. Auch das umfangreiche Buschwerk stellte sicherlich keine Gefährdung dar.

Die Homberger sind jedenfalls tief enttäuscht. Innerhalb von Tagen wurde die grüne Einfahrt in den Stadtteil, die in Jahrzehnten gewachsen ist, rigoros zerstört.

Das Strauchwerk bot übrigens nicht nur vielen Tieren Unterschlupf, sondern es schützte überdies im Winter manches Mal die Straße auch vor Schneeverwehungen.

Auch am Hölenderweg gab es einen massiven Kahlschlag, wie Michael Baaske vom Jugendamt berichtete. Er ist häufig mit dem Rad unterwegs. An anderen Orten in der Region berichtete man von ähnlichen Maßnahmen, die Kopfschütteln hervorgerufen haben.

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