Ratingen: Jungtalente begeistern in der Burg

Ratingen : Jungtalente begeistern in der Burg

In der Reihe "Selection" musizierten Jungstudenten der Robert-Schumann-Musikhochschule in der Wasserburg Haus zum Haus. Sie machten ihre Sache großartig. Die jüngste Musikerin war erst neun Jahre alt.

Selbstbewusstsein scheint zum Fächerkanon zu gehören bei "Schumann junior", dem Ausbildungsangebot der Robert-Schumann-Musikhochschule Düsseldorf für musikalisch Hochbegabte im Schüleralter. Institutsleiterin Barbara Szczenpanska hatte "sechs ganz junge Damen" (so Hausherrin Christa Lambart) für das Herbstkonzert im Konzerthaus zum Haus unter dem Motto "Selection" ausgewählt.

Das klang herrlich

Als Jungstudenten werden Kinder und Jugendliche eigentlich zwischen zehn und 17 Jahre aufgenommen. Hier war die Jüngste allerdings erst neun Jahre alt. Aber schon bei dem berühmten Drei-Akkorde-Motiv des Preludes von Sergej Rachmaninoff legte Laetitia Hahn sowohl Kraft als auch Gestaltungswillen in ihren Tastenanschlag. Manuelle Geschicklichkeit bewies sie auch bei schnellen Passagen in einer Etüde von Franz Liszt und einem Variationenwerk von Isaac Berkowitsch: Das lief und lief und klang ganz herrlich. Die Zweitjüngste des Abends, wiederum eine Pianistin, Lisa Zhu, spielte Beethoven, Chopin und Glinka. Motive wurden plastisch herausgearbeitet, schnelle Tonfolgen perlten, die Pianistin hatte Überblick über die Ebenen der Stücke.

Vanessa Tao Huang hatte vielfältige Aufgaben: Sie begleitete zwei junge Kolleginnen mit großem Einfühlungsvermögen und gutem Sinn für die Klangbalance; außerdem spielte sie Johannes Brahms' erste Rhapsodie dramatisch zupackend und lyrisch nachspürend.

Zwei Streichersolistinnen bereicherten das Programm: Kristin Klemt zauberte einen erstaunlich vollen Ton auf ihrem Cello, mit dem sie großes Potenzial für das Gestalten von Melodien bei Camille Saint-Saens' Cellokonzert entwickelte. Die Geigerin Jule Williams zeigte lebendig musizierte Zauberkunststücke auf ihrer Geige bei Stücken von Niccolo Paganini und Pablo de Sarasate. Begleitet wurde sie von Soomija Park. Welch' ein Tempo hatte diese Tarantella!

Auch eine Sängerin trat auf. Lea Sikau sang im ersten Teil des Programms mit heller, jugendlich unverstellter und gut geführter Stimme eine Mozart-Arie sowie Lieder von Robert Schumann und Aribert Reimann mit Sinn für Dramatik. Zum Programmschluss traten sie und ihre Begleiterin Vanessa Tao Huang in großgepunkteten Kleidern auf — ein Hingucker — und berichteten musikalisch von den Nöten einer Neu-Mieterin, die sich zwischen einer Koloratursopranistin und einer Jazzsängerin wiederfindet. Diesen Sound-Mix nachzuahmen gelang köstlich!

Wenn sich tatsächlich bei den jungen Hoch-Talenten mal ein falscher Ton eingeschlichen hatte, machten sie, was alle gestandenen Musiker machen: selbstbewusst weiterspielen.

(NL)